Berlin, Philharmonie: MESSIAEN | SCHOSTAKOWITSCH, 02.02.2019

Erstellt von Kaspar Sannemann | |   Schostakowitsch 13. Sinfonie

Olivier Messiaen: Trois petites liturgies de la présence divine für Klavier, Ondes Martenot, Frauenchor und Orchester | Uraufführung: 21. April 1945 in Paris | Dmitri Schotakowitsch: Sinfonie Nr. 13 in b- Moll Babi Jar | Uraufführung: 18. Dezember 1962 in Moskau | Dieses Konzert in Berlin: 2.2.2019

Kritik: folgt am 3.2. ab 13 Uhr an dieser Stelle

Werke:

Olivier Messiaens (1908-1992) Werke zeichnen sich durch tief religiös empfundene Bezüge aus, die oft metaphysische Ausmasse annehmen. Dabei verblüffen seine klangmagischen Fähigkeiten genauso wie die oft aufscheinende ekstatische Inbrunst. Er hat sich intensiv mit Debussy, Stravinsky und Mussorgsky beschäftigt, aber auch fernöstliche Musikstile studiert. Unüberhörbar in seinen Werken ist auch die Tatsache, dass er nicht nur Musiker sondern auch Ornithologe war. Immer wieder verleihen die Ondes Martenot seiner Klangsprache einen ganz besonderen Reiz. Die Ondes Martenot sind ein elektronisches, monophones Tasteninstrument mit sieben Oktaven Umfang, wobei die linke Hand die Dynamik und die Klangfarbe steuert. Dieses Instrument wird auch in den Trois petites liturgies eingesetzt, neben Frauenchor, Soloklavier und Orchester. Ursprünglich konzipierte Messiaen das sakrale Werk, das Gott in verschiedenen Facetten beschreibt (in uns, in sich selbst, in den Dingen), für zwei Klaviere. Den Text verfasste er selbst. Bei der Uraufführung löste das Werk diametral entgegengesetzte Reaktionen aus: Während die Mehrheit des Publikums wohlwollend reagierte, griff insbesonder der Musikkritiker Claude Rostand zu einer ganz spitzen Feder und überschüttete die Komposition mit Häme, sprach von Pseudo-Mystizismus und Engeln mit Lippenstift. Damit löste er eine Kontroverse aus, die als „Bataille des liturgies“ in die Geschichte einging.

 

 

 

Dmitri Schostakowitsch (1906-1975) schrieb seine 13 Sinfonie in den Jahren 1961-62. Grundlage und Kernpunkt dieser grossangelegten Sinfonie bildet das Gedicht Babi Jar des russischen Dichters Jewgeni Jewtuschenko. Dieses in der damaligen Sowjetunion höchst umstrittene Gedicht prangert nicht nur das Massaker an 33000 Juden in der gleichnamigen Schlucht vor den Toren Kiews an, sondern setzt sich auch kritisch mit dem Umgang des Vorgangs in der Sowjetunion unter Stalin und Chruschtschow auseinander. Für die Ermordeten wurde kein Denkmal errichtet, die Schlucht zugeschüttet, das Thema des Antisemitismus, der tief in der russischen Gesellschaft verankert war, wurde totgeschwiegen. Die Uraufführung wäre beinahe nicht zustande gekommen, da sich der Dirigent, Mrawinski, weigerte, die Sinfonie zu dirigieren und der Bassist nicht zur Hauptprobe erschien. Ein anderer Bassist sprang kurzfristig ein und Kirill Kondraschin am Pult führte die Uraufführung zu einem gewaltigen Erfolg. Nichtsdestotrotz setzten die Behörden Textänderungen durch. Erst Jahre später gelangte die Originalfassung in den Westen und Eugene Ormandy führte die Originalfassung 1970 in Philadelphia auf. Ursprünglich hatte Schostakowitsch nur dieses eine Gedicht vertonen wollen. Doch Jewtuschenko bot dem Komponisten weitere Gedichte an, so eintstand letztendlich diese fünfsätzige Sinfonie, die eben mit der Widmung an die Opfer von BABI JAR in einem unter die Haut gehenden Adagio beginnt. Der zweite Satz beschäftigt sich mit der unsterblichen Kraft des HUMORS, der dritte Satz IM LADEN ist ein Hohelied auf die Kraft der sowjetischen Frauen im grossen vaterländischen Krieg. Für den vierten Satz schrieb Jewtuschenko ein neues Gedicht mit dem Titel ÄNGSTE. Schostakowitsch setzte den Text in bedrohliche Klänge um, Babi Jar und die Unterdrückung allgemein in der Sowjetunion werden noch einmal fühlbar. Das Finale ist mit KARRIERE überschrieben und handelt von den kühnen Träumen der Menschheit, von Galilei, Tolstoi, Ärzten, welche mutig die Cholera bekämpften, Kosmonauten, welche das Weltall erforschten.

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