Willkommen in der Welt der Oper, des Konzerts, des Balletts

Auf dieser Seite finden Sie Kritiken meiner Opern- und Konzertbesuche und bekommen Informationen rund um Spielpläne und Opernhäuser (vorwiegend aus der Schweiz und aus Deutschland). Die Premierenberichte erscheinen wann immer möglich am Tag nach der Premiere und damit in aller Regel vor den Printmedien. Kommentare und eigene Eindrücke von BesucherInnen dieser Seite sind ausdrücklich erwünscht. Ich wünsche allen viele unvergessliche, spannende und aufwühlende Opernbesuche. 

Sehr erfreut bin ich auch über die unkomplizierte Zusammenarbeit mit der informativen Online-Plattform http://deropernfreund.de. Auch hier erhalten Sie vielschichtige und fundierte Empfehlungen für Besuche in der reichhaltigen Theaterlandschaft Deutschlands, Österreichs und der Schweiz.

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Kopenhagen: RUSALKA, 01.08.2019

Erstellt von Kaspar Sannemann | |   Rusalka

Lyrisches Märchen in drei Akten | Musik: Antonín Dvořák | Libretto : Jaroslav Kvapil | Uraufführung: 31. März 1901 in Prag | Aufführungen in Kopernhagen: 1. August 2019

Kritik:

Oper für alle ist:

- wenn man 50 Minuten vor Beginn da ist und keinen Klappstuhl mehr erhält und so auf dem harten Asphalt Platz nehmen muss

- wenn Leute, die noch später kommen, sich einfach vor einem aufbauen, so dass man nichts mehr sieht

- wenn die Location zwar "in" und "hip" ist (in diesem Fall der Meatdistrict in Kopenhagen), aber für eine Oper völlig ungeeignet daherkommt (AC/DC vielleicht, Oper definitiv nein)

- wenn rund um den Platz der Restaurationsbetrieb weitergeht, viele Neugierige und Kunden einfach mal so durchlaufen, ein ständiges Kommen und Gehen herrscht und  "Oper in kleinsten Häppchen" eingenommen wird

- wenn Frauen zum Quatschen über dies und jenes hier sind und nicht um einer wunderschönen Oper zu lauschen (tut mir ja Leid, aber Männer mit solchem Verhalten habe ich nicht beobachten können, weder hier noch am 20 Juli in München bei Petrenko,Thomas Hampson und Golda Schultz - auch da waren die Damen überaus schwatzhaft)

- wenn Kinder rund um die Bühne mit Kickboards herumtollen und um Aufmerksamkeit betteln (die Eltern sind wie erwähnt mit Quatschen oder Smartphone oder dem Weisswein beschäftigt)

- wenn hervorragende gesangliche Leistungen (Olga Tenyakova sang eine wunderschöne Wassernixe, apartes Timbre, grosse Aufschwünge) im allgemeinen Geräuschpegel des Publkums untergehen

- wenn ein flott aufspielendes Orchester (das des Nationaltheaters in Bratislava) unter der zupackenden, aber auch differenziert gestaltenden Leitung von Oliver von Dohnányi nicht gerade vorteilhaft ausgesteuert wird

- wenn ein so genannter (ziemlich affektiert wirkender) Moderator erst mal eine geschlagene Viertelstunde lang das gesamte Programm des Kopenhagener Opernfestivals runterbetet (obwohl man es bereits in den Händen hält) und danach der Direktor ein paar Begrüssungsworte ans Publikum richtet und dann erst noch ein Schauspieler (Thure Lindhart) den Inhalt erzählt, so dass man beinahe 30 Minuten auf die ersten Takte der Ouvertüre warten muss.

- wenn echte Opernfreunde nach dem ersten Akt die Flucht ergreifen

OPER FÜR ALLE ist gut für viele - aber definitiv nicht für MICH.

Inhalt:

Ein Geisterwesen, die Nixe Rusalka, hat sich in einen Menschen, den Prinzen, verliebt und möchte nun, um ihn zu gewinnen, ein menschliches Wesen werden. Trotz seiner Warnungen vor der Verdorbenheit der Menschenwelt, rät ihr der Wassermann, die Hexe Ježibaba aufzusuchen. Diese erfüllt zwar Rusalkas Wunsch, verlangt aber, dass sie bei den Menschen stumm bleibe. Auf der Jagd begegnet der Prinz Rusalka und nimmt sie mit auf sein Schloss.

Dort begegnet man der stummen, eigentümlichen Braut mit Misstrauen. Auch der Prinz ist durch Rusalkas Schweigen verwirrt und wendet sich der fremden Fürstin zu. Damit bricht er Rusalkas Herz. Vergeblich versucht Rusalka, den Prinzen wieder für sich zu gewinnen. Der Wassermann erscheint, prophezeit dem Prinzen, dass er Rusalkas Umarmungen doch nicht entkommen werde und zieht Rusalka mit sich fort. Der Prinz ist verwirrt, er wirft sich der fremden Fürstin zu Füssen, doch die stösst ihn lachend von sich.

Rusalka beklagt ihr Schicksal: Sie ist nun weder Mensch noch Geisterwesen. Heimatlos wandert sie als todbringendes Irrlicht umher. Ježibaba rät ihr, den Prinzen zu töten, um sich selbst zu retten. Doch dies weist Rusalka empört von sich. Auch Bedienstete des Prinzen, der Küchenjunge und der Jäger, suchen Hilfe bei Ježibaba, da ihr Herr seit Rusalkas Verschwinden total verhext sei. Von Sehnsucht nach der Nixe getrieben erscheint der Prinz wieder am See. Rusalka wirft ihm den Treuebruch vor. Sie warnt ihn auch, dass ihr Kuss ein Todeskuss sein werde. Das kümmert den Prinzen nicht, die Sehnsucht nach der reinen, unverdorbenen Liebe ist stärker. Er stirbt in ihren Armen. Doch Rusalka wird nicht erlöst, als Irrlicht wird sie den von der Natur und der reinen Liebe entfremdeten Menschen ewig Verderben bringen ...

Werk:

Bedřich Smetana und Antonín Dvořák waren die bedeutendsten Vertreter des musikalischen tschechischen Nationalismus im 19. Jahhundert. Mit ihren Opern DIE VERKAUFTE BRAUT, respektive RUSALKA haben sie Werke geschaffen, die sich auch auf internationalen Bühnen grösster Beliebtheit erfreuen. Im Vergleich zu Smetana hat sich Antonín Dvořák mit seinem Opernschaffen schwerer getan. Von seinen zehn Bühnenwerken tauchen neben der immens populären RUSALKA nur KÄTHE UND DER TEUFEL und DER JAKOBINER (Zürich 1978) ab und zu auf den Spielplänen auf. Einerseits liegt das an der unglücklichen Wahl seiner Stoffe (und seiner Librettisten …), andererseits hat er auch Zeit gebraucht, um einem zu ihm passenden Kompositionsstil für die Bühne zu finden. Hin- und hergerissen zwischen Wagnerscher Leitmotivtechnik, der Grand Opéra Meyerbeerscher Ausprägung und den liedhaften Opern Lortzings fand er lange Zeit nicht zu einer eigenen Tonsprache für seine Bühnenwerke. Erst durch den Inhalt seiner neunten Oper, der RUSALKA, wurde er dazu inspiriert, seinen sinfonischen Einfallsreichtum (Vorstudien zu RUSALKA waren seine sinfonischen Dichtungen DIE MITTAGSHEXE und DER WASSERMANN) mit lyrischen und volksliedhaften Elementen zu einem zutiefst beseelten Werk zu verschmelzen. Die Musik, welche er der Nixe zudachte, gehört zu Dvořáks zauberhaftesten und innigsten Eingebungen. Anders jedoch als Strauss und Hofmannsthal in der FRAU OHNE SCHATTEN lassen Dvořák und sein Librettist die Geisterprinzessin nicht durch Domestizierung (sprich Kinder kriegen) ins biedere Bürgertum abgleiten, sondern wagen mit dem Tod des Prinzen und der irrlichternden Rusalka eine bedenkenswerte Utopie und Warnung an die Verdorbenheit der Welt jenseits aller ideologisch verklärten Heilsversprechungen.

Damit und mit der Verknüpfung von Eros und Tod schufen Dvořák und Kvapil mit der RUSALKA ein wichtiges Bindeglied zwischen den existenziellen Werken des 20. Jahrhunderts (LULU, HERZOG BLAUBARTS BURG) und den impressionistischen Schöpfungen eines Debussy (PELLEAS ET MELISANDE) oder Dukas (ARIANE ET BARBE-BLEUE).

Informationen über das CPH Opera Festival

Antonín Dvořák (1841-1904)
Bilder: K. Sannemann