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Willkommen in der Welt der Oper

Auf dieser Seite finden Sie Kritiken meiner Opern- und Konzertbesuche und bekommen Informationen rund um Spielpläne und Opernhäuser (vorwiegend aus der Schweiz und aus Deutschland). Die Premierenberichte erscheinen wann immer möglich am Tag nach der Premiere und damit in aller Regel vor den Printmedien. Kommentare und eigene Eindrücke von BesucherInnen dieser Seite sind ausdrücklich erwünscht. Ich wünsche allen viele unvergessliche, spannende und aufwühlende Opernbesuche. 

Sehr erfreut bin ich auch über die unkomplizierte Zusammenarbeit mit der informativen Online-Plattform http://deropernfreund.de. Auch hier erhalten Sie vielschichtige und fundierte Empfehlungen für Besuche in der reichhaltigen Theaterlandschaft Deutschlands, Österreichs und der Schweiz.

Zürich: AUFSTIEG UND FALL DER STADT MAHAGONNY, 05.11.2017

Oper in drei Akten | Musik: Kurt Weill | Libretto: Bertold Brecht | Uraufführung: 9. März 1930 in Leipzig | Aufführungen in Zürich: 5.11. | 9.11. | 12.11. | 14.11. | 17.11. | 19.11. | 22.11. | 24.11.2017

Kurt Weill (1900-1950)

Kritik: folgt am 6.11. ab 13 Uhr an dieser Stelle

Inhalt:

Leokadjy Begbick, Willy und Dreieinigkeitsmoses sind auf der Flucht vor den Hütern der öffentlichen Ordnung. Auf dem Weg zu einem Ort, an dem angeblich Gold gefunden wurde, geht jedoch ihr Wagen kaputt. Sie beschliessen, hier und jetzt eine Stadt zu gründen: Mahagonny. Hier wollen sie den Männern, die von der „Gold“-Küste kommen, das Geld aus der Tasche ziehen. Es kommen nun viele Männer in diese Stadt der Bars und Bordelle, so auch vier Holzfäller, Heinrich (Sparbüchsenbilly), Joseph (Alaskawolfjoe), Jakob (Jack O'Brian), und Paul (Jim Mahoney). Paul verliebt sich in die Prostitueirte Jenny. Die Gesetze dieser Stadt sind verführerisch, denn das Motto lautet: DU DARFST! Nur ein Verbot gibt es: KEIN GELD ZU HABEN. Darauf steht die todesstrafe. Die Stadt wächst, floriert. Doch inmitten einer wirtschaftlichen Krise der Stadt, zieht zu allem Unglück ein Hurrian in ihre Richtung.

Der Hurrikan kommt näher, macht jedoch einen Bogen um Mahagonny. Jetzt geht das Leben am Abgrund erst richtig los: „Erstens kommt das Fressen, zweitens der Liebesakt, drittens das Boxen, viertens das Saufen.“ Und schon geht es los: Jakob überfrisst sich an zwei Kälbern, Joseph stirbt beim Boxen (Pausl hat sein ganzes Geld auf ihn gesetzt). Trotzdem gibt Paul allen Männern Whisky aus. Doch als Begbick Geld sehen will, hat er keins. Keiner will für ihn bezahlen, auch Jenny nicht. Paul wird verhaftet.

Beim Prozess hat er natürlich keine Chance, da ihm das Geld fehlt, das Gericht zu bestechen. Er wird zum Tode verurteilt, da er sich - neben kleineren Delikten - des grössten Verbrechens schuldig gemacht hat: Mangel an Geld. Nach einer Erzählung, wie Gott selbst einmal nach Mahagonny kam, versinkt die Stadt im Chaos, mit demonstrierenden Gruppen und Bränden.

Werk:

Der Komponist Kurt Weill (1900-1950) und der Dramatiker Bertolt Brecht (1898 -1956) entwickelten mit AUFSTIEG UND FALL DER STADT MAHAGONNY in den späten Zwanzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts Brechts Konzept des epischen Theaters: Der Zuschauer soll sich nicht einfach zurücklehen und sich „berieseln“ und berühren lassen, sondern daszu angeregt werden, Stellung zu beziehen, sich mit den Problemen wie Krieg, Ökonomie, gesellschaftliche Ungerechtigkeit auseinanderzusetzen und in der Folge die Gesellschaft zum Besseren verändern. Nicht Emotionen zu wecken sind das Ziel dieser Bühnenstücke, sondern das Ziel ist, zu gesellschaftskritischen Erkenntnissen zu gelangen.

Zuerst schufen die beiden ein Songspiel, welches sie später zu einer abendfüllenden Oper ausbauten. Die Uraufführung 1930 in Leipzig endete tumultös, nicht zuletzt weil Anhänger der NSDAP die Aufführung von Beginn weg zu stören versuchten.

Kurt Weill fügte in seiner Komposition seine im ersten Akt präsentierten musikalischen Themen in einer gewaltigen Verdichtung für das Finale zusammen.Er verwendet dabei auch Zitate aus der Musikgeschichte, von Bach'schen Passionsmusiken, über Webers FREISCHÜTZ bis zum Tristan-Akkord. Berühmt wurde der Alabama-Song, welcher später auch von Musikern wie The Doors, David Bowie oder The Young gods gecovert und bearbeitet wurde. Weitere Höhepunkte sind der Song Auf nach Mahagonny oder Show me the way to the next whisky bar.

Gerade in der heutigen Zeit, wo das Geld immer mehr die Welt regiert, moralische Werte ihre Bedeutung zunehmend verlieren, Konsum und Besitz den gesellschaftlichen Status bestimmen, Gewalt gegen andere an der Tagesordnung ist und nur noch die eigenen Interessen und nicht mehr das Gesamtwohl im Vordergrund stehen, besitzt AIFSTIEG UND FALL DER STADT MAHAGONNY eine brennende Aktualität.

Karten

Für oper-aktuell: Kaspar Sannemann, den 05. November 2017

Keywords: Zürich Opernhaus, Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny, Weill Kurt, Luisi Fabio, Baumgarten Sebastian, Mattila Karita, Laurenz Michael, Dasch Annette, Ventris Christopher,


Kategorie: Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny