Skip to main navigation Zum Hauptinhalt springen Skip to page footer

Bayreuth, Festspiele: RIENZI; 08.08.2026

Erstellt von Kaspar Sannemann | | Rienzi

Copyright: Enrico Nawrath, mit freundlicher Genehmigung Bayreuther Festspiele

Wagners Grand-Opéra ist erstmals an den Bayreuther Festspielen zu erleben (da das Werk nicht zum Bayreuth-Kanon Cosima Wagners gehört); Nathalie Stutzmann dirigiert, Andreas Schager gestaltet die anspruchsvolle Titelrolle

Grosse tragische Oper in fünf Aufzügen | Musik: Richard Wagner | Libretto: vom Komponisten, nach Bulwer-Lyttons Roman COLA RIENZI | Uraufführung: 20. Oktober 1843 in Dresden | Aufführungen in Bayreuth: 26.7. | 3.8. | 8.8. | 14.8. | 17.8. | 19.8. | 22.8. | 24.8. und 26.8.2026

Kritik:

Vor 150 Jahren fanden die ersten Bayreuther Festspiele statt. Zum 150. Jubiläum gab es dieses Jahr nicht nur den einmalig gezeigten RING DES NIBELUNGEN - 10010110, auch Wagners dritte - und im 19. Jahrhundert erfolgreichste – Oper wurde nun erstmals an den Festspielen präsentiert. Wagner hatte ja kein Testament hinterlassen, er hatte lediglich einmal erwähnt, dass das Festspielhaus zur mustergültigen Aufführung seiner Werke Bestand haben solle (er schloss also nicht explizit seine drei eklektischen „Jugendsünden“ DIE FEEN, DAS LIEBESVERBOT und RIENZI aus). Erst später hatte er in einem Nebensatz in einem Brief an Ludwig II. die Opern ab dem FLIEGENDEN HOLLÄNDER erwähnt. Somit steht eigentlich einer Aufführung von Wagners RIENZI – DER LETZT DER TRIBUNEN auf dem Grünen Hügel nichts im Wege. Trotzdem hat man sich 150 Jahre lang gescheut, diese epigonale Grand-Opéra des jungen Wagner hier aufzuführen (aber auch der HOLLÄNDER musste ja bis 1901 auf die Aufnahme in den Festspiel-Kanon warten). Cosima Wagner war der RIENZI ja beileibe nicht fremd, hatte sie ihn doch in Karlsruhe und in Berlin (in einer von ihr erstellten Fassung) inszeniert. Dass RIENZI gerade nach dem Zweiten Weltkrieg nicht in Bayreuth gespielt wurde, ist verständlich, denn A.H. hatte dessen Ouvertüre jeweils zur Eröffnung der Reichsparteitage der NSDAP spielen lassen. Doch nun, da sich Bayreuth immer mehr der unrühmlichen Vergangenheit während der Winifred - Jahre stellt, ist es an der Zeit, die Rezeptionsgeschichte vom Werk zu trennen. Denn gerade wenn dies grandiose Oper in einer derart klugen Inszenierung daherkommt wie hier, gehört diese Oper unbedingt nach Bayreuth und ins erweiterte Standard - Repertoire der Opernhäuser weltweit (meine Meinung, denn von Mozart und Verdi werden auch Jugendwerke häufig gespielt, welche nicht die Qualität eines DON GIOVANNI oder DON CARLO erreichen).

RIENZI ist in vielerlei Hinsicht monumental: Da ist zuerst einmal die Länge, denn ungekürzt käme man auf eine Netto – Spielzeit von ca. fünf Stunden, mit Pausen also weit über sechs Stunden. Das würde selbst an Durchhaltevermögen gewöhnte, eingefleischte Wagnerianer an Grenzen bringen. Andererseits sind die Anforderungen an die Titelrolle fast unermesslich – da muss sich zuerst mal ein Tenor finden lassen, der bereit ist, diese Strapazen auf sich zu nehmen. Und drittens ist RIENZI auch eine gigantische Choroper, mit mindestens zehn gewaltigen Chortableaus – auch hier werden Theaterchöre an Repertoire – Häusern stark gefordert sein. Allerdings sind die letzten beiden Aufgaben (Titelrolle, Chöre) auch überaus dankbar und liessen sich bestimmt lösen. Was die Fassung betrifft, hat man für diese einmalige Produktion (einmalig aus zwei Gründen, erstens weil sie einmalig überragend inszeniert und besetzt war und zweitens einmalig, weil sie anscheinend in kommenden Spielzeiten nicht wieder aufgenommen werden wird) für die Cosima – Fassung aus Berlin entschieden; das heisst Kürzungen im Umfang von ungefähr 1500 Takten (vor allem Rezitative und die Pantomime), aber unter Beibehaltung von einem Drittel der obligaten Ballettmusik der Grand Opéra, deren Gesetzen sich auch Wagner beugen musste, um Meyerbeer in Paris zu konkurrenzieren. Hoffentlich kann man diese Produktion – sie muss sündhaft teuer gewesen sein – wenigstens an andere Häuser weiterverkaufen. Das wäre doch jammerschade, wenn sie nach diesen neun Vorstellungen einfach eingestampft würde!

Anvertraut hatte man diese Bayreuther Produktion dem Regieduo Magdolna Parditka und Alexandra Szemerédy. Wie sich herausstellte, eine ausgezeichnete Wahl. Die beiden Ungarinnen, deren Arbeit für RUSLAN UND LUDMILA ich bereits in Hamburg bewunderte, entwarfen ein begeisterndes, tiefgründiges, dystopisches Konzept für den Aufstieg und den Fall des letzten Tribunen. Begonnen wird ihre Erzählung bereits während der Ouvertüre. Rienzi, seine Schwester und ihr gemeinsamer Sohn wohnen in einer kubistischen Siedlung ganz zuoberst, sie bewohnen drei dieser Kuben, die der Trompe-l’œil – Architektur der Grafik der Tumbling Rocks nachempfunden sind. Dieses grafische Muster findet sich im späten Mittelalter oft auch auf Bodenbelägen, zum Beispiel in der Lateranbisilika in Rom. Wenn dann dieser gesamte viergeschossige Wohnblock aus Kuben hochfährt, staunt man ein erstes Mal ganz im Sinne der Redewendung Bauklötze! Ja, verehrte Leser*innen, sie haben richtig gelesen: Der zölibatäre päpstliche Notar Rienzi hat (in dieser Inszenierung) ein intimes, inzestuöses Verhältnis mit seiner Schwester Irene. (Bei Wagner übrigens keine Seltenheit, der RING strotzt nur so von Sex unter Blutsverwandten.) Aber das Verhältnis Irene – Rienzi leiten Magdolna Parditka und Alexandra Szemerédy nicht aus dem RING ab, sondern auch aus dem Inhalt der Oper, kann sich doch Irene trotz ihrer Liebe zu Adriano nie für diesen entscheiden, sondern kehrt immer wieder in die toxische Beziehung zu Rienzi zurück. Adriano ist hier übrigens ein Mensch mit sehr vielen weiblichen Attributen: Erstens wird die Rolle von einer Sopranistin gesungen, ist also eine klassische Hosenrolle wie Strauss' Octavian oder Mozarts Cherubino u.v.a.m. Zweitens kleidet sich dieser Adriano mit dem weitgeschnittenen Hosenanzug sehr feminin, auch der Haarschnitt ist entsprechend, und er taucht später nur noch im Kampfmontur auf; etwas despektierlich würde man von einer Kampflesbe sprechen. Irene dagegen wird sehr feminin und stets gediegen-elegant gekleidet gezeigt. Die beiden haben also ein lesbisches Liebesverhältnis, das sieht man auch in einigen intimen Szenen in den zur Bühne offenen Schlafzimmern des Wohnblocks. Es ist also ein doppeltes Geheimnis, das Rienzi in seinem moralischen Anspruch auf politische Führung im Wege steht (Inzest und die Bisexualität seiner Ehefrau). Das noch grössere Geheimnis ist der Sohn der beiden, denn dieser stirbt während der Ouvertüre an Tuberkulose; doch Rienzi inszeniert für die Öffentlichkeit, dass dies der jüngere Bruder von Irene und Rienzi war, der von gedungenen Mördern der Adelsfamilie der Colonna ermordet worden sei. Diese Fake News verbreiten sich in Windeseile (alle sind ständig mit leuchtenden Displays ihrer Smartphones unterwegs, und in den Wohnungen läuft nach Rienzis – demokratischem (auch die NSDAP wurde ja seinerzeit demokratisch und ohne absolute Mehrheit in den Reichstag gewählt, mit nur etwas über 37 %) Wahlsieg (41% für Rienzi, 33% für Colonna und 26% für Orsini, alles per Fingerabdruck und live im TV, also nichts mit geheimen Wahlen ...). Rienzi soll nun aber keineswegs mit A.H. verglichen werden. Er war historisch ein kluger, gebildeter Mann, der es eigentlich gut meinte, halt einfach mit der Schwierigkeit leben musste, dass das private Glück nicht unbedingt mit der politischen Korrektheit einhergehen konnte (kommt uns bekannt vor). Die anschliessende Wahlfeier ist irre gut inszeniert, ein Galaempfang mit Einzug der Gäste, könnte gut im Festspielhaus sein, denn zur Ballettmusik wird eine exakte Replika des Bühneportals des Festpielhauses hochgefahren, ein Mensch mit Kleinwuchs im goldenen Frack, goldenen Hosen goldenem Haar und der Physiognomie Richard Wagners tritt akrobatisch Rad schlagend in bunt blinkenden Schuhen auf und lässt eine urkomische, dreiaktige Persiflage auf Wagners Werke des Bayreuth - Kanons ablaufen; alle kommen darin vor von den Rheintöchtern über Wotan, Siegfried und Brünnhilde, selbst die Wölfinge (das Wälsungenpaar) haben einen kurzen Auftritt. Lohengrin fährt auf dem Schwan vor, das Ensemble des Tannhäuser fährt in einem Wartburg aus Pappe vorbei, Hans Sachs haut aufs Leder, Stolzing und Beckmesser rollen in angeschwultem Zweikampf über den Boden, Kundry zündet die Leuchte im Gralskelch an und Tristan und Isolde verbringen eine ungestüme, wilde Liebesnacht unter dem Laken. Senta versucht mit einem leeren Bilderrahmen in diesem Personal den Angehimmelten zu finden. Das ist derb, virtuos und überaus lustig. Noch fast lustiger sind die Aktpausen dieser „Balletteinlage“: Wegen der Überlänge von Wagners Aktergüssen stehen natürlich die urmenschlichen sanitären Bedürfnisse in den Pausen (neben der Apérol- und Sektbar) im Vordergrund. Die vornehmen Gäste, viele schon etwas angeheitert oder anderweitig stimuliert, drängen sich vor den Toiletten, machen sich beinahe in die Hosen, auch weil ein sich sexuell vergnügendes Paar eine Toilette mal etwas länger blockiert. Herrlich! Danach ist aber fertig lustig. Nach der ersten Pause beginnt der Fall des Rienzi: Er will sich nicht an den Nobili Colonna und Orsini rächen, die gemeinsam ein Attentat auf ihn verüben. Doch da verliert er langsam das Vertrauen des Volkes; Gutmenschtum wird eben nicht gewürdigt. Das Volk stülpt sich Fechtmasken über, Realitätsverweigerung und Verlust der Individualität = Gleichschaltung, auch auf den Bildschirmen in den Häusern flimmert in jedem Kubus das selbe Programm. Auch wenn sich Rienzi dann oftmals in seinen Träumen selbst verklärt, die „kleine Apokalypse“ der Endzeitrede Jesu („kein Stein soll auf dem andern bleiben“) im Hintergrund abläuft, er die Jakobsleiter zum Himmel und zu Gottes Thron zu erklimmen versucht, gelingt es ihm nicht, wieder politisch Fuss zu fassen, die nächsten Wahlen verlaufen desaströs – 0% für Rienzi. Schliesslich ersticht Irene ihren Bruder und richtet sich selbst. Sterbend versucht Rienzi nochmals die Treppe zum Himmel zu erklimmen, scheitert und die von ihm erwartete Apotheose wird zum Desaster, die Jakobsleiter sinkt runter in die Hölle. Es gäbe noch so viel Positives und Intelligentes über diese Inszenierung zu berichten. Das sollte man gesehen haben! Nur schon die Bühne ist ein Hingucker (konzipiert ebenfalls von den beiden Regisseurinnen, wie auch die Kostüme) mit dem Wohnblock, der sich flexibel in Segmente teilen, heben, senken und drehen lässt, der Arena der Festgäste und Politiker, die Liveübertragungen von Feiern, Pressekonferenzen und auch vermeintlich intimeren Szenen auf die grosse Leinwand und das Licht- und Videodesign von Bernd Gallasch, respektive Leonard Koch.

Von der musikalischen Seite her stelle ich für einmal den geradezu überwältigend singenden, akzentuierenden und gestaltenden Festspielchor und den Sonderchor der Bayreuther Festspiele, einstudiert von Thomas Eitler-de Lint, an den Anfang. Was diese Sänger*innen an diesem Abend leisten, ist gewaltig. Dazu müssen sie auch noch viel agieren, denn die beiden Regisseurinnen erweisen sich als Meisterinnen der spannungsgeladenen und visuell beeindruckenden Führung von Menschenmassen. 

Die Titelpartie erfordert nicht nur eine schön timbrierte, charismatische Tenorstimme, sondern auch viel Durchschlagskraft, Stamina und Kondition. Dies alles bringt Andreas Schager in bewundernswerter Weise mit, glänzt mit wunderbar tragfähiger Phrasierung, klarer Diktion und hellem, in jeder Lage ausgeglichenem Timbre mit sicher sitzenden Tönen. Mutig von ihm war, dass er es wagte, das berühmte Gebet des Rienzi (es wurde vom fünften an den Anfang des vierten Aktes vorverlegt) mit gebrochener Stimme zu singen, denn in der Situation, in der sich Rienzi zu diesem Zeitpunkt befindet, singt man nicht mehr jubelnde, sondern eher flehende Gebete, die mit Verbitterung und Schmerz vorgetragen werden müssen. Ein Leistung zum Niederknien! Wagner hat ja gerade zwei jugendlich-dramatischen Sopranen die Rollen der Irene, respektive des Adriano anvertraut. Mit Gabriela Scherers jugendlich leuchtender Stimme als Irene und Jennifer Holloways leicht herberem Timbre als Adriano/a sind diese beiden Partien überaus hochkarätig besetzt. Die sich gut voneinander abhebenden Timbres in ihren zahlreichen Zwiegesängen führen zu apartem, einnehmendem und auch dramatisch aufwühlendem Hörerlebnis. Alle drei Protagonist*innen agieren mit wunderbarer Glaubwürdigkeit. Die mittleren Partien sind von Wagner noch nicht mit ganz deutlich ausgearbeiteter, motivischer Differenzierungskunst versehen worden. Die vielleicht nicht allzu dankbaren Partien erhalten jedoch durch die ausgewählten Sänger überragende Präsenz: Andreas Bauer Kanabas lässt als Colonna einmal mehr seine autoritätsgebietende, prachtvolle Bassstimme erklingen, Michael Nagy ist ein gekonnt umtriebig-hinterhältiger, schmieriger Orsini, Vitalij Kowaljow ein kaltherziger Kardinal Raimondo, Legat des Gegenpapstes in Avignon, der seine eigenen politischen Pläne als graue Eminenz schmiedet (er ist auch entsprechend kostümiert). Martin Koch (Baroncelli) und Michael Kupfer-Radecky (Ceccho del Vecchio) sind die ausgezeichnet singenden und windig agierenden römischen Bürger Roms und Victoria Randem hat als Reporterin einen kurzen Auftritt als Friedensbotin.

Die musikalische Leitung der Aufführung dieser Grand Opéra liegt in den Händen von Natalie Stutzmann: Zusammen mit dem erfrischend und mitreissend aufspielenden Festspielorchesters wird sie der jugendlich-vorwärtsdrängenden, manchmal auch ausufernden Partitur vollends gerecht. Das hat Zug,Verve und Feuer, macht beinahe süchtig, auch wenn Wagner die Motive allzu oft kaum verändert wiederholt, so dass man sie auf dem Nachhauseweg kaum mehr aus dem Kopf kriegt. Sie setzen sich wie Ohrwürmer darin fest. Trotzdem hofft man auf baldige szenische Wiederbegegnung mit diesem frühen Werk aus des Meisters Feder!

Inhalt: 

Rom, Mitte 14. Jahrhundert

Das Volk leidet unter den Machtkämpfen, Korruption und Intrigen der herrschenden Patrizierfamilien Colonna und Orsini. Paolo Orsini versucht, Irene, die Schwester des päpstlichen Notars Rienzi, zu entführen. Ihr eilt Adriano Colonna zur Hilfe. Es kommt zu Strassenschlachten. Rienzi gelingt es mit seinem autoritätsgebietenden Auftritt den Aufruhr zu beenden. Das Volk bittet Rienzi, die Macht der Nobili endlich zu brechen. Er erhält auch die Unterstützung der Kirche. Die Krone lehnt er ab, doch will Rienzi Rom Frieden und neue Gesetze geben.

Rienzi ist nun zum Tribun erkoren worden. Doch die Nobili geben nicht so schnell auf und zetteln Komplotte gegen den neuen Volkstribun Rienzi an. Orsini versucht während des Freudenfestes Rienzi zu erdolchen. Doch das Attentat misslingt und die Verschwörer werden gefasst und zum Tode verurteilt. Rienzi lässt zum Unbehagen des Volkes jedoch Mitleid walten und begnadigt die Attentäter.

Der Adel rüstet sich zum Aufstand gegen die Herrschaft Rienzis. Rienzi gelingt es dank seiner demagogischen Fähigkeiten, das wankelmütige Volk noch einmal auf seine Seite zu ziehen. Beim Kampf fällt allerdings Adrianos Vater. Trotz seiner Liebesbeziehung zu Rienzis Schwester Irene schwört Adriano Rache.

Wieder zweifelt das Volk an Rienzis hehren Absichten. Selbst die Kirche wendet sich von der Herrschaft des Volkstribuns ab, der deutsche Kaiser grollt ihm wegen seiner Überheblichkeit. Der päpstliche Legat, Raimondo, belegt Rienzi mit dem Kirchenbann. Adriano wiegelt unterdessen das Volk auf. Nur Irene hält treu zu ihrem Bruder.

Rienzi versucht vergeblich, die Menge von seinen ehrenvollen Absichten zu überzeugen. Er hat sich ins Kapitol zurückgezogen. Irene hält weiter zu ihm, obwohl Adriano immer wieder versucht hat, sie auf seine Seite zu ziehen. Das Volk zieht mit Fackeln bewaffnet gegen das Kapitol. Ein letzter Versuch Rienzis, die Meute zur Vernunft zu bringen, scheitert. Unter den einstürzenden Trümmern des brennenden Kapitols sterben Rienzi und Irene. Die Nobili dreschen auf das Volk ein, das wiederum seiner Freiheit beraubt wurde. Die Spirale dreht sich weiter ... .

Werk:

Hans von Bülow wurde oft mit der Aussage zitiert, RIENZI sei Meyerbeers beste Oper. Das ist nicht ganz falsch, denn Richard Wagner hatte sein ganz im Stile der pompösen Grand opéra gehaltenes Drama eigentlich für eine Aufführung in Paris konzipiert, die Partitur auch Meyerbeer angedient. Doch anstelle einer lukrativen Aufführung in der Pariser Oper landete Wagner im Schuldgefängnis. So wurde der RIENZI schliesslich in Dresden uraufgeführt, mit grossem Erfolg. Schon bald spielten andere Bühnen das Werk nach. Wegen seiner Überlänge (über sechs Stunden) machten sich bald schon diverse Kürzungen breit, die teils selbst von Wagner autorisiert wurden, da das Publikum auf zwei Abende verteilte Aufführungen nicht goutierte. Nach Wagners Tod erstellte seine zweite Frau Cosima eine Aufführungspartitur, welche Wiederholungen und Kadenzen strich und sich stärker von der Nummernoper absetzte, das Werk in Richtung Musikdrama führte. Diese Bearbeitung hielt sich lange in der Aufführungstradition, zumal die handschriftliche Originalpartitur verschollen ist. Wagner schenkte diese selbst an Weihnachten 1868 seinem Mäzen, König Ludwig II. 1939 jedoch sah sich der Wittelsbacher Ausgleichsfond gezwungen, diese dem Führer Adolf Hitler zu seinem 50. Geburtstag zu schenken. Seit Hitler das Werk als junger Mann in Linz gesehen hatte, vergötterte er diese Musik so sehr, dass er die Ouvertüre regelmässig bei den Nürnberger Parteitagen der NSDAP spielen liess. Hitler nahm die Partitur anscheinend am Ende mit in den Bunker der Reichskanzlei. Jedenfalls ist sie seither verschollen.

Die musikalische Sprache des RIENZI ist überaus süffig. Bombastische Märsche, Fanfaren, grosse Volksszenen in historisierendem Ambiente (der aus einfachen Verhältnissen zum Volkstribun aufsteigende Cola di Rienzo lebte von 1313 bis 1354) und natürlich die bekannte Potpourri Ouvertüre lassen deutlich die Vorbilder Meyerbeer und Spontini aufleuchten. Pathetische Arien (mit relativ schlichten belkantistischen Verzierungen) stehen innigeren Szenen gegenüber (Rienzis berühmtes Gebet im letzten Akt). Wagner selbst tat den RIENZI später als Jugendsünde ab, griff aber dennoch darauf zurück, wenn er in Geldnöten steckte. Allerdings wurde RIENZI nicht in den Kanon der Bayreuth „würdigen“ Werke aufgenommen.

Karten

 

Zurück