Frankfurt, Alte Oper: DIE JAHRESZEITEN; 17.05.2026
Thomas Guggeis dirigiert den Cäcilienchor Frankfurt, den Figuralchor Frankfurt, die Frankfurter Kantorei und die Frankfurter Singakademie, es spielt das Frankfurter Opern- und Museumsorchester, es singen Karolina Bengtsson, Magnus Dietrich und David Steffens
Weltliches Oratorium | Musik: Joseph Haydn | Libretto: Baron Gottfried van Swieten, nach dem Versepos von James Thomson | Uraufführung: 24. April 1801 in Wien | Aufführungen in Frankfurt: 17. und 18.5.2026
Kurze Würdigung:
Haydns letztes Oratorium und seine einzig weltliches wurde bereits 1825 dem Frankfurter Publikum präsentiert und zwar in einem Konzert des Cäcilienvereins, der auch heute Morgen im Museumskonzert einen Teil des gigantisch grossen Chors (es waren bestimmt 200 Sänger*innen) bildete. Neben dem Cäcilienchor Frankfurt sangen auch noch der Figuralchor Frankfurt, die Frankfurter Kantorei und die Frankfurter Singakademie. Es werden deshalb vor allem die zahlreichen, erhebend und klangschön ausgeführten Chorpassagen sein, die von diesem Konzert in Erinnerung bleiben werden. Die Lobpreisungen, das Nahen des Ungewitters, der freudig begrüsste Sonnenaufgang, die Freude über den Wein im Fass und die Erwartungshaltung an der Himmelspforte drangen von der Lautstärken-Dynamik bis in Dies irae Klangwelten vor. Überwältigend!
Haydns letztes seiner vier Oratorien ist in meinen Ohren aber trotz der schönen und aufwühlenden Momente und der interessanten orchestralen Einleitungen zu den einzelnen Jahreszeiten etwas zu lange geraten. Dazu kommt der behäbige, etwas gar biedere Text, der angeblich Haydn missfallen hatte und ihn deshalb wohl nicht zu seinen allerspritzigsten und inspiriertesten melodiösen Passagen zu animieren schien – ganz abgesehen von seinem Gesundheitszustand, der ihm in dieser Zeit grössere Probleme bereitete. Nichtsdestotrotz ist die Musik natürlich sehr schön anzuhören. Immer wieder blitzten dank des energiegeladenen Dirigats von Thomas Guggeis und des ganz fein und plastisch musizierenden Frankfurter Opern- und Museumsorchesters dramatisch zupackende Passagen auf, die aufhorchen liessen und einen aus der Behäbigkeit zu reissen vermochten. Die drei Vokalsolisten Karolina Bengtsson (Sopran), Magnus Dietrich (Tenor) und David Steffens (Bass) harmonierten stimmlich ganz ausgezeichnet. Wunderbar glitzernd der silberne Sopran von Karolina Bengtsson, herrlich lyrisch strömend mit festem Fundament ausgestattet der Tenor von Magnus Dietrich und weich phrasierend, mit einnehmender Sonorität der Bass von David Steffens. Bei einigen Arien gesellte sich ein Soloinstrument zu den beiden Sängern und der Sängerin. Das Horn, die Oboe und das Fagott durften sich dann nach vorne neben die Sänger begeben. Eine sehr schöne Idee. Thomas Guggeis dirigierte nicht nur, sondern spielte auch die Begleitung zu den Rezitativen auf dem Hammerklavier. Der Applaus für alle Ausführenden war gross und dankbar!
Werk:
Joseph Haydn (1732-1809) schrieb insgesamt vier Oratorien, drei geistliche (IL RITORNO DI TOBIA; DIE SIEBEN LETZTEN WORTE UNSERES ERLÖSERS AM KREUZE; DIE SCHÖPFUNG) und ein weltliches (DIE JAHRESZEITEN). Dieses entstand nach dem grossen Erfolg der SCHÖPFUNG und war sein letztes Werk dieser Gattung. Die Komposition nahm wegen Haydns Gesundheitszustand relativ lange Zeit in Anspruch. Der Erfolg schliesslich war gross, aber nicht so überwältigend, wie derjenige der SCHÖPFUNG. Das liegt und lag weniger an der Musik, eher ist der doch etwas betuliche Text dafür verantwortlich, der die vier Jahreszeiten und den Tageslauf im Rahmen des idealisierten Landlebens (im Sinne Rousseaus) preist. Erst am Ende, wenn auf die Bedeutung des Lebens eingegangen wird, erreicht das Libretto eine geistige Tiefe. Nichstdestotrotz sind die Naturschilderungen und die Lobpreisungen des bäuerlichen Lebens dank Haydns Musik von überzeugender Kraft und Eindringlichkeit.
Komponiert hat Haydn das Oratorium für grosses, spätklassisches Orchester, vierstimmigen Chor und die drei Vokalsolisten Simon (Bass), Lukas (Tenor) und Hanne (Sopran), welche das Landvolk repräsentieren.