Zürich, Tonhalle: BERLIOZ, 09.07.2010

Erstellt von Kaspar Sannemann | |   Berlioz Nuits d'été | Symphonie fantastique

Les Nuits d'été, op. 7 | Symphonie fantastique, op.14

Kritik:

Vom ersten tänzerisch luftigen Lied (Villanelle) des Zyklus Les Nuits d'été bis zur höllischen Orgie, welche die Symphonie fantastique beschliesst, spannt sich ein weiter Bogen - und das Tonhalle-Orchester Zürich unter dem jungen, aufstrebenden Pultstar Yannick Nézet-Séguin hielt die Spannung aufrecht, erfüllte diese wunderbare, programmatische Musik mit nie nachlassender Spannung und packender, Gänsehaut erregender Intensität. Ein grandioser Festspiel-Abend!

Anna Caterina Antonacci begeisterte mit wunderbar weich strömender, alle Tiefen dieser poetischen Liebeslieder aufs Herrlichste auslotender Mezzosopran-Stimme. Vom frühlingshaft leichten Lied Villanelle über das versponnene Le spectre de la rose zu den schwermütigeren Sur les lagunes, Absence und Au cimetière bis zum träumerischen L'isle inconnue durchschritt sie Liebesseligkeit und Liebeswehen, ohne je - im schlechten Sinne- opernhaft zu wirken. Sie überzeugte mit Schlichtheit des Ausdrucks, hervorragend kontrollierter Intonation und fein abgestufter Dynamik. Das Tonhalle-Orchester begleitete sie dabei wunderbar zart und einfühlsam, Nézet-Séguin holte alle klangmalerischen Farben aus der gekonnten Orchestrierung Berlioz' heraus und liess doch die herrliche Stimme stets im Zentrum stehen - zum Dahinschmelzen!

Die nach der Pause folgende Interpretation der Symphonie fantastique dürfte Referenzcharakter haben: Pure Magie!!! Yannick Nézet-Séguin (der das Werk auswendig dirigierte) und das brillant spielende Orchester erfüllten das dramatische Gedicht, diesen vom Opiumrausch getränkten Albtraum eines Künstlers, mit einem dramatischen Impetus sondergleichen. Blitzsaubere Streicher, klagende Oboen, präzise Pizzicati der Bratschen, donnernde Pauken, zum Richtplatz marschierendes prägnantes Blech, beunruhigende Glockenklänge aus dem Foyer, stürmisch fugierte Hexenritte, atemberaubende Crescendi und ebenso abrupte Diminuendi setzten unvergessliche Akzente. Und - dies sei besonders hervorgehoben - Nézet-Séguin scheute zwar die volle Lautstärke nicht, doch wurde es nie ZU laut, bei allem Furioso blieb die instrumentale Transparenz von Berlioz meisterhaft instrumentierter Partitur stets gewahrt und der Gesamtklang kontrolliert.

Fazit: Überwältigend!