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Frankfurt, Oper: MAZEPPA; 01.10.2026

Erstellt von Kaspar Sannemann | | Mazeppa

Pjotr I. Tschaikowski (1840-1893) Bild: Charles Reutlinger, gemeinfrei

Die Oper Frankfurt bringt Tschaikowskis blutig-monumentales und selten aufgeführtes Drama MAZEPPA auf die Bühne (Übernahme der Produktion der Tiroler Festspiele Erl)

Lyrisch-dramatische Oper in drei Akten und sechs Bildern | Musik: Pjotr I. Tschaikowski | Libretto: Victor P. Burenin und Peter I. Tschaikowski nach Alexander S. Puschkins historischem Poem POLTAWA | Uraufführung: 15. Februar 1884 in Moskau | Aufführungen in Frankfurt: 13.9. | 18.9. | 20.9. | 26.9. | 1.10. | 4.10. | 10.10. | 15.10. 2026

Kritik: erscheint am 2.10. ab 15 Uhr an dieser Stelle

Inhalt:

Mazeppa ist der Anführer der ukrainischen Kosaken (Hetman). Er ist der Patenonkel von Maria, der Tochter seines reichen Freundes Kotschubej und dessen Frau Ljubow. Maria verliebt sich in den wesentlich älteren Mazeppa. Deshalb lehnt sie die Avancen des jungen Andrej ab. Mazeppa bittet Kotschubej um die Hand seiner Tochter. Der glaubt zuerst an einen Scherz und lehnt entrüstet ab. Doch da Maria ihre Eltern selbst um die Einwilligung zur Heirat mit Mazeppa bittet, bleibt ihnen nichts anderes übrig, als - widerstrebend und zornig - einzuwilligen. Kotschubej will sich jedoch an Mazeppa rächen und schwärzt Mazeppa wegen Aufwiegelei beim Zaren an. 

Der Zar glaubt die Verschörungstheorien Kotschubejs, Iskras (Anhänger Kotschubejs) und Andrejs jedoch nicht. Mazeppa versteht es, die Anschuldigungen auf die Urheber zurückfallen zu lassen. Er verhaftet Kotschubej und Iskra, welche unter Folter ihre falschen Behauptungen gestehen und sich selbst der Aufrührerei schuldig bekennen. Sie werden zum Tode verurteilt und ihre Vermögenswerte werden konfisziert. Mazeppa versucht, seiner Frau Maria alles zu verheimlichen. Doch Maria spürt, dass etwas nicht in Ordnung ist. Ljubow klärt ihre Tochter Maria über die Vorgänge auf. Beide eilen zum Hinrichtungsplatz, kommen jedoch zu spät. 

Mazeppa hat sich nun mit dem schwedischen König Karl XII. verbündet und kämpft gegen den Zaren. In der Schlacht bei Poltawa wird er vernichtend geschlagen. In seiner Flucht durch die Ukraine wird er von Andrej aufgespürt. Vor Marias Elternhaus kommt es zum Showdown zwischen den beiden: Andrej wird von einem Schuss aus Mazeppas Waffe getroffen. Maria, die seit der Hinrichtung ihres Vaters den Verstand verloren hat, tritt aus dem Haus. Sie erkennt Mazeppa nicht, doch wiegt sie den sterbenden Andrej in ihren Armen. Mazeppa flieht.

Werk:

Wie auch seine beiden bis heute erfolgreichsten Opern EUGEN ONEGIN und PIQUE DAME fusst Pjotr Iljitsch Tschaikowskis MAZEPPA auf einem Poem des russischen Nationaldichters Alexander Puschkin. Mazeppa (oder Masepa) war eine historische Figur, geboren in der Oblast Kiew, dann Page am polnischen Königshof. Wegen einer Liebesaffäre musste er fliehen, kam in die Ukraine und zu den dort regierenden Kosaken, stieg zum vom Volk gewählten Anführer (Hetman) auf. Er wurde zu einem der reichsten Männer Osteuropas, kämpfte an der Seite des russischen Zaren Peter I. gegen die Osmanen. Im Nordischen Krieg kämpften Mazeppas Kosaken zuerst an der Seite Russlands. doch die Verachtung der russischen Führung für die Kosaken wuchs, so dass Mazeppa die Seiten wechselte und von da an den schwedischen König Karl XII. mit seiner unterdessen dezimierten Kosakenarmee (sie wurde von den Russen als Kanonenfutter verwendet) unterstützte und sich so eine Lösung aus der russischen Umklammerung der Ukraine erhoffte (kommt uns heute bekannt vor, wie sich Geschichte doch wiederholt; Mazeppa schrieb: “Moskau, das heißt die großrussische Nation, hat unsere kleinrussische Nation von jeher gehasst; in Böswilligkeit ist Moskau seit langem entschlossen, unsere Nation ins Verderben zu stürzen.”). Nach der verlorenen Schlacht von Poltawa flüchteten der schwedische König und Mazeppa in osmanisches Territorium (heute Transnistrien), wo Mazeppa starb.

In die Bereiche der Literatur und der Musik hielt Mazeppa zuerst als Volksheld Einzug (Gedichte von Voltaire und Lord Byron, von Daniel Defoe und Victor Hugo). In der Sowjetzeit galt Mazeppa als negative Figur und Verräter, in der seit 1991 unabhängigen Ukraine dagegen wieder als Nationalheld. Tschaikowski zeigt ihn in seiner Oper als menschlich ziemlich zwiespältige, aber sehr ambitiöse Figur. Franz Liszt schilderte sein leben in der berühmten sinfonischen Dichtung MAZEPPA, welche auf das eher glorifizierende Gedicht Victor Hugos Bezug nimmt. Kürzlich wurde auch eine vergessene Grand Opéra der Komponistin Clémence de Grandval wieder entdeckt, die ebefalls lose auf Puschkins Historienpoem beruht. 

Von einigen Kritikern wird Tschaikowskis MAZEPPA eher abfällig als “Schinken” bezeichnet, andere loben den muikalischen Einfallsreichtum und die mitreissende Melodik (z.B. die sinfonische Schlachtenschilderung von Poltawa).

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