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Willkommen in der Welt der Oper

Auf dieser Seite finden Sie Kritiken meiner Opern- und Konzertbesuche und bekommen Informationen rund um Spielpläne und Opernhäuser (vorwiegend aus der Schweiz und aus Deutschland). Die Premierenberichte erscheinen wann immer möglich am Tag nach der Premiere und damit in aller Regel vor den Printmedien. Kommentare und eigene Eindrücke von BesucherInnen dieser Seite sind ausdrücklich erwünscht. Ich wünsche allen viele unvergessliche, spannende und aufwühlende Opernbesuche. 

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Berlin, Konzerthaus: BEETHOVEN SINFONIE NR.9, 27.04.2018

Tōre Takemitsu: FAMILY TREE (Musical verses for young people) | Uraufführung: 20. April 1995 in New York unter Leonard Slatkin | Ludwig van Beethoven: SINFONIE NR.9 | Uraufführung: 7. Mai 1824 im Kärntnertortheater in Wien | Dieses Konzert im Konzerthaus Berlin: 27. 4. | 28.4. | 29.4.2018

Ludwig van Beethoven (1770-1827)

Kritik: folgt am 28.4. ab 13 Uhr an dieser Stelle

Werke:

Der japanische Komponist Tōre Takemitsu (1930-1996) war ein universell gebildeter Mann mit vielerlei Interessen, die vom französischen Chanson, über die Beatles bis zu avantgardistischen und multimedialen Experimenten reichten. Beeinflusst war er in seinen vielschichtigen Kompositionen sowohl durch die Wiener Schule (Berg, Schönberg) als auch durch den französischen Impressionismus (Debussy, und später Messiaen). Takemitsu geniesst hohes Ansehen als erster japanischer Komponist, der sowohl im Osten als auch im Westen mit seinen Werken immensen Erfolg hatte und immer noch hat. Ab den 80er Jahren kehrte er in seinem Stil eher in „a sea of tonality“ zurück, wobei er (wie John Cage) seinen Interpreten eine gewisse interpretatorische Freiheit zum Improvisieren einräumte. Einen ausgezeichneten Ruf erarbeitete er sich auch durch die Komposition von Filmmusik zu über 100 Filmen, darunter BLACK RAIN, Kurosawas DODESUKADEN und RAN, sowie RISING SUN (mit Sean Connery und Wesley Snipes).

FAMILY TREE ist ein ca. 25 Minuten dauerndes Werk für gross besetztes Orchester und Sprecherin. Diese reflektiert in englisch und japanisch über das Leben ihrer Grosseltern und Eltern und wirft einen melancholischen Blick in die eigene Zukunft.

Ludwig van Beethoven (1770-1827) schrieb seine letzte Sinfonie ab 1821 in Wien. Neben persönlichen und familiären Krisen bereiteten ihm vor allem seine körperlichen Leiden grosse Probleme. Der zunehmende Verlust seines Gehörs (ab 1813) führte zur völligen Ertaubung, eine Gelbsucht und die dadurch entstandene Leberzirrhose beeinträchtigten seine Lebensqualität auf beinahe unerträgliche Art und Weise. Gerade unter diesen widrigen Umständen kann sein Triumph mit der neunten Sinfonie nicht genug gewürdigt werden. Mit ihrem gigantischen Chorfinale war diese Sinfonie wie keine andere Wegbereiterin der „Riesenschlangen“- Sinfonien gegen Ende des 19. Jahrhunderts (Mahler, Bruckner) und wirkte bis weit ins 20. Jahrhundert nach (Schostakowitsch, Schmidt, Vaughn Williams). Die Neunte wurde (neben der 5.) zu Beethovens populärster Sinfonie, 1972 erklärte der Europarat das Hauptthema des Finalsatzes (Freude, schöner Götterfunken aus Schillers Ode AN DIE FREUDE) zu seiner Hymne, diese wurde ab 1985 zur Europahymne der Europäischen Gemeinschaft (in der Instrumentierung Herbert von Karajans). Das Autograph wurde von der UNESCO zum Weltdokumentenerbe erklärt. Mit dieser Sinfonie reagierte Beethoven auch auf die zunehmend in alte Verhaltensmuster zurückfallende Entwicklung in der Gesellschaft. In Schillers Ode AN DIE FREUDE fand er den passenden Text für seine Ideal des Kampfes „durch die Nacht zum Licht“, des Triumphs der humanitären, fortschrittlichen Kräfte gegen die reaktionären Unterdrücker freiheitlichen Gedankenguts. „Alle Menschen werden Brüder“ ist leider auch 200 Jahre nach Beethoven/Schiller immer noch Utopie geblieben.

Für oper-aktuell: Kaspar Sannemann, den 27. April 2018 Gelesen: 1

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Kategorie: Beethoven 9. Sinfonie