Zürich, Opernhaus: RACHMANINOW – DIE DREI OPERN; 01.11.2026
Selten als Tryptichon aufgeführt, nun am Opernhaus Zürich zu erleben in der Inszenierung von Dmitri Tcheniakov unter der musikalischen Leitung von GMD Gianandrea Noseda
ALEKO | Oper in einem Akt | Musik: Sergej Rachmaninow | Libretto: Vladimir Nemirowitsch-Dantschenko, nach Puschins Gedicht DIE ZIGEUNER | Uraufführung: 9. Mai 1893 in Moskau |
SKUPOI RYTSAR (Der geizige Ritter) | Oper in drei Bildern | Musik: Sergej Rachmaninow | Libretto: nach Alexander Puschkins gleichnamiger Tragödie | Uraufführung: 24. Januar 1906 in Moskau |
FRANCESCA DA RIMINI | Musik: Sergej Rachmaninow | Libretto: Modest Tschaikowski, nach Dante | Uraufführung: 24. Januar 1906 in Moskau |
Diese Produktion in Zürich: 1.11. | 4.11. | 8.11. | 15.11. | 18.11. | 21.11. | 28.11.2026
Kritik: erscheint am 2.11. ab 15 Uhr an dieser Stelle
Werke und Inhalt:
Sergej Rachmaninow (1873-1943) ist vor allem bekannt durch seine spätromantischen Klavierwerke (die vier Klavierkonzerte, die Variationen über ein Thema von Paganini, die pianistisch höchste Anforderungen stellenden Kompositionen für Klavier solo, wie die Études-Tableaux, die Préludes und die diversen Transkriptionen) und die Sinfonien. Weniger populär geworden ist seine Vokalmusik, so die drei Opern, welche an diesem Abend als Tryptichon gespielt werden.
ALEKO: Rachmaninows Jugendwerk, komponiert im Alter von 19 Jahren. In dieser Abschlussarbeit Rachmaninows am Moskauer Konservatorium ist noch deutlich der Nachhall Tschaikowskis (oder auch westlicher Einflüsse von Bizet, Verdi und Mascagni) zu hören. Folkloristische Weisen der Roma kontrastieren effektvoll mit melancholischen Kavatinen, z.B. Alekos grosser Monolog, der immer noch zum Standardrepertoire grosser Baritone/Bassbaritone gehört.
Inhalt: Aleko hat sein bisheriges urbanes Leben hinter sich gelassen und ist aus Liebe einer jungen Roma (Zemfira) gefolgt und hat sich den Fahrenden angeschlossen. Doch Zemfira verspottet und verlässt ihn. Aleko sinniert über sein Leben nach. Er entdeckt Zemfira mit einem jungen Roma in flagranti. Aleko ermordet das junge Liebespaar. Die Roma jagen Aleko davon; sie dulden keinen Mörder in ihrer Gemeinschaft.
SKUPOI RYTSAR (Der geizige Ritter): Fast über 10 Jahr nach seinem Jugendwerk wandte sich Rachmaninow erneut der Oper zu. Er war unterdessen auch zu einem geschätzten Dirigenten am Bolschoi Theater Moskau arriviert. Die Vorlage lieferte erneut der russische Nationaldichter Alexander Puschkin mit einer seiner kleinen Tragödien, welche Rachmaninow praktisch wörtlich vertonte. Das Stück ist ein reines Männer-Drama. Der musikalische Stil ist gegenüber seinem Erstling ALEKO sinfonischer geworden, die Struktur erinnert mehr an die Wagner-Nachfolge als an die Veristen (Leitmotive, Chromatik).
Inhalt: Der Baron ist krankhaft geizig. Er zählt in seinem Keller seine Goldschätze. Lässt dabei aber sein Haus verkommen. Sein Sohn Albert sucht Hilfe bei einem Geldverleiher. Der aber schlägt bloss vor, den alten Baron zu vergiften. Albert ist entsetzt, jagt den Geldverleiher zum Teufel und eilt zum Herzog und bittet diesen um Vermittlung. Doch diese Vermittlung scheitert, der Baron bleibt stur. Der Baron bezichtigt gar seinen Sohn des Mordkomplotts gegen ihn. Albert nennt seinen Vater einen Lügner. Daraufhin fordert der Baron seinen Vater zum Duell. Der Herzog schickt Albert weg und will den Baron besänftigen. Der kann nur noch eine Entschuldigung und etwas über die Schlüssel zu seinen Schatztruhen flüstern, dann bricht er tot zusammen.
FRANCESCA DA RIMINI: Gleichzeitig mit SKUPOI RYTSAR brachte Rachmaninow seinen letzten Einakter FRANCESCA DA RIMINI in Moskau zur Uraufführung. Das Libretto (fussend auf einer Erzählung aus Dantes LA DIVINA COMEDIA) hatte Modest Tschaikowski verfasst (der Bruder des Komponisten Piotr I. Tschaikowski, der zu diesem Thema bereits 1878 eine sinfonische Dichtung komponiert hatte). Der Stoff hatte auch andere Opernkomponisten inspiriert, so Mercadante (war 2023 in Frankfurt zu erleben gewesen) und später Riccardo Zandonai. Rachmaninow hat eine meisterhafte Partitur geschrieben: Höhepunkte sind der chromatisch wogende Chor in der Höllenszene und das ausgedehnte Liebesduett Francesca – Paolo, das auf die grosse Szene im zweiten Akt von Wagners TRISTAN UND ISOLDE Bezug nimmt.
Inhalt: Eingerahmt von Szenen in der Hölle, in denen Dante und Vergil auf die gepeinigten Seelen treffen, erzählt die Oper die tragische Geschichte von Francesca. Sie wurde durch eine List mit dem hässlichen Lanziotto verheiratet, liebt aber dessen attraktiven Bruder Paolo. Als Lanziotto die beiden beim gemeinsamen Lesen einer Liebesgeschichte überrascht, ersticht er sie. (Die Parallele zu Rachmaninows erster Oper ALEKO ist offensichtlich.)