Willkommen in der Welt der Oper, des Konzerts, des Balletts

Auf dieser Seite finden Sie Kritiken meiner Opern- und Konzertbesuche und bekommen Informationen rund um Spielpläne und Opernhäuser (vorwiegend aus der Schweiz und aus Deutschland). Die Premierenberichte erscheinen wann immer möglich am Tag nach der Premiere und damit in aller Regel vor den Printmedien. Kommentare und eigene Eindrücke von BesucherInnen dieser Seite sind ausdrücklich erwünscht. Ich wünsche allen viele unvergessliche, spannende und aufwühlende Opernbesuche. 

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Zürich: MANON, 07.04.2019

Erstellt von Kaspar Sannemann | |   Manon

Oper in fünf Akten | Musik: Jules Massenet | Libretto: Henri Meilhac und Philippe Gille | Uraufführung: 19. Januar 1884 in Paris | Aufführungen in Zürich: 7.4. | 10.4. | 13.4. | 18.4. | 22.4. | 26. 4. | 4.5. | 12.5. | 15.5. 2019

Kritik: folgt am 8.4. ab 13 Uhr an dieser Stelle

Inhalt:

Der junge Soldat Lescaut soll seine Cousine Manon ins Kloster bringen, da ihr leichtsinniger Lebenswandel der Familie nicht zusagt. Doch ist Lescaut mehr am Kartenspiel als am Beaufsichtigen seiner Cousine interessiert. So schliesst Manon Bekanntschaft mit dem jungen Chevalier Des Grieux, welcher seinerseits auf dem Weg vom Priesterseminar zu seiner Familie ist. Die jungen Leute entflammen füreinander und fliehen gemeinsam nach Paris. Das wenige Geld der beiden ist jedoch schnell aufgebraucht. Lescaut und der reiche de Brétigny berichten Manon, dass Des Grieux' Vater seinen Sohn gewaltsam entführen lassen will, um die mésaillence zu verhindern. Doch Manon warnt ihren Geliebten nicht,  nimmt wehmütig Abschied von der kleinen Wohnung und zieht mit de Brétigny davon. Manon erlangt Berühmtheit in der Pariser Schickeria. Selbst der Vater von Des Grieux, welcher aus der Provinz angereist ist, muss gestehen, dass er ihren Reizen erliegen könnte. Von ihm erfährt Manon auch, dass Des Grieux bald die Priesterweihe empfangen wird. Sie befürchtet, Des Grieux, den sie immer noch liebt, könnte sie vergessen haben. Im Priesterseminar wird Des Grieux als begabter Prediger verehrt. Sein Glaube soll ihm helfen, die femme fatale Manon zu vergessen. Manon taucht auf. Des Grieux kann ihren Zärtlichkeiten nicht widerstehen und zieht erneut mit ihr zusammen. Doch das Luxusbedürfnis von Manon kennt keine Grenzen. Um an Geld zu gelangen, zwingt Manon Des Grieux zum Kartenspiel. Er gewinnt grosse Summen, wird aber des Falschspiels beschuldigt. Sein einflussreicher Vater lässt ihn zum Schein in Arrest nehmen; Manon als Komplizin wird tatsächlich verhaftet. Auf einer Landstrasse warten Lescaut und Des Grieux auf die zur Deportation verurteilten Frauen, unter denen sich auch Manon befindet. Die gewaltsame Befreiung der todkranken Manon scheitert. Dank der Bestechung eines Sergeanten können sich die beiden Liebenden noch einmal kurz sehen. Manon stirbt in Des Grieux' Armen.

Werk:

Jules Massenet war nicht der einzige Komponist, der sich des MANON-Stoffes angenommen hatte, welcher auf der Erzählung von Abbé Prévost aus dem Jahre 1728 beruht. Vor Massenet hatten bereits Halévy ein Ballett und Auber (1856) eine erfolgreiche Oper komponiert, welche leider kaum mehr gespielt wird. Nach Massenet folgten noch Puccini (1893) mit seiner MANON LESCAUT und Hans Werner Henze mit BOULEVARD SOLITUDE (1952). Puccinis Werk hatte zwar Massenets lyrische Oper kurzzeitig an Popularität übertroffen; doch heutzutage sind beide Werke beliebte Pfeiler des Repertoires. Ein Fall der bei Opern, welche auf der selben Vorlage fussen, eher selten anzutreffen ist. Mit der Kreation dieser femme fatale gelang es Massenet, sowohl den Zeitgeist zu treffen (wie auch Bizet mit Carmen, Saint-Saëns mit Dalila, Massenet mit Thaïs), als auch die Zeit der Belle-Époque auf wunderbare Weise heraufzubeschwören. Die Musik ist von vielschichtiger melodischer Einfallskraft geprägt, der gesprochene Dialog der opéra-comique ist zugunsten von melodram-artigen Passagen fast vollständig verschwunden. Motive treten als personenbezogene Erinnerungsmotive auf und nicht als Leitmotive im Sinne Wagners, obwohl Massenet dieser Vorwurf oft gemacht wurde. Einen Höhepunkt (und einen Tabubruch) stellt sicher die Verführungsszene im Priesterseminar Saint-Sulpice dar: Die jungen Leute auf dem Weg zur sexuellen Selbstbestimmung, das Überbordwerfen von gesellschaftlichen Zwängen und Gepflogenheiten. Darin wagen die Schöpfer dieser wunderbaren Oper einen gewagten Schritt ins 20. Jahrhundert.

Musikalische Höhepunkte:

Je suis encore tout étourdie, Manon Akt I

Regardez-moi biens dans les yeux, Lescaut, Akt I (in St.Gallen gestrichen)

Voyons, Manon! Manon, Akt I (in St.Gallen gestrichen)

Nous vivrons à Paris, Des Grieux-Manon, Akt I

Adieu, notre petite table, Manon, Akt II

Je marche sur tous les chemins, Manon, Akt III

Je suis seul!Seul enfin, Des Grieux, Akt III

Toi!Vous! Manon-Des Grieux, Akt III

Manon!Sphinx étonnante, Des Grieux, Akt IV

Ah, je sens une pure flamme, Manon, Akt V

N'est-ce plus ma main, Des Grieux, Akt V

Karten

Jules Massenet (1842-1912)