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Willkommen in der Welt der Oper, des Konzerts, des Balletts, des Musicals

Auf dieser Seite finden Sie Kritiken meiner Opern- und Konzertbesuche und bekommen Informationen rund um Spielpläne und Opernhäuser (vorwiegend aus der Schweiz und aus Deutschland). Die Premierenberichte erscheinen wann immer möglich am Tag nach der Premiere und damit in aller Regel vor den Printmedien. Ich wünsche allen viele unvergessliche, spannende und aufwühlende Opernbesuche. 

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Zürich, Opernhaus: SCYLLA ET GLAUCUS; 27.03.2026

Erstellt von Kaspar Sannemann | | Scylla et Glaucus

Eine Rarität zum Festival ZÜRICH BAROCK

Tragédie en musique in einem Prolog und fünf Akten | Musik: Jean-Marie Leclair | Libretto: d'Albaret (Vorname: unbekannt), nach Ovids METAMORPHOSEN und Corneilles Tragödie CIRCÉ | Uraufführung: 4. Oktober 1746 in Paris | Aufführungen in Zürich: 27.3. | 29.3. | 31.3. | 2.4. | 6.4. | 30.4. und 2.5.2026

Jean-Marie Leclair (1697-1764) copyright: gemeinfrei

Kritik: erscheint am 28.3. ab 15 Uhr an dieser Stelle

Inhalt:

Prolog: Venus schickt Amor aus, um die ungehorsame Nymphe Scylla zu bestrafen.

1. Akt: Scylla fühlt sich alleine am wohlsten. Sie verschmäht alle Liebhaber, auch den Glaucus. Sie missachtet die Warnungen der Dryade Témire.

2. Akt: Glaucus sucht Rat bei der Zauberin Circé. Circé will Glaucus für sich haben und rät ihm, Scylla zu vergessen. Glaucus will davon nichts wissen und eilt davon. Circé schwört Rache.

3. Akt: Scylla gesteht ihrer Vertrauten Témire, dass sie Glaucus eben doch liebe. Als Glaucus von Circé zurückkehrt, vermutet Scylla, dass Glaucus mit Circé angebandelt habe. Doch Glaucus klärt das Missverständnis auf. Scylla und Glaucus umarmen sich; sie werden von der rasend eifersüchtigen Circé beobachtet.

4. Akt: Glaucus fleht Circé an, auf Rache an Scylla zu verzichten. Zum Schein sagt Circé, dass sie alles vergessen habe. Doch sie lässt sich von den Höllendämonen ein giftiges Kraut geben, das Scylla für immer von Glaucus trennen soll.

5. Akt: Zu Ehren von Scylla und Glaucus wird ein Fest gegeben. Glaucus führt Scylla zu dem Brunnen, wo sie sich zum ersten Male begegnet waren. Scylla spielgelt sich in dem von Circé vergifteten Wasser, stürzt zu Boden und verwandelt sich in einen von Ungeheuern umgebenen Felsen, der fortan an der Meerenge von Messina den Seefahrern Angst und Schrecken einjagen wird.

Werk:

Jean-Marie Leclair (1697-1964) entstammte einer Korbflechterfamilie und erlernte zuerst auch diesen Beruf. Er und seine Brüder müssen sehr musikalisch gewesen sein, denn zumindest von dreien von ihnen sind Kompositionen oder Beiträge zum musikalischen Leben überliefert. Jean-Marie wurde zuerst Tänzer und erlernte auch das Violinspiel. Tätig war er als Ballettmeister in Lyon, später auch in Turin, wo er sein Geigenspiel vervollkommnete. Er kehrt nach Paris zurück, war am Hofe Ludwigs XV. als Musiker tätig, verliess aber aus Wut über eine Nichtbeförderung den Hof. Nach einem längeren Aufenthalt in den Niederlanden, kehrte er nach Frankreich zurück, zuerst in den dienst des spanischen Thronfolgers, der in Chambéry Hof hielt, danach als Musikdirektor und erster Violonist am Privattheater des Herzogs von Gramont. Seine zweite Frau war Notenstecherin, verliess ihn jedoch bald und dann begann auch der Abstieg Lemairs: Er wohnte in einer verrufenen Gegend von Paris. Im Oktober 1764 wurde seine mit Messerstichen übersäte Leiche im Flur seines Hauses gefunden. Der Mord wurde nie aufgeklärt; Verdächtige gab es einige, z.B. seinen Neffen. Oder war doch der Gärtner der Mörder?

Leclair genoss einen ausgezeichneten Ruf als Violinvirtuose und als Begründer der französischen Violinschule, die er mit der italienischen zu verschmelzen verstand. Oftmals wird er als französischer “Corelli” bezeichnet und seine Violinsonaten wurden in die Nähe derer von Vivaldi gerückt. SYLLA ET GLAUCUS blieb seine einzige Oper. Mit ihrem tragischen Ende traf sie den Zeitgeschmack nicht und verschwand nach weniger als 20 Aufführungen in den Archiven. 1979 brachte der Dirigent John Eliot Gardiner das Werk in London und ein paar Jahre später auch in Lyon heraus.

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