Berlin, Komische Oper: DIE NASE, 28.06.2018 

Berlin, Komische Oper: DIE NASE, 28.06.2018

Oper in drei Akten und einem Epilog | Musik: Dmitri Schostakowitsch | Libretto: vom Komponisten, nach einer Novelle von Gogol | Uraufführung: 18. Januar 1930 in Leningrad | Aufführungen in Berlin: 16.6. | 24.6. | 28.6. | 30.6. | 6.7. | 14.7.2018

Dmitri Schostakowitsch (1906-1975)

Kritik: erscheint am 29.6. ab 13 Uhr an dieser Stelle

Inhalt:

Eines Morgens erwacht der Petersburger Kollegienassessor Kowaljow ohne seine Nase. Mit der Suche nach seinem Organ beginnt ein burlesker Albtraum. Sein Barbier hat dieses nämlich fast gleichzeitig in seinem Brot gefunden und schleunigst in die Newa geworfen. Kowaljew begegnet seiner Nase in der Gestalt eines hochgestellten Beamten in der Kirche. Doch er kann ihrer nicht habhaft werden. Eine Suchannonce in der Zeitung wird von den Verantwortlichen abgelehnt. Unterdessen ist auch die Polizei auf das sich verselbständigende Organ Kowaljows aufmerksam geworden. Doch die Nase führt selbst die Behörden an der Nase herum. Die Folgen sind Prügeleien, Missverständnisse, ja selbst missverstandene Heiratsanträge. Endlich schrumpft die Nase wieder auf ihre ursprüngliche Grösse, doch gelingt es dem verstörten Kowaljow nicht, sie an ihrem dafür vorgesehenen Platz zu befestigen. Zum Glück erwacht er aus seinem Traum und findet die Nase ganz normal an ihrem anatomisch korrekten Ort vor. Sein Leben als "womanizer" nimmt wieder seinen gewohnten Gang.

Werk:

Der russische Titel von Gogols satirischer Novelle „NOS“ ist eine Umkehr des Wortes „SON“ (Traum). Doch Gogol bezweckte mit seiner Erzählung natürlich weit mehr als die blosse Schilderung eines Albtraums. Mit Humor und Sarkasmus beschrieb er die Absurditäten der (nicht nur russischen) Bürokratie, die Ängste vor dem Verwaltungsapparat und den Auswüchsen der Staatsgewalt. Gogols Novelle von 1836 gilt als erstes surrealistisches Prosastück von Bedeutung. Auch 90 Jahre nach ihrer Entstehung vermochte das Werk in der Bearbeitung Schostakowitschs die Autoritäten noch zu verstören. Deshalb wohl verschwand die Oper kurz nach ihrer Uraufführung von den sowjetischen Spielplänen. Erst 1974 setzte Gennadi Rozhdestvensky weitere Aufführungen dieses frühen Meisterwerks Schostakowitschs in Moskau durch. Schostakowitschs einfallsreiche Montage von Volksmelodien, vokaler Akrobatik und Atonalität wird ähnlich wie Bergs WOZZECK durch formale Formen wie Quartett, Fuge oder Kanon zusammengehalten. Diese Oper passt wunderbar in die Zeit des künstlerischen Aufbruchs zu neuen Ufern der 20er Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Das Werk garantiert einen äusserst unterhaltsamen und anregenden Abend in der Oper.

Karten

Für oper-aktuell: Kaspar Sannemann, den 28. Juni 2018 Gelesen: 10

Kategorie: Die Nase