Willkommen in der Welt der Oper

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Zürich, Opernhaus: 1. PHILHARMONISCHES KONZERT, 28.10.2018

Erstellt von Kaspar Sannemann | |   Schostakowitsch 5. Sinfonie

Wolfgang Amadeus Mozart: Rondo in A-Dur für Klavier und Orchester, KV 386, entstanden 1782 | Richard Strauss: Burleske in d-Moll für Klavier und Orchester | Uraufführung: 21. Juni 1890 in Eisenach | Dmitri Schostakowitsch: Sinfonie Nr. 5 in d-Moll, op. 47 | Uraufführung: 21. November 1937 im damaligen Leningrad | Dieses Konzert in Zürich: 28.10.2018

Kritik: folgt am 29.10. ab 18 Uhr an dieser Stelle

Werke:

Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791) komponierte sein Rondo in A-Dur 1782. Die Quellenlage ist jedoch alles andere als gesichert, auch ist die Komposition nur unvollständig erhalten geblieben, über die Jahre kamen immer neue lose Blätter zum Vorschein. Cipriani Potter erstellte 1838 eine Fassung, Albert Einstein knapp 100 Jahre später eine neue, basierend auf Cipriani Potters Version. Paul Badura-Skoda und Charles Mackerras erstellten 1962 eine aufführungstaugliche Version, die heute meist gespielt wird. Doch die Forschungsarbeit zu diesem Werk ist noch nicht zu Ende. 1980 tauchten in der British Library Partiturseiten mit dem Schluss von KV 386 auf. Vor allem was den (unvollständig erhaltenen) Orchestersatz betrifft, wird man sich bei jeder Aufführung für eine Lösung entscheiden müssen. Einstein vermutete auch, dass es sich bei diesem Rondo um eine Alternative zum Finalsatz des Klavierkonzerts KV 414 gehandelt haben könnte.

Richard Strauss kam als 21jähriger als Assistent zu Hans von Bülow nach Meiningen. Dort komponierte er seine Burleske in d-Moll. Eigentlich wollte er sie seinem Mentor Hans von Bülow widmen, doch der lehnte es ab, die Uraufführung zu spielen, obwohl auch er ein ausgezeichneter Pianist war. Dem viel beschäftigten Musiker war der Probenaufwand für dieses schwierige Stück zu gross. Strauss widmete es dann Eugen d'Albert, welcher es unter der Leitung des Komponisten zur Uraufführung brachte.

Dieser Burleske sitzt der Schalk wahrlich im Nacken. Die Komposition weist neben allen witzigen Referenzen an Struass' Idole Brahms und Wagner auf seinen TILL EULENSPIEGEL voraus. Der Pianist Rudolf Buchbinder, der das Werk oft aufgeführt hat, sagt dazu: "Man kann da einiges hineininterpretieren: frech, hinterfotzig, da gibt's schon einiges. Das ist ja typisch Richard Strauss, es ist ja schon der ganze Till Eulenspiegel drin. Und dann kommt der Moment, wo er genau weiß, dass man auf die Tränendrüse drücken muss. Plötzlich diese Cantilene. So sind einige Stellen in dieser Burleske." Den Auftakt überlässt Strauss der Pauke. Im weiteren Verlauf werden sich die vier Pauken immer wieder prominent in den Vordergrund drängen!

Der bis anhin sehr erfolgreiche Komponist Dmitri Schostakowitsch (1906-1975) fiel in der Sowjetunion Mitte der Dreissigerjahre in Ungnade, weil Stalin entsetzt war über Schostakowitschs Oper LADY MACBETH VON MZENSK und ein darauffolgender Prawda Artikel Schostakowitsch zum Rückzug seiner 4. Sinfonie bewegte. Mit der fünften jedoch konnte er sich 1937 retablieren, die Uraufführung war ein kolossaler Erfolg. Die Sinfonie behandelt das Thema des Mensch werdens in der sozialistischen Gesellschaft, lag in ihrer Form, ihrer Aussage genau auf der Linie des von der KPDSU von den Künstlern geforderten „sozialistischen Realismus“. Besonders das mitreissende Marsch-Jubel-Finale schien die Parteioberen zufrieden zu stellen. Doch Schostakowitsch wäre nicht Schostakowitsch, wenn es nicht durchaus doppeldeutig zu interpretieren wäre, denn allzu hohl und vordergründig scheint dieser Marsch zu sein, auf tönernen Füssen zu stenen. Brillant ist die Orchestrierung dieser Sinfonie, ihre formvollendete Geschlossenheit, ganz auf der Tradition der viersätzigen Sinfonien grosser Meister aufgebaut.

Schostakowitsch selbst schrieb später über das umstrittenen Finale: „Was in der Fünften vorgeht, sollte meiner Meinung nach jedem klar sein. Der Jubel ist unter Drohungen erzwungen. […] So als schlage man uns mit einem Knüppel und verlange dazu: Jubeln sollt ihr! Jubeln sollt ihr! Und der geschlagene Mensch erhebt sich, kann sich kaum auf den Beinen halten. Geht, marschiert, murmelt vor sich hin: Jubeln sollen wir, jubeln sollen wir. Man muss schon ein kompletter Trottel sein, um das nicht zu hören.“

Karten

 

Dmitri Schostakowitsch (1906-1972)