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Zürich: DIE SACHE MAKROPULOS, 22.10.2019

Erstellt von Kaspar Sannemann | |   Die Sache Makropulos

Oper in drei Akten | Musik: Leoš Janáček | Libretto: vom Komponisten, nach einer Komödie von Karel Čapek | Uraufführung: 18. Dezember 1926 in Brünn | Aufführungen in Zürich: 9.10. | 13.10. | 17.10. | 22.10.2019

Kritik: folgt am 23.10. ab 13 Uhr an dieser Stelle

Inhalt:

Josef Ferdinand Prus verstarb kinderlos 100 Jahre bevor die Handlung einsetzt. Da kein Testament aufgefunden wurde, ging das Erbe an eine Nebenlinie des Verstorbenen, doch wurde dieses Urteil von einem Neffen der Mutter des Verstorbenen, Karl Ferdinand Gregor, angefochten. Der Erbstreit zieht sich nun schon hundert Jahre hin. In der Kanzlei des Anwalts Kolenaty taucht just am Tag der Entscheidung vor dem Appellationsgericht die Sängerin Emilia Marty auf und teilt dem Anwalt mit, wo das Testament aufgefunden werden kann. Zudem bestätigt sie, dass Gregor der Sohn von Prus und einer Sängerin namens Ellian MacGregor sei. Als Gegenleistung für ihre Informationen will sie die anderen Papiere haben, welche sich in diesem Geheimfach befinden. Tatsächlich werden die Papiere gefunden und Gregor gewinnt den Erbstreit. Die anderen Papiere jedoch hat Prus an sich genommen.

Nach einer Opernvorstellung steht die junge Sängerin Krista vor dem Problem, sich zwischen der Liebe zum jungen Janek Prus und der Kunst entscheiden zu müssen. Emilia Marty tritt hinzu und beleidigt das junge Liebespaar. Ein alter Mann, Hauk-Schendorf, glaubt in Emilia die spanische Sängerin Eugenia Montez wiederzuerkennen, die er vor 50 Jahren geliebt hat. Janeks Vater Jaroslav konfrontiert Emilia mit Liebesbriefen, die er beim Testament gefunden hat und die alle mit E.M. unterzeichnet sind. Er glaubt, dass es sich dabei um Elina Makropulos gehandelt habe und nicht um Elliane MacGrogor, d. h. die Erbschaft falle nicht Gregor zu, sondern allenfalls der Familie Makropulos. Emilia bietet Jaroslav eine Liebesnacht für die Herausgabe seiner Dokumente an, nachdem der Versuch, Janek zum Diebstahl zu bewegen, gescheitert ist. Jaroslav Prus geht auf den Handel ein. Sein Sohn Janek begeht Selbstmord.

Unter den Papieren, welche Prus nun Emilia aushändigt, befindet sich auch das von Emilia so sehnsüchtig gesuchte Schriftstück: Es enthält ein Rezept eines lebensverlängernden Elixiers des griechischen Leibarztes von Kaiser Rudolf II., Makropulos, welches dieser an seiner Tochter Elina ausprobiert hatte, die daraufhin ins Koma fiel, sich jedoch wieder erholte und nunmehr seit 300 Jahren mit wechselnden Identitäten lebt, doch immer die Initialen E.M. benutzt. Die 300 Jahre der Wirksamkeit des Elixiers sind nun um und Emilia trachtete danach, ihr Leben nochmals zu verlängern. Doch nun, da sie die Möglichkeit dazu hat, will sie nicht mehr – sie ist des Lebens und der immergleichen Wiederholungen müde geworden. Sie reicht das Schriftstück Krista, die es jedoch verbrennt. Elina Makropulos (Ellian MacGregor, Eugenia Montez, Emilia Marty) bricht tot zusammen.

Werk:

Leoš Janáček sah die Komödie von Čapek 1922 in Prag und begeisterte sich sofort für den Stoff, wobei er das Stück deutlich weg vom Lustspiel in Richtung eines Gerichtsthrillers verschob. Den Text zu seiner Oper verfasste er selbst. Die Dialoglastigkeit dieses Librettos kam Janáček entgegen, war er doch stets bemüht, seinen Kompositionsstil der Sprachmelodie anzunähern. Doch war in diesem Werk sehr viel Text zu vertonen, die reflektiven Momente sind (bis auf die Schlussszene der Emilia Marty) gänzlich ausgespart. Nach einem für Janáček unüblich ausgedehnten Vorspiel fällt der musikalische Duktus relativ nüchtern aus, wobei auch in diesem Werk immer wieder kleinste melodische Phrasen und Motive aufhorchen lassen. Erst in dieser Schlussszene entwickelt sich nach dem Gerichtskrimi das Psychodrama, obwohl auch hier die Kantilene der Emilia relativ herb gehalten ist und kaum weit geschwungene Bögen enthält. Doch durch die Einwürfe der Umstehenden und des unsichtbaren Männerchors erreicht der Komponist eine überaus expressive Kraft in diesem Finale. Die Partie der Emilia Marty ist eine sehr dankbare Aufgabe für deine dramatische Sopranistin und so taucht diese nicht ganz einfache Oper ziemlich häufig auf den Spielplänen auf, als Vehikel für eine grosse Sängerdarstellerin. Berühmte Interpretinnen waren u.a. Elisabeth Söderström, Anja Silja, Karan Armstrong, Hildegard Behrens, Catherine Malfitano, Gabriele Schnaut und Josephine Barstow.

Karten

 

copyright: Monika Rittershaus
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