Willkommen in der Welt der Oper, des Konzerts, des Balletts

Auf dieser Seite finden Sie Kritiken meiner Opern- und Konzertbesuche und bekommen Informationen rund um Spielpläne und Opernhäuser (vorwiegend aus der Schweiz und aus Deutschland). Die Premierenberichte erscheinen wann immer möglich am Tag nach der Premiere und damit in aller Regel vor den Printmedien. Kommentare und eigene Eindrücke von BesucherInnen dieser Seite sind ausdrücklich erwünscht. Ich wünsche allen viele unvergessliche, spannende und aufwühlende Opernbesuche. 

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München, Bayerische Staatsoper: DIE VERKAUFT BRAUT, 22.07.2019

Erstellt von Kaspar Sannemann | |   Die verkaufte Braut

Komische Oper in drei Akten | Musik: Bedřich Smetana | Libretto: Karel Sabina | Uraufführung: 30. Mai 1866 in Prag (zwei Akte mit gesprochenen Dialogen, Ausweitung auf drei Akte mit komponierten Rezitativen: 1870 in Prag | Aufführungen in München (Wiederaufnahme): 19.7. | 22.7. 2019 | 10.1. | 12.1. | 15.1. | 18.1.2020

Kritik: folgt am 23.7. ab 20 Uhr an dieser Stelle

Inhalt:

ERSTER AKT
In einem böhmischen Dorf wird Kirchweih gefeiert. Man singt von den Freuden der Liebe und der Monotonie im Ehealltag. Marie beklagt sich bei ihrem Geliebten Hans, dass sie auf Geheiß ihrer Eltern noch am selben Tag einen ihr bisher unbekannten Mann heiraten soll, obwohl ihr Herz doch Hans gefört. Hans versucht Marie zu trösten, doch sie vermutet, dass er es gar nicht so ernst meine mit ihr. Auf die Frage nac seiner Herkunft antwortet er, dass er aus reichem Hause stamme, doch nach der Wiedervermählung seines Baters aus dem Haus gejagt worden sei. Hans beklagt den Tod seiner Mutter und wird von Marie getröstet. Die beiden versichern sich ihrer Liebe zueinander. Unterdessen beraten Maries Eltern mit dem Heiratsvermittler Kezal über den Ehevertrag.. Kezal erinnert Maries Vater Kruschina daran, dass er bereits vor Jahren Tobias Micha versprochen habe, dessen Sohn die eigene Tochter zur Frau zu geben. Kathinka schilt ihren Mann, ohne Maries Zustimmung eine Ehe arrangiert zu haben. Marie will nicht klein beigeben. Während Kruschina und Kezal zur Ehe drängen, bekennt sie offen ihre Liebe zu Hans. Den unterschriebenen Vermittlungsvertrag zwischen Kezal und ihrem Vater erkennt sie nicht an. Kezal rät Kruschina zu einem Treffen mit Tobias Micha, um die Situation unter Vätern auszudiskutieren. Die Dorfbewohner betrinken sich und tanzen. 

ZWEITER AKT 
Bier-Chor. Kezal labert über den Wert des Geldes. Tobias Michas Sohn, der stotternde Wenzel, ist mit dem Auftrag, seine ihm versprochene Braut Marie abzuholen, sichtlich überfordert. Er trifft auf Marie, die ihn erkennt, nicht aber er sie. Sie schildert ihm seine Zukünftige in den schwärzesten Farben. Diese liebe einen anderen Mann und werde Wenzel zu Tode quälen. Kezal versucht, Hans zur Trennung von Marie zu bewegen. Erneut preist der Heiratsvermittler das Geld als höheres Gut denn die Liebe und verspricht Hans eine andere Frau mitsamt großem Vermögen. Hans sträubt sich, worauf Kezal ihm Geld bietet, um Marie dem Sohn des Tobias Micha zu überlassen. Für 300 Gulden willigt Hans in einen Vertrag mit diesem Wortlaut ein. Insgeheim triumphiert Hans: Er ist sich sicher, die Weichen für die Hochzeit mit Marie gestellt zu haben. Kezal verkündet vor den Dorfbewohnern die mit Hans getroffenen Vereinbarungen. Dass jemand seine Braut für Geld verkaufen könne, versetzt diese und Kruschina in Empörung. 

DRITTER AKT 
Ein Wanderzirkus unterbricht den zu Tode betrübten Wenzel in seinen Grübeleien über die Schwierigkeiten der Liebe. Der Zirkusdirektor kündigt die Höhepunkte des Programms an: die Tänzerin Esmeralda, einen Indianerhäuptling, einen Kannibalen und als Hauptattraktion einen Bären aus Amerika. Doch Muff, der Indianerdarsteller, erzählt dem Direktor, dass sich der Bärendarsteller im Wirtshaus betrunken habe und nicht mehr einsatzbereit sei. Ein Ersatz sei nicht zu finden – niemand würde in das Bärenkostüm passen. Da fällt ihnen Wenzel auf: Der habe doch genau die richtige Statur. Der Zirkusdirektor wittert seine Chance und lädt Wenzel ein, in die Zirkustruppe einzutreten: Wenn er den Bären spiele und im Kostüm tanze, bekomme er Esmeralda zur Frau. Wenzel vergisst schnell seine Bedenken, dass er nicht tanzen könne und seine Mutter ihn für einen solchen Auftritt tadeln würde, als Esmeralda ihm schöne Augen macht. Seinen Eltern Agnes und Tobias Micha gegenüber will Wenzel nichts mehr von der Verlobung mit Marie wissen. Marie ist entsetzt, weil ihr Hansʼ angeblicher Verrat zu Ohren gekommen ist. Kezal bestätigt ihre Befürchtungen mit Verweis auf den von Hans unterschriebenen Vertrag. Kathinka und Kruschina raten ihrer Tochter zur Verlobung mit Wenzel. Dieser will Marie jetzt sofort heiraten, erkennt er in ihr doch das  Mädchen, das ihm zuvor den Verzichtsschwur abgenommen hatte. Marie beklagt einsam das verlorene Liebesglück mit Hans. Sie will von ihm nichts mehr wissen und lässt ihn gar nicht erst zu Wort kommen, als er versucht, den Vertrag mit Kezal zu erklären. Kezal will nun endlich den Verkauf der Braut zum Abschluss bringen. Marie ist schockiert, dass Hans dazu bereit ist. Zur allgemeinen Verwunderung erkennt Tobias Micha in Hans seinen verschollenen Sohn. Hansʼ Plan geht auf: Da er selbst Sohn des Tobias Micha ist, hat er Marie nicht an einen anderen verkauft. Marie soll sich also zwischen Wenzel und ihm entscheiden, was ihr leicht fällt: Sie wählt Hans. Die Eltern des Brautpaares machen sich über Kezals Versagen lustig, während dieser seinen Verlust an Glaubwürdigkeit beklagt. Plötzlich verbreitet sich die Nachricht über einen entlaufenen Bären. Unter dem Bärenkostüm gibt sich jedoch Wenzel zu erkennen, der nun endgültig zum Gespött aller und von seiner Mutter Agnes für die Schande niedergemacht wird. Tobias Micha versöhnt sich mit seinem Sohn Hans; einer Heirat zwischen ihm und Marie steht nun nichts mehr im Wege. 

Werk:

Bedřich Smetana (1824 – 1884) komponierte seine erfolgreichste Oper DIE VERKAUFTE BRAUT (Prodaná nevěsta) im Jahr 1866. Bald wurde sie zur volkstümlichen Nationaloper der Tschechen. Zusammen mit den Opern von Antonin Dvořák und später denjenigen von Leoš Janáček bildeten Smetanas Werke quasi ein Gegengewicht zu den Opern aus dem italienischen, dem deutschen oder dem französischen Repertoire. Dabei wurde Smetana (als Liszt-Schüler) eher dem Wagnerianismus zugerechnet, während Dvořák Brahms näher stand. DIE VERKAUFTE BRAUT zeichnet sich durch eine Flut von Gassenhauern aus, toll instrumentiert, und mit an Mozart orientierten, kunstvoll gearbeiteten Ensembles aufwartend.

Karten

copyright: Wilfried Hösel, mit freundlicher Genehmigung Bayerische Staatsoper
copyright: Wilfried Hösel, mit freundlicher Genehmigung Bayerische Staatsoper