Zürich: RIGOLETTO, 22.09.2011

Erstellt von Kaspar Sannemann | |   Rigoletto

Oper in drei Akten | Musik: Giuseppe Verdi | Libretto: Frencesco Maria Piave, nach Le roi s'amuse von Victor Hugo | Uraufführung: 11. März 1851 in Venedig | Aufführungen in Zürich noch am 20.11.2011 | 28.04 | 01.05.2012

Kurzkritik:

Maestro Nello Santi wurde gestern 80 Jahre alt und schenkte dem begeisterten Publikum zusammen mit dem hervorragend disponierten Orchester der Oper Zürich und exzellenten Verdi-Sängern eine in jeder Beziehung packende und mitreissende Aufführung von Verdis RIGOLETTO.

Mit dieser Oper gab Santi 1951 sein Debüt als Dirigent in Padua. Seit 1958 ist er dem Opernhaus Zürich eng verbunden. Er war hier von 1958 bis 1969 Musikdirektor und kann auf eine Karriere zurückblicken, welche ihn an alle grossen Häuser der Welt geführt hat: An die Met, die Salzburger Festspiele, die Arena di Verona, Hamburg, München, die Wiener Staatsoper, Japan. Doch immer wieder kehrt er ans Opernhaus Zürich zurück, wird vom Publikum genauso geliebt, wie vom Orchester und den Sängern, welche sich unter seiner kundigen Leitung liebevoll getragen fühlen müssen. Eine standing ovation und ein Geburtstagsständchen der Zuschauer (mit Orchesterbegeitung) nahm der Jubilar bescheiden und humorvoll entgegen. Tanti auguri maestro!

In dieser Saison wird man Nello Santi noch mit BARBIERE DI SIVIGLIA, ELISIR D'AMORE, DON PASQUALE und POLIUTO erleben dürfen.

Santis Dirigat zeichnete sich durch eine wunderbar federnde, sich organisch entwickelnde Spannung aus, welche die Akzente effektvoll setzt, die accelerandi und crescendi wurden zu stimmigen musikalische Gestaltungsmitteln.  Das Orchester folgte Santis Intentionen mit traumhaft schöner Ausgestaltung der solistischen, aber auch der tutti Passagen. Vor allem die Holzbläser liessen einmal mehr aufhorchen. Das fabelhafte Ensemble auf der Bühne liess den Abend zu einem wahren Fest des Verdi-Gesangs werden: Leo Nucci in der Titelpartie hat mit dem Hofnarren wohl die Rolle seines Lebens gefunden. Im Verlauf des Abends gewannen sowohl sein Gesang als auch seine Darstellung dieser tragischen Vaterfigur an unglaublicher Intensität. Das "Cortiggiani, vil razza dannata" im zweiten Akt gerieten ebenso grossartig wie das Finale dieses Aktes und die ergreifende Schlussszene. Sen Guo war die eigentliche Entdeckung des Abends: Himmlisch rein und sauber glänzte sie mit ihrer grossen Arie "Caro nome", von bewegender Eindringlichkeit das Geständnis ihrer Liebe zum Duca "Tutte le feste al tempio". In den Ensembles (so im Quartett "Bella figlia dell'amore") oder in den berührenden Duetten mit ihrem Vater schwebte Sen Guos Stimme engelsgleich zart in die Höhe. Piotr Beczala begeisterte mit seinem kraftvoll männlichen, bruchlos geführten Tenor, überaus biegsamer Linienführung, sicherer Höhe und seinem glanzvollen stimmlichen Schmelz. Er ist ein attraktiver, humorvoller, ja beinahe sympathischer"womanizer". In seinen Arien, den Ohrwürmern "Questa o quella", "Parmi veder le lagrime" und "La donna è mobile" demonstrierte Beczala sein vollendetes stimmliches Material aufs Schönste. Im Quartett des dritten Aktes gesellte sich der fesche Mezzosopran von Katharina Peetz als Maddalena zu den drei erwähnten Künstlern und machte das Glück dieser herrlichen Komposition aus Verdis Feder vollkommen. Pavel Daniluk war ein eleganter, seinen profunden Bass wohlklingend einsetzender Sparafucile, Liuba Chuchrova eine charaktervolle, bestechliche Giovanna, Valeriy Murga setzte sich mit seinen beiden wichtigen Auftritte mit den Flüchen des Monterone sehr effektvoll in Szene und Morgan Moody als Marullo führte die fiesen Höflinge an (der Männerchor gestaltete die Entführungsszene klanglich äusserst differenziert). In ihrem kurzen Auftritt im ersten Akt liess Ivana Rusko als Gräfin Ceprano mit einem faszinierenden Timbre aufhorchen.

Gilbert Deflo (Regie) und William Orlandi (Ausstattung) haben für diesen RIGOLETTO (Premiere war 2002) wunderschöne, wenn auch etwas steife, tableauartige Bilder gefunden, welche von Hans-Rudolf Kunz stimmungsvoll ausgeleuchtet wurden.

Der 80-jährige Maestro und das gesamte Ensemble wurden zu Recht vom Publikum gebührend gefeiert und der Intendant gratulierte dem Jubilar mit einer kurzen, launigen Ansprache. Die Blumen schenkte Santi seinem Orchester!

Karten

Video des Applauses