Willkommen in der Welt der Oper, des Konzerts, des Balletts

Auf dieser Seite finden Sie Kritiken meiner Opern- und Konzertbesuche und bekommen Informationen rund um Spielpläne und Opernhäuser (vorwiegend aus der Schweiz und aus Deutschland). Die Premierenberichte erscheinen wann immer möglich am Tag nach der Premiere und damit in aller Regel vor den Printmedien. Kommentare und eigene Eindrücke von BesucherInnen dieser Seite sind ausdrücklich erwünscht. Ich wünsche allen viele unvergessliche, spannende und aufwühlende Opernbesuche. 

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Frankfurt: MANON LESCAUT, 06.10.2019

Erstellt von Kaspar Sannemann | |   Manon Lescaut

Oper in vier Akten | Musik: Giacomo Puccini | Libretto: Ruggero Leoncavallo, Domenico Oliva, Giulio Ricordi, Luigi Illica, Marco Praga | Uraufführung: 1. Februar 1893 in Turin | Aufführungen in Frankfurt: 6.10. | 10.10. | 13.10. | 18.10. | 25.10. | 27.10. | 2.11. | 9.11. | 15.11. | 23.11.2019

Kritik: folgt am 7.10. ab 20 Uhr an dieser Stelle

Inhalt:

Auf einem Platz in Amiens, ein fröhliche Menschenmenge erwartet die Postkutsche. Der junge Student Des Grieux ist mit seinen Freunden da. In Liebesdingen ist er eher unerfahren und deshalb zynisch (Arie: Tra voi belle). Die Postkutsche kommt, darin der Soldat Lescaut, welcher seine Schwester Manon auf Geheiss ihrer Eltern ins Kloster bringen soll. Aus der Kutsche steigt auch der reiche Steuerpächter Geronte de Ravoir. Manons Schönheit begeistert die Studenten, allen voran Des Grieux. Schon bei der ersten Gelegenheit gesteht er Manon, dass er unsterblich in sie verliebt sei. Manon eilt ins Gasthaus, verspricht ihm aber ein nächtliches Treffen. (Arie Des Grieux: Donna non vidi mai). Geronte und Lescaut unterhalten sich über Manons Zukunft. Dabei wird klar, dass Lescaut eigentlich gar nicht damit einverstanden ist, dass Manon ins Kloster muss. Geronte beflügelt dies, eine Entführung Manons zu organisieren, wird dabei aber von einem Freund Des Grieux', Edmond, belauscht. Edmond berichtet Des Grieux von diesen Plänen, worauf Des Grieux seinerseits den Plan fasst, mit Manon zu fliehen – und zwar in Gerontes Kutsche! Nach einem Liebesduett setzen sie die Tat um, und Geronte bleibt als Lackierter zurück. Lescaut reagiert gelassener, er kennt die materiellen Bedürfnisse Manons, welche der arme Des Grieux wohl kaum befriedigen können wird.

Und er sollte recht behalten. Im zweiten Akt ist Manon nämlich schon mit Geronte zusammen, umgeben von Luxus. Die leidenschaftliche Liebe Des Grieux' hat sie aber nicht vergessen (Arie: In quelle trine morbide). Sie fragt ihren Bruder Lescaut nach Des Grieux. Der schickt den nun dem Glücksspiel Verfallenen zu Manon. Erneut flammt die Liebe zwischen den beiden auf. Geronte kommt hinzu, steigert sich in Wut und Zorn und stösst unmissverständliche Drohungen aus. Lescaut warnt die beiden Liebenden vor der Polizei, welche von Geronte verständigt wurde. Des Grieux und Manon sollten unverzüglich fliehen, doch Manon will erst noch ihren Schmuck zusammenraffen. Verhängnisvolle Gier: Manon wird verhaftet.

Ein delikates Orchesterintermezzo leitet den dritten Akt ein. Die Kriminellen, darunter Manon, sollen von Le Havre aus nach Louisiana deportiert werden. Des Grieux und Lescaut planen eine Flucht Manons. Manon erblickt von einem Fenster des Gefängnisses aus Lescaut. Das Gespräch der Liebenden steigert sich in eine herrliche Liebesszene. Doch Lescaut muss mitteilen, dass die Fluchtpläne sich nicht umsetzen lassen. Der Alarm ging los. Das Volk kommentiert die Verlesung der Namen der Verurteilten mit Hohn, Spott oder Mitleid. Manon wird zum Deportationsschiff geführt. Des Grieux bittet in einem letzten verzweifelten Ausbruch den Kapitän, ihn als Schiffsjungen anzuheuern. Der Kapitän willigt ein, ein Jubelthema verheisst Hoffnung am Schluss dieses Aktes.

Doch die Hoffnung erfüllt sich nicht. In einer Einöde Louisianas bricht Manon nach entbehrungsreicher Flucht entkräftet zusammen. Des Grieux begibt sich auf die Suche nach Wasser, nach Menschen, nach Hilfe. Herzzerreissend beklagt Manon ihr Schicksal (Arie: Sola, perduta, abbandonata). Mit den gehauchten Worten „Le mie colpe travolgerà l'oblio – ma l'amor mio non muor ...“ (Meine Schuld wird einst vergessen werden, aber meine Liebe stirbt nicht) stirbt sie in Des Grieux' Armen.

 

Werk:

Es war schon erstaunlich: Trotz der Arbeit von sechs Librettisten (inklusive den Einwänden und Änderungen durch den Komponisten) entstand mit MANON LESCAUT ein Werk von musikalisch stringenter Geschlossenheit. Mit dieser Oper gelang dem 35jährigen Puccini der Durchbruch, acht Tage bevor Verdi seine letzte Oper FALSTAFF an der Scala zur Uraufführung brachte, stieg Puccini mit MANON LESCAUT zum neuen Stern am Opernhimmel Italiens auf. Die von eindringlichen musikalischen Einfällen und seelischen Stimmungsschilderungen überschäumende Partitur brachte all das zum Erklingen, was wir heute noch an Puccini schätzen: Prägnanz, Sentimentalität, kulminierende Ekstase, orchestraler Farbenreichtum. Nach der begeistert aufgenommenen Uraufführung wurde das Werk binnen dreier Jahre in 15 verschiedenen Ländern aufgeführt (welche zeitgenössische Oper schafft heute noch einen solchen Siegeszug?), Puccini war ein gemachter Mann. Dabei hatte die Arbeit nur zögerlich Form angenommen. Der erste Librettist, Ruggero Leoncavallo, seinerseits ebenfalls Komponist (PAGLIACCI), erst Freund dann Rivale Puccinis, scheiterte mit seinem Textentwurf. Oliva, Praga und selbst der Verleger, Giulio Ricordi, kamen zu Hilfe. Ricordi war es auch, der schliesslich Luigi Illica hinzuzog (der später zusammen mit Giacosa an Puccinis sensationellen Erfolgen mit BOHÈME, TOSCA, BUTTERFLY massgeblich beteiligt war). Eine Herausforderung stellte auch die Tatsache dar, dass der Roman des Abbé Prévost Histoire du Chevalier Des Grieux et de Manon Lescaut bereits mehrfach für die Opernbühne adaptiert worden war, so z.B. von Hérold für eine Ballett, von Auber für MANON LESCAUT und ganz besonders erfolgreich von Jules Massenet mit seiner MANON 1884. Doch Puccinis Ehrgeiz stellte sich bewusst dieser Herausforderung – und er triumphierte (vorübergehend). Heutzutage erscheinen beide Opern oft auf den Spielplänen, völlig zu Recht, denn jede hat ihre Meriten. Puccini selbst sagte einmal: „Massenet erlebt den Stoff als Franzose – mit Puder und Menuett; ich werde ihn als Italiener erleben – mit der Leidenschaft der Verzweiflung.“

Karten

Giacomo Puccini (1858-1924)