Bern: KRÓL ROGER, 01.12.2019

Erstellt von Kaspar Sannemann | |   Król Roger

Oper in drei Akten | Musik: Karol Szymanowski | Libretto: vom Komponisten und von Jaroslaw Iwaszkiewicz | Uraufführung: 19. Juni 1926 in Warschau | Aufführungen in Bern: 1.12. | 3.12. | 12.12. | 15.12. | 27.12. 2019 | 12.1. | 25.1. | 17.3. | 3.6.2020

 

Kritik: folgt am 2.12. ab 14 Uhr an dieser Stelle

Inhalt:

Selbsterkenntnis des sizilianischen (christlichen) Königs Roger durch einen Hirten, welcher einen neuen (sinnlichen) Kult in die fest gefügte, traditionelle Religionskultur propagiert.

Während der Messe werden König Roger und die Geistlichen mit der sinnlichen Propaganda eines schönen Hirten konfrontiert. Die Geistlichen fordern Roger auf, die Glaubensgemeinschaft vor den unsittlichen Einflüssen des Hirten und seines sinnlichen Kults zu schützen, da sie einen Abfall der Gläubigen vom (rechten) Glauben befürchten. Roges Gemahlin, Roxana, ist den Ideen des Hirten-Propheten bereits verfallen. Der Hirte erscheint und Roger befiehlt ihm, abends in seinem Palast zum Verhör zu erscheinen.

Roger erwartet den Hirten. Roxana singt ein zauberhaftes, melismatisches Lied. Der Hirte erscheint mit Gefolgsleuten, welche sinnliche Tänze tanzen. Rogers Versuch, den Fremden in Ketten zu legen, scheitert. Der Hirte zieht davon, Roxana und ein Grossteil der Gesellschaft folgen ihm. Der König und seine arabischen Berater bleiben zurück. Doch Roger fühlt sich ebenfalls vom Hirten angezogen, und beschliesst diesem zu folgen.

Der letzte Akt spielt in den Ruinen eines antiken Theaters in der Morgendämmerung. Roxana lockt ihren Mann zu dem schönen Hirten. Dieser ist nun Dionysos, der Gott der Sinnlichkeit, der Ekstase, und ruft Roger dazu auf, ihm und seinen Anhängern zu folgen. Erotisch erheben sich des Hirten und Roxanas Stimme über den Chor. Roger wird sich bewusst, Zeuge eines Mysteriums geworden zu sein. Er schreitet der aufgehenden Sonne entgegen und bringt mit zuvor nicht erreichter melodischer Festigkeit der Sonne symbolisch sein Herz dar.

Werk:

Der polnische Komponist Karol Szymanowski (1882 – 1937) wurde in seiner Jugend stark von den französischen Impressionisten inspiriert, Ravel und Debussy, aber auch von Strawinsky und Bartók. Die Opuszahl seiner Werke liegt bei 62, wobei er im Ausland erfolgreicher war, als in seiner polnischen Heimat. Er lebte denn auch zwischenzeitlich in Italien und Nordafrika und in Wien. Nach dem Ausruch des ersten Weltkriegs kehrte er allerdings nach Polen zurück, geriet auch in finanzielle Notlagen, Das Haus seiner Familie wurde 1917 zerstört. Fast zwei Jahre lang legte er das Komonieren zur Seite und schrieb einen erotischen Roman, den er seinem 15jährigen russischen Liebhaber, Boris Kochno, widmete. Das Buch wurde allerdings nie verlegt und nur wenige Manuskriptseiten sind später in russischer Übersetzung in Paris aufgetaucht. Boris Kochno jedoch verliess Szymanowski und ging eine Beziehung mit dem Impresario Djagilew ein. Seine Homosexualität verarbeitet Szymanowski in seinem Hauptwerk, der Oper KRÓL ROGER. Die Musik erinnert in ihrer die Grenzen der Tonalität erreichenden Harmonik an die eksatischen Klänge eines Skrjabin. Die musikalische Sprache der Oper ist von einer unter die Haut gehenden Sinnlichkeit geprägt. Die Selbsterkenntnis des Königs Roger am Ende hat Szymanowski entgegen dem Willen des Librettisten abgeändert: Roger folgt nicht dem schönen Hirten in die vermutlich desaströse Ekstase, sondern geht in betörenden Dur-Klängen seinen eigenen Weg – folgt nicht seiner Gemahlin Roxana (mit der das sexuelle Leben, wie wir im ersten Akt erfahren, eh zum Erliegen gekommen ist). Er emanzipiert sich von allem und allen und beschreitet den Weg des Lichts, der für ihn als der einzig richtige erscheint.

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