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Berlin, Deutsche Oper: LA GIOCONDA, 01.07.2018

Oper in vier Akten | Musik: Amilcare Ponchielli | Libretto: Arrigo Boito, unter dem Anagramm Tobia Gorria, nach Victor Hugos ANGELO, TYRAN DE PADOUE | Uraufführung: 8 April 1876 in Mailand | Aufführungen in Berlin: 28.6. | 1.7. | 4.7. | 7.7.2018

© kranichphoto, mit freundlicher Genehmigung Deutsche Oper Berlin

© Bettina Stöß, mit freundlicher Genehmigung Deutsche Oper Berlin

Kritik: folgt am 2.7. ab 20 Uhr an dieser Stelle

Inhalt:

Hochdramatisches Liebeskarussell: Barnaba liebt Gioconda, Gioconda aber liebt Enzo, doch Enzo liebt Laura, aber Laura ist mit Alvise verheiratet ...

Der Spitzel der Inquisition, Barnaba, begehrt die schöne Strassensängerin Gioconda, wird von ihr jedoch zurückgewiesen. Aus Rache verleumdet er Giocondas blinde Mutter als Hexe. Die Meute wittert Blut und will die alte Frau auf dem Scheiterhaufen sehen. Der Inquisitor Alvise erscheint mit seiner Frau Laura, welche in der Hand der blinden Alten einen Rosenkranz entdeckt und so die Freilassung von Giocondas Mutter erwirkt. Laura erhält von der Blinden den Rosenkranz. Barnaba schmiedet bereits neue Rachepläne. Er erkennt in Giocondas Begleiter den aus Venedig verbannten Fürsten Enzo Grimaldo aus Genua, welcher Lauras Geliebter war, bevor diese mit Alvise zwangsverheiratet wurde. Barnaba macht sich an Enzo heran und verspricht ihm ein Rendezvous mit Laura zu arrangieren. Gleich danach schreibt Barnabo einen Denunziatonsbrief, in welchem er Laura und Enzo des Staatsverrats bezichtigt. Gioconda hat alles mitangehört. Sie ist verzweifelt über Enzos Untreue.

Enzo und Laura treffen sich auf Enzos Schiff und beschliessen die gemeinsame Flucht. Gioconda taucht auf und liefert sich mit Laura ein aufpeitschendes Eifersuchtsduett. Alvise nähert sich ebenfalls. Laura nimmt den Rosenkranz hervor, Gioconda erkennt in ihr die Frau, welche ihrer Mutter das Leben gerettet hat und verhilft ihr zur Flucht. Enzo zündet sein Schiff an und rettet sich mit einem Sprung in die Fluten.

In Alvises Palast wird gefeiert und getanzt (Tanz der Stunden). Alvise fordert Laura auf, sich mit Gift selbst zu töten. Gioconda vertauscht die Flacons, Laura sinkt in einen tiefen Schlaf. Barnaba zerrt die blinde Alte in den Raum, welche für Lauras Seele beten soll. Die Totenglöcke läutet. Alvise bestätigt Lauras Treuebruch und ihren Tod. Enzo will sich auf Alvise stürzen, wird jedoch festgenommen. Gioconda will sich Barnaba hingeben, wenn dieser hilft, Enzo zu befreien.

Gioconda hat sich auf die Insel Giudecca zurückgezogen. Die scheintote Laura wird zu ihr gebracht. Gioconda kann der Versuchung widerstehen, die Rivalin ins Jenseits zu befördern. Enzo wurde befreit. Er macht Gioconda Vorwürfe, dass sie den Leichnam Lauras durch die Exhumierung entehrt habe. Als Laura jedoch erwacht, erkennt Enzo Giocondas Selbstlosigkeit. Laura und Enzo können endlich gemeinsam aus Venedig fliehen. Barnaba will seinen „Lohn“ erhalten, doch Gioconda wählt lieber den Freitod durch den Dolch. Zum Glück kann sie die letzten Worte Barnabas nicht mehr hören: Ier tua madre m' ha offeso! Io l' ho affogata! (Deine Mutter hat mich gestern beleidigt, ich habe sie ersäuft!)


Werk:

Amilcare Ponchielli (1834-1886) kennt man heute nur noch dank seiner Oper LA GIOCONDA, aus welcher die Balletteinlage DER TANZ DER STUNDEN ein Wunschkonzert-Hit wurde. Er schrieb insgesamt jedoch ein gutes Dutzend Opern und war auch der Lehrer Puccinis und Mascagnis am Mailänder Konservatorium.

Die Operntauglichkeit von Victor Hugos Schauerdramen hatten schon Komponisten wie Donizetti (LUCREZIA BORGIA) und Giuseppe Verdi (ERNANI, RIGOLETTO) erkannt. Interessant ist, dass der renommierte Arrigo Boito (der Komponist des MEFISTOFELE und Librettist für Verdis OTELLO und FALSTAFF) das Textbuch für Ponchiellis Oper unter einem Pseudonym schrieb. Vielleicht war ihm als aufgeschlossenem Intellektuellen die Anlehnung an die opulente Ausstattungsoper im Stile eines Eugene Scribe peinlich.

LA GIOCONDA wird von Musikkritikern oft ignoriert oder höchstens in Nebensätzen abgehandelt und eher belächelt. Dabei ist die Musik von einer ungeheuren Wucht. Mitreissende, hochdramatische Szenen peitschen die Handlung voran, erzeugen einen packenden Klangstrudel von sprühender Italianità. Die Oper erfordert opulente Stimmen und bietet dankbare Partien. Die Titelrolle erfreute und erfreut sich bei vielen Sopranistinnen des spinto-Fachs grösster Beliebtheit: Callas, Tebaldi, Cerquetti, Caballé, Scotto, Bumbry, Marton, Urmana ... Die grosse Tenorarie Cielo e mar gehörte zu Carusos Paradestücken. Walt Disney hat dem TANZ DER STUNDEN durch seinen Zeichentrickfilm FANTASIA zu zusätzlicher Popularität verholfen.

Karten

 

 

Für oper-aktuell: Kaspar Sannemann, den 01. Juli 2018 Gelesen: 6

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Kategorie: La Gioconda