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Willkommen in der Welt der Oper

Auf dieser Seite finden Sie Kritiken meiner Opern- und Konzertbesuche und bekommen Informationen rund um Spielpläne und Opernhäuser (vorwiegend aus der Schweiz und aus Deutschland). Die Premierenberichte erscheinen wann immer möglich am Tag nach der Premiere und damit in aller Regel vor den Printmedien. Kommentare und eigene Eindrücke von BesucherInnen dieser Seite sind ausdrücklich erwünscht. Ich wünsche allen viele unvergessliche, spannende und aufwühlende Opernbesuche. 

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Berlin, Konzerthaus: KAGEL, BEETHOVEN, ZIMMERMANN, 05.05.2017

Maurizio Kagel: Auswahl aus „Zehn Märsche, um den Sieg zu verfehlen“ | komponiert: 1979 | Ludwig voan Beethoven: Konzert für Klavier und Orchester Nr. 2 in B-Dur op 19 | Uraufführung: 29. März 1795 in Wien mit Beethoven als Solisten | Ludwig van Beethoven: Sinfonie Nr 1 in C-Dur op. 21 | Uraufführung: 2. April 1800 in Wien | Bernd Alois Zimmermann: Musique pour les Soupers du Roi Ubu, Ballet noir en sept paries et une entrée | Uraufführung: 31. Januar 1968 in Berlin (konzertant), 25. April 1968 in Berlin (szenisch) | Dieses Konzert in Berlin: 5.5. und 6.5. 2017

Ludwig van Beethoven

Kritik: folgt am 6.5. ab 17 Uhr an dieser Stelle

Werke:

Mauricio Kagel (1931-2008) wurde in Buenos Aires geboren, war Dozent bei den Darmstädter Ferienkursen, Direktor des Instituts für Neue Musik in Köln, hatte eine Professur für Musiktheater inne, war Mitbegründer des Ensembles für Neue Musik in Köln. Kagel gilt als wichtigster Vertreter des „Instrumentalen Theaters“, in seine Kompositionen werden Mimik, Gestik und Aktionen miteinbezogen, Erwartungshaltungen sowohl der Ausführenden wie auch der Rezipienten werden hinterfragt, skurril gewürzt, auf den Kopf gestellt. So auch im Stück Zehn Märsche, um den Sieg zu verfehlen. Die geraden Metren führen durch komplexe Akzentverschiebungen auf subtile Art zu überaus schrägen, witzigen und ironischen Brechungen der „Militärmusik“. Die Besetzung besteht aus Bläsern und Schlagzeug, ist aber ziemlich offen gehalten, selbst improvisatorischer Umgang mit den Vorgaben ist ausdrücklich erwünscht. Schwierig ist die Umsetzung des „verstimmt Klingens“, das jedoch nicht absichtlich erzeugt werden soll. Man kann es erreichen, indem die Instrumente zu Beginn des Konzerts nicht gestimmt werden sollen. Enstanden sind Kagels zehn Märsche 1979 als Zwischenspiele für sein Hörspiel DER TRIBUN, in welchem er 700 Floskeln politischer Führer zu einer sarkastischen Rede collagiert hat.

Ludwig van Beethovens (1770-1827) zweites Klavierkonzert entstand eigentlich als sein erstes. Durch Umarbeitungen in späteren Jahren wurde es dann in seinem Werkverzeichnis zu seinem zweiten. Dieses Konzert ist von Beethovens insgesamt fünf Klavierkonzerten am seltesten auf den Konzertpodien anzutreffen, erreicht nie di Popularität der Nummern 5, 4, 3 oder 1. In der Form erinnert das Konzert noch stark an Mozarts Kompositionen dieses Genres, drei Stätze (Allegro con brio – Adagio - Rondo, Molto allegro). Es diente ihm vor allem dazu, sich selbst als Klaviervirtuosen zu präsentieren, so stellte die Uraufführung im Burgtehater in Wien gleichzeitig Beethovens öffentliches Debüt als Pianist dar.

Auch Beethovens erste Sinfonie weist deutliche Anklänge an die Vorbilder Haydn und Mozart auf. Das viersätzige Werk (Adagio molto, Allegro con brio – Andante cantabile con moto – Menuetto – Adagio, Allegro molto e vivace) besticht durch einen vorwärtsdrängenden Duktus, selbst der langsame Satz birgt etwas Pulsierendes, ist leichtfüssig notiert. Auffallend auch das Menuetto, das durch die schnellen Metronomvorgaben zu einem Scherzo mutiert. Überraschend für Beethoven ist der Schlusssatz gehalten, der mit einer langsamen Einleitung beginnt bevor dann nach einer Fermate das stürmische Rondo sich Bahn bricht.

Bernd Alois Zimmermanns (1918-1970) bekanntestes Werk ist zweifellos seine Oper DIE SOLDATEN, welche nach Aufführungen in Zürich, Berlin und bald in Madrid (die Produktion von Calixto Bieito) und in München zu Recht wieder ins Bewusstsein der musikinteressierten Öffentlichkeit geraten ist. Zimmermanns Kompositionsstil könnte man als „pluralistisch“ bezeichnen, er lässt sich nicht auf eine einzige Schule festlegen, übernimmt Elemente des Jazz, der Popmusik, aber auch der Zwölftontechnik und schichtet die atonalen Elemente mit barocken oder klassischen Strukturen. Für das von Surrealisten und Dadaisten gefeierte Theatersück Alfred Jarrys UBU ROI komponierte Zimmermann eine imaginäre Ballettmusik, welche auf überaus witzige Art gespickt ist mit musikalischen Zitaten aus der Musikliteratur, von Bach über Beethoven, Wagner (Walkürenritt), Mussorgsky (Das grosse Tor von Kiev), Strauss' Radetzkiymarsch bis Henze und Stockhausen. Der Untertitel „Ballet noir“ bezieht sich auf die traditionellen „Ballets blancs“ wie GISELLE und SCHWANENSEE und unterstreicht den makaber-komischen Gehalt der Vorlage Jarrys – eine überaus gelungene Farce. Die Partitur Zimmermanns ist für grosses Orchester reichhaltig und kunstvoll instrumentiert, benötigt werden neben dem traditionellen Sinfonieorchester auch eine Jazz-Combo, eine Orgel, Gitarren und Mandolinen und ein Conférencier!

Karten


Für oper-aktuell: Kaspar Sannemann, den 05. Mai 2017 Gelesen: 74

Keywords: Kagel Mauricio, Zimmermann Bernd Alois, Fischer Ivan, Konzerthausorchester Berlin, Fellner Till, Beethoven, Klavierkonzert Nr. 2, Sinfonie Nr. 1


Kategorie: Beethoven, 2. Klavierkonzert