Berlin, Philharmonie: BRAHMS-PERSPEKTIVEN IV, 23.02.2019

Erstellt von Kaspar Sannemann | |   Brahms Sinfonien

Johann Sebastian Bach: Präludium E-Dur aus DAS WOHLTEMPERIERTE KLAVIER II BWV 878 | fertig gestellt 1742 | Johann Sebastian Bach: KLAVIERKONZERT Nr.2 E-Dur, BWV 1053 | Entstehung wahrscheinlich um 1718 als Konzert für Oboe d'amore | Aribert Reimann: FRAGMENTS DE RILKE, für Sopran und Orchester | Uraufführung: 24.Februar 2019 in Berlin | Johannes Brahms: 4.SINFONIE in e- Moll | Uraufführung: 25.Oktober 1885 in Meinigen, unter der Leitung des Komponisten

Kritik: folgt am 24.2. ab 13 Uhr an dieser Stelle

 

Werke:

Johann Sebastian Bach (1685-1750) war und bleibt der Fixstern am deutschen Komponistenhimmel, von ihm kommt alles, um ihn kommt man nicht herum. So auch bei seinen Kompositionen für Klavier (zu Bachs Zeiten verstand man unter „Clavier“ Cembalo, Clavichord oder gar Orgel). Besonders in seinen Konzerten für Cembalo legte Bach seine protestantische Strenge zur Seite und präsentierte Werke voller Esprit, Charme, guter Laune und Glanz. Die Konzerte sind allerdings zumeist Transkriptionen von dreisätzigen Konzerten, welche für andere Melodieinstrumente entstanden waren, so auch das zweite Klavierkonzert BWV 1053, welches auf einem nicht erhaltenen Werk aus Bachs Köthener Zeit fusst.

DAS WOHLTEMOERIERTE KLAVIER ist eine Sammlung von Präludien und Fugen für Tasteninstrument in zwei Teilen. Teil I wurde 1722 fertig gestellt, Teil II 1740/42. Jeder Teil besteht aus 24 Satzpaaren aus je einem Präludium und einer Fuge in allen Dur- und Molltonarten aufsteigend angeordnet. Erstmals sind nun alle Tonarten gleichwertig vertreten, was einen enormen Einfluss auf nachfolgende komponisten ausübte und gerade deshalb fiel DAS WOHLTEMOERIERTEN KLAVIER nie der Vergessenheit anheim und diente Mozart, Beethoven und all ihren Nachfolgern als beispielhaft. Hans von Bülow: „Das wohltemperirte Calvier ist das alte Testament ... .“ Robert Schumann: „Das wohltemperirte Clavier sei dein täglich Brot .. .“

Aribert Reimann, geboren 1936, ist der wohl meistgespielte deutsche Komponist der Nachkriegszeit. Insbesondere seine Oper LEAR aus dem Jahre 1976 erscheint glücklicherweise immer noch regelmässig auf den Spielplänen, was für Musiktheaterwerke aus der Zeit nach 1950 wahrlich keine Selbstverständlichkeit ist.

Auch in seiner 4. und letzten Sinfonie ist Johannes Brahms (1833-1897) durchaus auch Chronist seiner Zeit, drängt auf Besinnung auf stabile Werte aus dem deutschen Volksliedgut, auf den Stil der klassischen Vorbilder. Auffallend, dass Brahms für den letzten Satz die Variationenform der Chaconne (auf ein Thema von Bach) wählte, eine Form, die vor allem in der Zeit der Aufklärung sehr en vogue war. Den ersten Satz beginnt Brahms quasi seufzend, mit absteigenden Terzen und ansteigenden Sexten. Von der Unbeschwertheit seiner zweiten Sinfonie ist kaum mehr was übrig geblieben. Nichtsdestotrotz setzte sich die konsequent durchgestaltete vierte Sinfonie beim Publikum durch und wird seit der Uraufführung sehr häufig gespielt.

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