Willkommen in der Welt der Oper, des Konzerts, des Balletts, des Musicals
Auf dieser Seite finden Sie Kritiken meiner Opern- und Konzertbesuche und bekommen Informationen rund um Spielpläne und Opernhäuser (vorwiegend aus der Schweiz und aus Deutschland). Die Premierenberichte erscheinen wann immer möglich am Tag nach der Premiere und damit in aller Regel vor den Printmedien. Ich wünsche allen viele unvergessliche, spannende und aufwühlende Opernbesuche.
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Zürich, Tonhalle: PAULUS; 17.12.2025
Florian Helgath leitet seine Zürcher Sing-Akademie, das Tonhalle-Orchester Zürich und die Solist*innen Christina Landshamer, Anke Vondung, Werner Güra und Michael Volle
Felix Mendelssohn Bartholdy: PAULUS | Oratorium nach Worten der Heiligen Schrift op. 36 MWV A 14 | Uraufführung: 22. Mai 1836 in Düsseldorf unter der Leitung des Komponisten | Aufführungen in der Tonhalle Zürich: 17. und 18. Dezember 2025
Kritik: folgt am 18.12. ab 13 Uhr an dieser Stelle
Werk:
Nach Haydns DIE JAHRESZEITEN entstand kein deutsches Oratorium von Bedeutung mehr. Diese Lücke füllte erst Felix Mendeslssohn Bartholdy (1809-1847) wieder mit PAULUS und später mit ELIAS und schuf mit diesen beiden gewaltigen Oratorien Marksteine der Musikgeschichte, mit denen er punkto Grösse und Würde an Bach und Händel anknüpfte, ihnen zwar mit seiner Gestaltung Referenz erwies, sie aber nicht einfach kopierte. Mendelssohn verstand es vortrefflich, der Geschichte der Wandlung vom Saulus zum Paulus dramatischen Atem einzuhauchen ohne seinen Hang zu lyrischer Gestaltung zu verleugnen. Eine wunderbare Ouvertüre stimmt auf das Geschehen ein. In ihr wird u.a. bereits der zentrale Choral “Wachet auf, ruft uns die Stimme” zitiert. Es folgt die Verfolgung und Steinigung des Stephanus, an der Saulus von Tarsus durchaus seine Freude hat. Doch auf dem Weg nach Damaskus hat er eine Gotteserfahrung, wird vom Licht des Herrn dermassen geblendet, dass er komplett erblindet. Durch sein Bekenntnis zum christlischen Glauben und die Taufe wird er wieder sehend. Damit schliesst der erste Teil des Oratoriums.
Der zweite Teil dreht sich um das missionarische Wirken des zum Paulus gewandelten Saulus zusammen mit Barnabas, seine Verfolgung durch ehemalige Glaubensgenossen und seine Standhaftigkeit und Glaubensfestigkeit bis in den Tod. Im Schlusschor werden wir alle dazu aufgefordert, den Herrn, unseren Gott, zu lieben und zu loben.
Mendeslsohns PAULUS wurde zu einem riesigen Erfolg, der vor allem nach der kurz nach der Uraufführung in Düsseldorf von der Aufführung in Liverpool ausging und sich über Deutschland (bis in die Provinz), England, Frankreich, Schweden und die Vereinigten Staaten ausbreitete. Trotz mancher Anfeindungen (Richard Wagner: DAS JUDENTUM IN DER MUSIK. In dieser Schrift wurde Mendeslsohn mehrfach von Wagner angegriffen, der Trieb des Juden zur Kunst sei luxuriös und ziehe die Kunst ins Triviale - und dies obwohl Mendelssohn lutherisch getauft war und seine Eltern 1822 ebenfalls konvertierten) blieben Mendelssohns Oratorien populär. Erst die antibürgerlichen Tendenzen in den 1920er Jahren und erst recht der Nationalsozialismus liessen die wunderbaren Werke des viel zu früh Verstorbenen vorübergehend verstummen. Es ist jammerschade, dass Mendelssohn sein geplantes drittes Oratorium CHRISTUS nicht vollenden konnte.