Frankfurt, Oper: BLUTHOCHZEIT; 15.05.2026
Einmal mehr eine wichtige Wiedererweckung einer Fortner-Oper in Frankfurt
Lyrische Tragödie in zwei Akten | Musik: Wolfgang Fortner | Text: Text von Federico García Lorca (Bodas de sangre) in der deutschen Übersetzung von Enrique Beck | Uraufführung: 8. Juni 1957 in Köln unter der Leitung von Günter Wand | Aufführungen in Frankfurt: 10.5. | 13.5. | 15.5. | 24.5. | 31.5. | 6.6. | 15.6.2026
Kritik: folgt am 16.5. ab 13 Uhr an dieser Stelle
Inhalt:
Federico García Lorcas Drama Bodas de Sangre ist eine eindringliche Anklage gegen das Gesetz der Blutrache, ein - wenn auch ungeschriebenes - Gesetz, dass traurigerweise nichts an Aktualität verloren hat.
“Die Mutter des Bräutigams hat ihren Mann und ihren ältesten Sohn im Kampf zwischen zwei Familienclans verloren und bangt nun um das Leben ihres jüngsten Sohnes. Sie fürchtet, dass durch seine Hochzeit der Krieg der beiden Clans wieder aufflammt. Denn die Braut liebt immer noch ihren früheren Verlobten Leonardo, der zur feindlichen Familie gehört. Noch während der Hochzeit entführt Leonardo sie. Die beiden fliehen in den Wald, doch ihre Verfolger holen sie ein. Die Blutrache wird zweifach vollzogen: Beide Rivalen sterben im Duell.” (Text: Webseite der Oper Frankfurt)
Werk:
Wolfgang Fortner (1907-1987) war einer der bedeutendsten Komponisten Deutschlands im 20. Jahrhundert. Fortner studierte Orgel und Komposition in Leipzig. Er gründetet das Heidelberger Kammerorchester, das sich vorwiegend den Werken zeitgenössischer Komponisten widmete. Nicht ganz unumstritten war seine Rolle zur Zeit der Nazi-Herrschaft ab den Dreissiger Jahren: Er übernahm die Leitung des Bann-Orchesters der Hitler-Jugend und stellte einen Aufnahmeantrag in die NSDAP; ab 1940 wurde er als Mitglied der NSDAP gelistet. Im Entnazifizierungsverfahren nach 1945 wurde Fortner als Mitläufer eingestuft und erlitt kein Berufsverbot. Er erhielt Professuren in Detmold und Freiburg, war Gründungsmitglied der Kranichsteiner (Darmstädter) Ferienkurse für Neue Musik, Mitglied der Akademie der Künste in Berlin und erhielt 1977 das Grosse Bundesverdienstkreuz mit Stern, sowie die Ehrendoktorwürde der Universitäten von Heidleberg und Freiburg. Zu seinen Schülern zählten u.a. Hans Werner Henze, Bernd Alois Zimmermann, Rudolf Kelterborn und Wolfgang Rihm.
Fortner lernte 1948 den Hamburger Studenten Wolfgang Held kennen, der sein Lebenspartner wurde und den er 1958 adoptierte (gleichgeschlechtliche Ehen waren damals noch nicht erlaubt). Held wurde dank Fortners Vermittlung Musiklehrer an der Odenwaldschule - und wurde später als einer der Haupttäter im hundertfachen, systematischen sexuellen Missbrauchsskandal an der Odenwaldschule eingestuft.
Fortners Kompositionen, die weitgehend auf Zwölftonreihen fussen, sind nie strikt orthodox. Er sah in der Dodekaphonie eher die Fortführung der tradierten Kontrapunkttechnik. Seine Werke werden heutzutage nicht mehr sehr oft aufgeführt. Die Oper BLUTHOCHZEIT (wie seine Oper IN SEINEM GARTEN LIEBT DON PERLIMPLÍN BELISA ebenfalls nach einer Vorlage Federico García Lorcas) war wohl sein erfolgreichstes Werk im Bereich des Musiktheaters. In den 1950er und 60er Jahren war BLUTHOCHZEIT eine der meistgespielten zeitgenössischen Opern im deutschen Sprachraum. Doch seither ist es leider eher still um diesen bedeutenden Beitrag zum Musiktheater geworden. Fortner war in seinem Kompositionsstil dieser Lorca-Vertonung sehr auf Textverständlichkeit bedacht. Deshalb sind einige der Rollen mit Schauspieler*innen besetzt. So entsteht ein packendes, expressives Melodram. Fortner verknüpft die sieben Szenen mit eindringlichen musikalischen Zwischenspielen. Kunstvoll hat er es verstanden, in seine Musik dezent spanische Weisen einzuweben und mittels Mandolinen, Kasagnetten, Gitarre und Tamburin eine unaufdringliche andalusische Atmosphäre zu schaffen.