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Auf dieser Seite finden Sie Kritiken meiner Opern- und Konzertbesuche und bekommen Informationen rund um Spielpläne und Opernhäuser (vorwiegend aus der Schweiz und aus Deutschland). Die Premierenberichte erscheinen wann immer möglich am Tag nach der Premiere und damit in aller Regel vor den Printmedien.
Ich wünsche allen viele unvergessliche, spannende und aufwühlende Opernbesuche.
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Zürich, Tonhalle: WAGNER & BRAHMS; 21.10.2026
Natalie Stutzmann dirigiert Werke von Richard Wagner und Johannes Brahms. Chritina Nilsson singt den Liebestod aus TRISTAN UND ISOLDE
Richard Wagner: Ouvertüre zu RIENZI | Uraufführung: 20. Oktober 1842 in Dresden |
Richard Wagner: Vorspiel und Liebestod aus TRISTAN UND ISOLDE | Uraufführung: Uraufführung der Oper am 10. Juni 1865 in München unter Hans von Bülow |
Johannes Brahms: Sinfonie Nr. 1 in c-Moll, op.68 | Uraufführung: 4. November 1876 in Karlsruhe |
Aufführungen dieses Konzerts in der Tonhalle Zürich: 21.10. und 22.10.2026
Kritik: folgt am 22.10. ab 13 Uhr an dieser Stelle
Werke:
Hans von Bülow wurde oft mit der Aussage zitiert, RIENZI sei Meyerbeers beste Oper. Das ist nicht ganz falsch, denn Richard Wagner (183-1883) hatte sein ganz im Stile der pompösen Grand opéra gehaltenes Drama eigentlich für eine Aufführung in Paris konzipiert, die Partitur auch Meyerbeer angedient. Doch anstelle einer lukrativen Aufführung in der Pariser Oper landete Wagner im Schuldgefängnis. So wurde der RIENZI schliesslich in Dresden uraufgeführt, mit grossem Erfolg. Schon bald spielten andere Bühnen das Werk nach. Wegen seiner Überlänge (über sechs Stunden) machten sich bald schon diverse Kürzungen breit, die teils selbst von Wagner autorisiert wurden, da das Publikum auf zwei Abende verteilte Aufführungen nicht goutierte. Nach Wagners Tod erstellte seine zweite Frau Cosima eine Aufführungspartitur, welche Wiederholungen und Kadenzen strich und sich stärker von der Nummernoper absetzte, das Werk in Richtung Musikdrama führte. Diese Bearbeitung hielt sich lange in der Aufführungstradition, zumal die handschriftliche Originalpartitur verschollen ist. Wagner schenkte diese selbst an Weihnachten 1868 seinem Mäzen, König Ludwig II. 1939 jedoch sah sich der Wittelsbacher Ausgleichsfond gezwungen, diese dem Führer Adolf Hitler zu seinem 50. Geburtstag zu schenken. Seit Hitler das Werk als junger Mann in Linz gesehen hatte, vergötterte er diese Musik so sehr, dass er die Ouvertüre regelmässig bei den Nürnberger Parteitagen der NSDAP spielen liess. Hitler nahm die Partitur anscheinend am Ende mit in den Bunker der Reichskanzlei. Jedenfalls ist sie seither verschollen.
Die musikalische Sprache des RIENZI ist überaus süffig. Bombastische Märsche, Fanfaren, grosse Volksszenen in historisierendem Ambiente (der aus einfachen Verhältnissen zum Volkstribun aufsteigende Cola di Rienzo lebte von 1313 bis 1354) und natürlich die bekannte Potpourri Ouvertüre lassen deutlich die Vorbilder Meyerbeer und Spontini aufleuchten. Pathetische Arien (mit relativ schlichten belkantistischen Verzierungen) stehen innigeren Szenen gegenüber (Rienzis berühmtes Gebet im letzten Akt). Wagner selbst tat den RIENZI später als Jugendsünde ab, griff aber dennoch darauf zurück, wenn er in Geldnöten steckte. Allerdings wurde RIENZI nicht in den Kanon der Bayreuth „würdigen“ Werke aufgenommen.
Inhalt:
Rom, Mitte 14. Jahrhundert
Das Volk leidet unter den Machtkämpfen, Korruption und Intrigen der herrschenden Patrizierfamilien Colonna und Orsini. Paolo Orsini versucht, Irene, die Schwester des päpstlichen Notars Rienzi, zu entführen. Ihr eilt Adriano Colonna zur Hilfe. Es kommt zu Strassenschlachten. Rienzi gelingt es mit seinem autoritätsgebietenden Auftritt den Aufruhr zu beenden. Das Volk bittet Rienzi, die Macht der Nobili endlich zu brechen. Er erhält auch die Unterstützung der Kirche. Die Krone lehnt er ab, doch will Rienzi Rom Frieden und neue Gesetze geben.
Rienzi ist nun zum Tribun erkoren worden. Doch die Nobili geben nicht so schnell auf und zetteln Komplotte gegen den neuen Volkstribun Rienzi an. Orsini versucht während des Freudenfestes Rienzi zu erdolchen. Doch das Attentat misslingt und die Verschwörer werden gefasst und zum Tode verurteilt. Rienzi lässt zum Unbehagen des Volkes jedoch Mitleid walten und begnadigt die Attentäter.
Der Adel rüstet sich zum Aufstand gegen die Herrschaft Rienzis. Rienzi gelingt es dank seiner demagogischen Fähigkeiten, das wankelmütige Volk noch einmal auf seine Seite zu ziehen. Beim Kampf fällt allerdings Adrianos Vater. Trotz seiner Liebesbeziehung zu Rienzis Schwester Irene schwört Adriano Rache.
Wieder zweifelt das Volk an Rienzis hehren Absichten. Selbst die Kirche wendet sich von der Herrschaft des Volkstribuns ab, der deutsche Kaiser grollt ihm wegen seiner Überheblichkeit. Der päpstliche Legat, Raimondo, belegt Rienzi mit dem Kirchenbann. Adriano wiegelt unterdessen das Volk auf. Nur Irene hält treu zu ihrem Bruder.
Rienzi versucht vergeblich, die Menge von seinen ehrenvollen Absichten zu überzeugen. Er hat sich ins Kapitol zurückgezogen. Irene hält weiter zu ihm, obwohl Adriano immer wieder versucht hat, sie auf seine Seite zu ziehen. Das Volk zieht mit Fackeln bewaffnet gegen das Kapitol. Ein letzter Versuch Rienzis, die Meute zur Vernunft zu bringen, scheitert. Unter den einstürzenden Trümmern des brennenden Kapitols sterben Rienzi und Irene. Die Nobili dreschen auf das Volk ein, das wiederum seiner Freiheit beraubt wurde. Die Spirale dreht sich weiter ... .
Fünf Jahre dauerte es nach der Fertigstellung der Komposition bis Richard Wagner (1813-1883) TRISTAN UND ISOLDE zur Uraufführung in München bringen konnte. Wien brach die Produktion nach 77 Proben ab, das Werk galt als unspielbar. Die immensen Anforderungen, welche an die beiden Interpreten der Titelpartien gestellt werden, erfordern Sänger allergrössten Formats.
Wagner hat in seinem wohl schönsten Werk private Konflikte (seine Beziehung zur Frau seines Mäzens Wesendonck) verarbeitet und auf wunderbare Weise sublimiert. Ausgehend vom berühmtesten Akkord der Musikgeschichte, dem Tristan-Akkord F-H-Dis-Gis entwickelt er eine Musik voller Trugschlüsse, chromatischen Wendungen, raffinierten Übergängen, angepeilten und doch nie erreichten Auflösungen, welche ein wahrhaftes Versinken in der Musik ermöglichen. Diese unendliche Melodie voll aufgebauter Spannung, die sich selten löst, übt auf das Ohr eine ungeheure Sogwirkung mit Suchtpotential aus.
Inhalt der Oper:
Vorgeschichte:
Tristan tötet im Befreiungskampf um Cornwall den Iren Morold und schickt seinen Kopf dessen Verlobter Isolde nach Irland. Auch er selbst wird im Kampf schwer verwundet und lässt sich von der in heilenden Künsten bewanderten Isolde behandeln. Diese erkennt in ihm jedoch den Mörder ihres Verlobten, vermag es aber nicht, ihn zu töten. Tristan kommt erneut nach Irland und nimmt Isolde als Friedenspfand für seinen König (Marke) mit.
Oper:
Auf dem Schiff überhäuft Isolde Tristan mit bitteren Vorwürfen. Sie weigert sich an Land zu gehen, wenn Tristan nicht mit ihr den Sühnetrunk zu sich nehmen werde. Isoldes Vertraute, Brangäne hat jedoch den Todestrunk mit dem Liebestrank vertauscht. Tristan und Isolde gestehen einander ihre Liebe.
Isolde, unterdessen König Markes Gemahlin, erwartet Tristan voller Ungelduld im Garten. Die beiden Liebenden vereinigen sich in einem ekstatischen Rausch und hören nicht auf Brangänes Warnrufe. Von Melot, einem alten Kampfgefährten Tristans, herbeigrufen, erscheint Marke, der sich bitter enttäuscht zeigt über den vermeintlichen Treuebruch seines Helden Tristan. Mit einem letzten Kuss für Isolde provoziert Tristan Melot. Dieser verwundet ihn schwer.
Tristan wird von seinem Getreuen Kurwenal auf die Burg seiner Väter gebracht. In Fieberfantasien sehnt er seine Heilerin und Erlöserin Isolde herbei. Kurwenal hat nach Isolde geschickt, ihr Schiff legt endlich an, doch zu spät. In Isoldes Armen stirbt Tristan. In einem zweiten Schiff erreichen auch König Marke, Melot und Brangäne die Burg. Kurwenal erschlägt Melot, wird aber selbst auch tödlich verwundet. Marke, nun von Brangäne über die Zusammenhänge aufgeklärt, beklagt die Toten.
Isolde sinkt in visionärem Wahn über Tristans Leiche: „Ertrinken, versinken, unbewusst – höchste Lust!“ lauten ihre letzten Worte.
Johannes Brahms (1833-1897) hatte bereits 67 Werke veröffentlicht, als er seine erste Sinfonie endlich der Öffentlichkeit vorstellte. Da er ein äusserst selbstkritischer und ehrgeiziger Schaffer war, vernichtete er selbst viele seiner Entwürfe und Werke. So dauerte der Entstehungsprozess der ersten Sinfonie wahrscheinlich an die 16 Jahre. Dazu kam, dass das Geltungswesen der absoluten Musik und ihrer vermeintlichen formalen Enge durch Komponisten wie Liszt und Wagner zunehmend hinterfragt wurde. Die erste Sinfonie wirkt in Brahms' Opus wie eine Art Kirchenportal, die zweite fungiert als liebliches Andantino, die dritte als heiteres Scherzo und die vierte bildet das wuchtige Finale.
Clara Schumann, welcher Brahms immer wieder Entwürfe seiner Kompositionen zuschickte, war vom ersten Satz der ersten Sinfonie „betrübt und niedergeschlagen“ von dessen Schmerzlichkeit. Und tatsächlich, der Satz hat etwas Düsteres – aber in aller Melancholie auch Glanzvolles – an sich. Nach ruhigem Beginn entdeckt man im zweiten Satz etwas störend Bohrendes, oft hinter lieblichen Melodien der Holzbläser versteckt. Mehr Heiterkeit kommt im dritten Satz auf und den vierten hat Brahms selbst mit den Worten „Hoch auf'm Berge, tief im Tal, grüss' ich dich viel tausendmal“ an Clara Schumann gesandt. Es ist ein Satz voller Erhabenheit und Frische, Moll wendet sich zu Dur, Düsternis zu Jubel. Dieses Finale weist unverschleierte Parallelen zu Beethovens neunter Sinfonie auf.