Berlin, Staatsoper: SAMSON ET DALILA, 14.12.2019

Erstellt von Kaspar Sannemann | |   Samson et Dalila

Oper in drei Akten | Musik: Camille Saint-Saëns | Libretto : Ferdinand Lemaire | Uraufführung: 2. Dezember 1877 in Weimar (deutsch), 3. März 1890 in Rouen (französisch)| Aufführungen in Berlin: 27.11. | 30.11. | 3.12. | 7.12. | 11.12. | 14.12.2019

Kritik: folgt am 15.12. ab 13 Uhr an dieser Stelle

Inhalt:
Das Libretto der Oper beruht auf der biblischen Geschichte des Israeliten Samson, der mit seinen übermenschlichen physischen Kräften die das hebräische Volk unterdrückenden Philister schlägt, aber wegen seiner Liebe zur feindlichen Priesterin Dalila menschliche Schwächen offenbart. Dalila führt ihn in Versuchung, Samsons Fleisch ist schwach. Dalila entlockt ihm das Rätsel seiner Stärke. Durch seine Entmannung (Verlust seines langen Kopfhaares) wird er impotent. Die Philister nehmen ihn gefangen, berauben ihn seines Augenlichts und lassen ihn weibische Sklavenarbeit verrichten. In einer letzten Aufwallung und unter verzweifelter Anrufung seines Gottes erlangt er noch einmal seine frühere Stärke. Er reisst die Säulen des heidnischen Tempels ein. Die herabstürzenden Trümmer begraben ihn, Dalila und viele Tausend Philister.

Werk:
Die französische Oper befand sich Mitte des 19. Jahrhunderts in einer grossen Krise. Das Publikum huldigte einerseits den Belcanto-Opern Donizettis und Bellinis oder den monumentalen Werken Meyerbeers, andererseits erlangten die Werke Richard Wagners immer mehr Anhänger (siehe auch FERVAAL in Bern). Eine eigenständige französische Musiksprache konnte sich (trotz Berlioz’ und Gounods Werken) nicht durchsetzen. Zwischen den beiden Lagern tobten vehemente Kämpfe. Jeder Komponist, der dem Orchester einen wichtigeren Stellenwert zuordnete, wurde vom konservativen Lager gleich als Wagnerianer verschrien. So konnte sich auch Saint-Saëns Hauptwerk (zuerst als Oratorium geplant) vorerst in Frankreich nicht durchsetzen, obwohl es weit entfernt vom Wagner Epigonentum ist. Die Grand Opéra de Paris übernahm das Werk erst 1892, danach aber setzte es zu einem grossartigen Siegeszug an und kam allein in Paris im letzten Jahrhundert auf über 1000 Aufführungen. Die farbenreich orchestrierte Partitur mit ihren Orientalismen, den sinnlich erotischen Melodien der Dalila und der raffinierten Gegenüberstellung des barockisierenden Sakralstils in den Chören der Hebräer mit den chromatisch angelegten Philisterszenen gehört zu den absoluten Meisterwerken der französischen Opernliteratur. Die in erotischer Mezzolage singende FEMME FATALE, welche mit Bizets CARMEN Einzug in die Opernwelt gehalten hatte, fand in DALILA eine würdige Nachfolgerin.

Musikalische Höhepunkte:
Israël, rompe ta chaîne, Samson und Hebräer, Akt I
Printemps qui commence, Arie der Dalila, Akt I
Amour, vien aider ma faiblesse, Monolog der Dalila, Akt II
Mon coeur s’ouvre à ta voix, Liebesszene Dalila-Samson, Akt II
Bacchanale, Ballett, Akt III
Gloire à Dagon, Hohepriester, Dalila, Samson, Finale Akt III

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