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Willkommen in der Welt der Oper

Auf dieser Seite finden Sie Kritiken meiner Opern- und Konzertbesuche und bekommen Informationen rund um Spielpläne und Opernhäuser (vorwiegend aus der Schweiz und aus Deutschland). Die Premierenberichte erscheinen wann immer möglich am Tag nach der Premiere und damit in aller Regel vor den Printmedien. Kommentare und eigene Eindrücke von BesucherInnen dieser Seite sind ausdrücklich erwünscht. Ich wünsche allen viele unvergessliche, spannende und aufwühlende Opernbesuche. 

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Freiburg: JERUSALEM, 01.10.2016

Grand opéra in vier Akten | Musik: Giuseppe Verdi | Libretto: Alphonse Royer und Gustave Vaëz, nach Temistocle Soleras Libretto für Verdis Oper I LOMBARDI ALLA PRIMA CROCCIATA | Uraufführung: 26. November 1847 in Paris | Aufführungen in Freiburg: 1.10. | 3.10. | 9.10. | 14.10. | 22.10. | 27.10. | 19.11. | 30.11. | 8.12. | 11.12. 2016 | 7.1. | 22.1. | 27.1. | 21.4.2017

Giuseppe Verdi (1813-1901)

Kritik: erscheint am 2.10. ab 20 Uhr an dieser Stelle


Inhalt:

Die Oper spielt zur Zeit des ersten Kreuzzugs (1095 -1099) in Toulouse und Palästina

Der Graf von Toulouse hatt in einem Krieg den Vater von Gaston de Béarn getötet. Zum Zeichen der Aussöhnung will er Gaston seine Tochter Hélène zur Gemahlin geben. Gaston ist einerseits noch von Hass auf den Grafen erfüllt, andererseits liebt er aber Hélène. Roger, der Bruder des Grafen, liebt Hélène ebenfalls und beabsichtigt, Gaston aus dem Weg zu räumen. Der päpstliche Gesandte tritt auf und ernennt den Grafen von Toulouse zum Heerführer der französischen Kreuzritter. Gaston will sich dem Kreuzzug anschliessen. Der Graf überreicht ihm seinen weissen Kreuzrittermantel. Roger hat nicht bemerkt, dass Gaston nun des Grafen Mantel trägt und der gedungene Mörder sicht anstelle von Gaston den Grafen nieder. Doch Roger und der Täter beschuldigen Gaston des Mordes. Wegen der alten Familienfehde glauben alle dieser falschen Anschuldigung. Nur Hélène hält zu ihrem Verlobten. Der päpstliche Gesandte verhindert die Lynchjustiz und belegt Gaston mit dem Kirchenbann.

Entgegen ersten Befürchtungen wurde der Graf jedoch bei dem Anschlag nicht tödlich getroffen und brach mit Hélène zum Kreuzzug auf. Roger, nun reuig geworden, pilgerte ebenfalls ins Heilige Land, wo er nun als Einsiedler lebt. Gaston befindet sich ebenfalls in Palästina. Er wurde jedoch vom Emir von Ramla gefangen genommen. Hélène und ihre Vertraute Isaura haben erfahren, wo Gaston gefangen gehalten wird und wollen ihn befreien. Raymond, ein Vertrauter Gastons, schliesst sich ihnen an. Unterdessen erreicht das Heer die Klause des Eremiten Roger. Roger erkennt seinen Bruder, doch der Graf erkennt Roger nicht. Roger segnet die Kreuzritter, welche nun zusammen mit dem päpstlichen Gesandten zu ihrem blutigen Feldzug aufbrechen.

Im Palast des Emirs treffen wir auf den gefangenen Gaston. Hélène ist aufgegriffen worden und wird zu Gaston gebracht. Der Emir belauscht das Gespräch der beiden. Als sie versuchen aus dem Palast zu fliehen, werden die Liebenden festgenommen.

Hélène wird im Harem verspottet. Bals schon naht das siegreiche Heer der Kreuzritter mit dem Grafen von Toulouse an der Spitze und dringt in den Palast des Emirs ein. Gaston wird zusammen mit Hélène entdeckt und soll nun hingerichtet werden. Der Graf verflucht Hélène als treulose Tochter. Gaston beteuert erneut seine Unschuld am damaligen Anschlag auf den Grafen. Vom päpstlichen Gesandten werden Gaston seine Adelstitel aberkannt, die Hinrichtung findet aber noch nicht statt.

Roger, der als heiliger Mann gilt, denkt an die Qualen von Christus auf dem Ölberg. Der Gesandt des Papstes verlangt von Roger, dem verurteilten Mörder Gaston, die Absolution zu erteilen. Roger erkennt Gaston und will mit ihm alleine bleiben. Roger übergibt Gaston ein Schwert. Damit solle er für Gottes Ehre kämpfen und die heilige Stätte Jerusalem für die Christen zurückzugewinnen.

Die Kreuzfahrer haben Jerusalem eingenommen. Der Graf erwartet die siegreichen Krieger. Unter ihnen ist Gaston, welcher die Fahne der Kreuzfahrer als erster in Jerusalem gehisst hatte. In diesem Moment wird der tödlich verletzte Roger hereingetragen. Er gibt sich seinem Bruder zu erkennen und bekennt seine Schuld am meuchlerischen Anschlag auf den Grafen. Sterbend erfüllt sich sein letzter Wunsch: Ein Blick auf die heilige Stadt Jerusalem.

Werk:

Paris war zur Mitte des 19. Jahrhunderts das Mekka der Musik- und Opernwelt. Wer an der Pariser Oper reüssierte, war ein gemachter Mann. Die Franzosen waren begeistert von den Werken Meyerbeers, welche mit gigantischem Aufwand an Musik und Ausstattung die Menschen in ihren Bann zogen. Giuseppe Verdi hatte in Italien und anderen Ländern seit NABUCCO seinen Ruf als Opernkomponist gefestigt. Nun wollte auch die Pariser Oper ein Werk des Maestros herausbringen. Verdi entschloss sich, seine Oper I LOMBARDI ALLA PRIMA CROCIATA aus dem Jahr 1843 für Paris umzuarbeiten, da sie all das enthielt, was die Grand Opéra erforderte: Einen historischen Kontext (der Graf von Toulouse und Gaston de Béarn haben tatsächlich gelebt), wechselnde, effektvolle Schauplätze und Platz für ein (in Paris unerlässlich) Ballett in der Haremsszene.

Die Uraufführung der Oper JERUSALEM war ein Erfolg, Verdi wurde vom Bürgerkönig Louis-Philippe gar zum Chevalier del la Légion d'Honneur ernannt. Verdi hatte die Partitur der LOMBARDI gründlich überarbeitet, weiterentwickelt, neu instrumentiert und die Rezitative dramatisiert. Trotzdem konnte sich JERUSALEM in späteren Jahren und auch im 20. Jahrhundert nicht durchsetzen. Die Scala di Milano spielte JERUSALEM zwar in einer italienischen Übersetzung nach, kehrte dann aber wieder zu I LOMBARDI zurück.

Karten

Für oper-aktuell: Kaspar Sannemann, den 01. Oktober 2016 Gelesen: 28

Keywords: Verdi Giuseppe, Jerusalem, Theater Freiburg, Bollon Fabrice, Bieito Calixto, Jeruc Anna, Orozco Juan, Lee Jin Seok, Pelligra Giulio,


Kategorie: Jerusalem