Zürich, Opernhaus: JUAN DIEGO FLÓREZ, L´amour, 20.10.2014

Erstellt von Kaspar Sannemann | |   Juan Diego Florez

Arien von Rossini, Berlioz, Bizet, Massenet, Tosti, Delibes, Gounod, Offenbach |

Am Klavier: Vincenzo Scalera

Kritik:

ASPECTS OF LOVE

Mit seiner Tour L' AMOUR zeigte der Startenor Juan Diego Flórez nicht nur Aspekte und unterschiedliche Ausprägungen der Liebe auf, sondern präsentiert dem Publikum gleichzeitig die fantastischen Schattierungen und begeisternden Ausdrucksmöglichkeiten seiner Stimme und seiner stupenden Technik. Selbstverständlich rührt er mit dieser Tour auch die Werbetrommel für sein erstes Soloalbum seit vier Jahren, aber er tut dies mit immensem Charme und vor allem natürlich mit seinem grandiosen Können, seiner Stilsicherheit und seinem bruchlosen und ungemein höhensicheren Tenor. Sein Timbre ist viril und doch geschmeidig, er kann Effekte genussvoll auskosten, sein Organ anschwellen lassen, fast bis zur Schmerzgrenze, aber auch sofort wieder ins Piano gleiten ohne jeglichen Substanzverlust oder Intonationstrübungen. Zum Niederknien! Am Ende gab es selbst für das oft etwas reservierte Zürcher Publikum kein Halten mehr, jede der fünf Zugaben riss die Zuhörer im ausverkauften Opernhaus von den Sitzen. Und das zu Recht. Nach den subtil vorgetragenen Liedern aus der Feder Rossinis, mit interessanten lautmalerischen Aspekten und bewunderungswürdigen Piani, gepaart mit stupender Geläufigkeit in den schnelleren Passagen vorgetragen, ging es zur Arie des Iopas aus Berlioz' LES TROYENS: Mit viel kontrollierter Kraft sang er die Huldigung an die Göttin der Fruchtbarkeit, liess Töne wunderbar auf- und abschwellen. Schmachtend und einschmeichelnd gestaltete er die Serenade des Henri Smith aus Bizets selten aufgeführter Oper LA JOLIE FILLE DE PERTH und beschloss den ersten Teil mit Werthers beiden grossen Szenen aus Massenets gleichnamiger Oper: Ô nature voller Zuversicht gesungen und das Pourquoi me réveiller mit herzzerreissendem Selbstmitleid und einer ungeheuren dynamischen Bandbreite intoniert, besonders eindrucksvoll die Steigerung ins vierfache Fortissimo und das plötzliche Zurückfallen ins Pianissmo bei ô souffle du printemps. Nach der Pause glitt er mit traumhafter Souplesse und herrlichem Mezzavoce in die Lieder von Francesco Paolo Tosti (Ideale, Malia, Parted). Sehr emotional aber nie larmoyant gestaltend widmete er sich diesen Kostbarkeiten. Danach folgten wieder drei Arien aus der neuen CD: Aus LAKMÉ (auch ein seltener Gast auf den Spielplänen, aus unerfindlichen Gründen!) die grosse Arie des Gérald, aus Gounods ROMÉO ET JULIETTE die herrliche Arie Roméos aus dem zweiten Akt, bei der man die Sonne geradezu aufgehen hörte, das Lève-toi mit unerhörter Kraft und fantastisch sauberem Tonansatz gesungen, schwierige Intervalle mit Bravour meisternd. Nach diesen tragischen Helden dann der Kehraus, mit der Arie des Paris Au mont Ida aus Offenbachs LA BELLE HÉLÈNE. Flórez wurde nun auch auf der Bühne lockerer und erlaubte sich das eine oder andere vokale Scherzchen. Toll! Auch hier zeigte sich, welch eingespieltes Team an diesem Abend am Werk war: Vincenzo Scalera war dem Star ein ebenbürtiger Partner und ausgesprochen einfühlsamer Begleiter, da stimmten jede Fermate, jedes Accelerando oder Rallentando perfekt überein! Doch mit Offenbach war der Abend noch nicht zu Ende, denn die fünf Zugaben, welche nun noch folgten, hatten es wahrlich in sich: Er begann mit der Arie des Lionel aus Flotows MARTHA Ach, so fromm (Flórez sang sie in der italienischen Fassung: M'appari, wobei er auch hier nichts an Effekten ausliess, tolle Wunschkonzertnummer), dann folgte die Kavatine des Gaston aus Verdis JÉRUSALEM (der Umarbeitung von I LOMBARDI), bei welcher Juan Diego Flórez wiederum mit seiner makellosen Höhe trumpfen konnte. Tostis Marechiare schloss sich an, ein Lied, bei welchem er wunderbar mit seiner Stimme spielen konnte und dabei stets auf Linie blieb. Doch damit nicht genug: Fast am Ende des kurzweiligen Abends überraschte der Sänger noch mit einer wahrhaftigen Salve von hohen Cs: Neun an der Zahl sind es in Pour mon âme aus Donizettis LA FILLE DU RÉGIMENT. Doch erst nach der fünften Zugabe, Maria Greevers Júrame, war dann Schluss und man verliess das Opernhaus wunderbar beglückt und beinahe sprachlos vor so viel stimmlicher Raffinesse.

Der peruanisch-österreichische Tenor Juan Diego Florez gehört zu den führenden Interpreten des Belcanto. Er brilliert in Opern von Rossini, Donizetti und Bellini, aber auch von Verdi und glänzt ebenso in französischen Opern von Massenet und Gounod. Er zählt zu den ganz grossen Superstars des Klassikbetriebes.

Weitere Informationen über den Sänger und seine Auftritte finden sich auch seiner Webseite: http://juandiegoflorez.com/

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