Zürich: NIBELUNGENRING für Kinder, 10.11.2008

Erstellt von Kaspar Sannemann | |   Nibelungenring für Kinder

Musik: Richard Wagner/Hirofumi Misawa

Konzeption/Libretto: Matthias von Stegmann

Deutschsprachige Uraufführung: Wiener Staatsoper

Aufführungen in Zürich: So, 9.11.08 | So, 16.11.2008 | Sa, 28.02.2009 | So, 05.04.2009 | So, 05.07.2009

Parallel zum Ring für Erwachsene - der Ring für Kinder! Spannendes Musiktheater für die Kleinen und Amüsement für die Grossen garantiert.

Kritik:
Diese Produktion beinhaltet alles, was Kinderherzen höher schlagen lässt: Eine spannende, humorvoll über die Rampe kommende Story, phantasievolle Kostüme, Bühnenzauber mit Nebel, Blitz und Feuer, Drachen, Gold und Verfolgungsjagden auf dem Grund des Rheins, sowie spielfreudige Darstellerinnen und Darsteller. Dazu eine musikalische Einrichtung, welche auf kluge Art Wagners 18 Stunden auf 70 Minuten komprimiert, dadurch kaum Längen aufweist und wichtige Leitmotive auch für Kennerinnen und Kenner des Originals in witziger Weise einflicht. So haben nicht nur die Kleinen, sondern auch die Grossen einen Riesen Spass an der Aufführung im Opernhaus. Jochen Rieder dirigiert das Orchester der Oper Zürich, welches herrlich erfrischend und sauber spielt.
Selbstverständlich ist in diesem Ring für Kinder nichts von inzestuösen Beziehungen, Seitensprüngen, Mord und Totschlag oder Götterdämmerung zu sehen. Und doch sind einige wichtige, auch für Kinder nachvollziehbare menschliche Regungen im Stück raffiniert verarbeitet: Liebe, Schuld, Angst, Freude, Enttäuschung und Glück. Die Idee, das Waldvögelein als Identifikationsfigur und Spielleiterin einzusetzen, besticht ganz besonders, vor allem weil man mit Susann Kalauka eine restlos überzeugend und voller Humor agierende und vortrefflich singende Sängerin auf der Bühne hat. Überhaupt macht es Spass, den Sängerinnen und Sängern zu zuschauen und zu hören: Christiane Kohls silbern glänzender Sopran besticht in Brünnhildens Erweckungsszene (Heil dir Sonne), Kai Florian Bischoff ist ein wichtigtuerischer Fafner und sympathischer Drache, Tomasz Slawinski ein Wotan mit weichem Gemüt und Miroslav Christoff ein herrlich naiver, gar nicht so heldenhafter, eher tollpatschiger Siegfried. Sehr amüsant die Bildnisarie aus der Zauberflöte zur Melodie von „Winterstürme wichen dem Wonnemond“ aus der Walküre.
Wenn man der Produktion etwas verwerfen kann, dann dies, dass man den Text noch sorgfältiger überarbeiten und kindgerechter hätte aufbereiten können. Schon Wagners Original ist ja bekanntlich sehr gewöhnungsbedürftig, hier kam dann einiges doch etwas gar holperig daher. Deshalb wohl auch die Übertitel, welche aber den ganz Kleinen auch nicht weiterhelfen.
Das Programmheft ist als spannendes Würfelspiel gestaltet, eine wunderbare Gelegenheit für Eltern und Kinder, die abenteuerliche Geschichte an nebligen Wintertagen nochmals zu erleben. Ein Tipp: Folie erst zu Hause aufreissen, da die Spielkärtchen sonst herausfallen und eventuell verloren gehen könnten.

Fazit:
Witzig, spannend, aufwändig und musikalisch auf hohem Niveau. Ein ideales Weihnachtsgeschenk für Gross und Klein und eine wunderbare Gelegenheit, Kinder mit Musiktheater vertraut zu machen.

Inhalt und Werk:
Ein Schwert zerbricht, eine Prinzessin wird in Tiefschlaf versetzt, und schon kann die Jagd nach einem schönen Ring losgehen. Die märchenhafte Handlung, in der ein gewitztes Waldvöglein und der furchtlose Held Siegfried so manches Abenteuer zu bestehen haben, hat sich Autor und Regisseur Matthias von Stegmann ausgedacht – frei nach Richard Wagners «Ring des Nibelungen». Wagners Musik arrangierte der Komponist Hirofumi Misawa neu und bearbeitete sie für eine kleine Orchesterbesetzung. Der Abstecher in die Welt Wagners dauert kurzweilige 70 Minuten und ist ge­mäss Matthias von Stegmann «von fünf oder sechs bis 99 Jahren» geeignet.