Zürich, Opernhaus: MADAMA BUTTERFLY; 11.01.2026
Wiederaufnahme von Ted Huffmans Inszenierung, mit Elena Guseva in der Titelrolle und Stefan Pop als Pinkerton. Evan Rogister dirigiert.
Tragedia giapponese in drei Akten | Musik: Giacomo Puccini | Libretto: Luigi Illica / Giuseppe Giacosa | Uraufführung: 17. Februar 1904 in Mailand, dreiaktige Neufassung am 28. Mai 1904 in Brescia | Aufführungen in Zürich: 30.12.2025 | 3.1. | 9.1. | 11.1. | 13.1. | 16.1.2026
Kurzkritik:
Diese Wiederaufnahme sollte man nicht verpassen! Elena Guseva rockt das Haus mit einer fulminanten Gestaltung der Titelrolle. Mit packender Intensität lotet sie die seelischen Befindlichkeiten der Cio-Cio-San aus, macht die Hoffnungen, die Verliebtheit der 15 Jährigen erlebbar und rührt mit ihrer Naivität und ihrer Enttäuschung, die sie schliesslich zum Suizid treibt. Das ist vokal und darstellerisch von überragender Eindringlichkeit! Evan Rogister leitet eine soghafte Aufführung und bringt den Farbenreichtum von Puccinis meisterhafter Instrumentierungskunst und dessen effektsicheren Umgang mit dem motivischen Einfallsreichtum zusammen mit dem äusserst präsent spielenden Orchester der Oper Zürich trefflich zum Klingen! Stefan Pop singt einen stimmgewaltigen, bombensicher intonierenden Pinkerton und Davide Luciano lässt als Konsul Sharpless mit seinem imposanten Bariton aufhorchen. Ausgezeichnet sind auch Siena Licht Miller als einfühlsam singende und agierende Suzuki, Martin Zysset als umtriebiger, empathieloser Heiratsvermittler Goro, Steffan Lloyd Owen als warmstimmiger Fürst Yamadori uns Stanislav Vorobyov als autoritär seine Nichte verfluchender Onkel Bonze. Lobel Barun (kaiserlicher Kommissar) und Flavia Stricker (Kate Pinkerton) ergänzen das hochklassige Ensemble vortrefflich. Die stringente Kraft der Inszenierung von Ted Huffman vermag immer noch restlos zu überzeugen und in Bann zu schlagen. Atemberaubend!
Die Besprechung der Premiere von 2017 ist im entsprechenden Link weiter unten verfügbar.
Inhalt:
Der leichtlebige amerikanische Marineoffizier Pinkerton heiratet in Nagasaki die 15jährige Cio-Cio San, genannt Butterfly. Die Warnungen des amerikanischen Konsuls Sharpless schlägt er in den Wind. Die Heiratszeremonie wird durch den Onkel Cio-Cio Sans gestört, welcher das junge Mädchen verflucht, weil sie heimlich zum Christentum konvertierte.
Der Akt schliesst mit einem der längsten und schönsten Liebesduette der Opernliteratur.
Drei Jahre später:
Butterfly hat einen Sohn von Pinkerton. Der selbst hat sich aber nie mehr in Japan blicken lassen, doch Butterfly gibt die Hoffnung nicht auf, dass er sie nach Amerika holen wird. Suzuki zweifelt. Sharpless will Butterfly darauf vorbereiten, dass Pinkeron zwar auf dem Weg nach Japan sei, doch nicht ihretwegen. Ihren Verehrer Yamadori weist Butterfly standhaft ab.
Ein Kanonenschuss verkündet die Ankunft des amerikanischen Kriegsschiffes.
Butterfly hat die ganze Nacht lang vergeblich auf Pinkerton gewartet. Sie zieht sich zurück. Pinkerton erscheint im Garten mit seiner neuen Frau Kate um seinen Sohn nach Amerika zu holen. Butterfly ersticht sich mit dem Dolch, mit dem auch ihr Vater einst Selbstmord begangen hatte.
Werk:
Das Fiasko der Uraufführung von MADAMA BUTTERFLY lag vermutlich in den Rivalitäten der beiden mächtigen Verlagshäuser Italiens (Ricordi und Sonzogno) begründet. Puccini zog die Oper sofort zurück und präsentierte kurz darauf in Brescia ein neue, diesmal äusserst erfolgreiche Fassung. MADAMA BUTTERFLY gehört zu den meistgespielten Opern der Welt, in den USA ist sie seit Jahrzehnten die Nummer eins. Sie ist die stilistisch geschlossenste Oper des Meisters. Der melodische Einfallsreichtum, die gewagte, auch an die Grenzen der Tonalität stossende, von Melodien japanischer Herkunft inspirierte Harmonik machen aus MADAMA BUTTERFLY weit mehr als das kitschig sentimentale Drama, als welches es oft herablassend bezeichnet wird.
Die Oper hat auch in der Pop Musik (Un bel dì gibt es in unzähligen Versionen), im Film (z.B. FATAL ATTRACTION mit Glenn Close und Michael Douglas) und im Musical (MISS SAIGON) ihre Spuren hinterlassen.
Musikalische Höhepunkte:
Dovunque al mondo, Pinkerton – Sharpless, man hört die amerikanische Nationalhymne
Ancora un passo, Auftritt von Cio-Cio San und ihren Freundinnen, Akt I
Bimba, Bimba, non piangere, Duett Cio-Cio San – Pinkterton, Akt I
Un bel dì, Arie der Cio-Cio San, Akt II
Tutti i fior? Duett Cio-Cio San – Suzuki, Akt II
Coro a bocca chiusa , Summchor, Zwischenspiel zu Akt III
Addio, fiorito asil, Arioso des Pinkterton, Akt III
Con onor muore, Finale Akt III
copyright: Toni Suter, mit freundlicher Genehmigung Opernhaus Zürich Bilder der Wiederaufnahme von 2024
copyright: Toni Suter, mit freundlicher Genehmigung Opernhaus Zürich Bilder der Wiederaufnahme von 2024