Zürich: I PAGLIACCI, 06.06.2009

Erstellt von Kaspar Sannemann | |   I Pagliacci

Startenor José Cura singt sowohl den Turiddu als auch den Canio in den beiden veristischen Reissern. Premiere: 6. Juni 2009 I Pagliacci Drama in zwei Akten und einem Prolog Musik: Ruggero Leoncavallo Libretto vom Komponisten Urafführung: 21. Mai 1892 in Mailand Aufführungen in Zürich: 6.6. | 9.6. | 11.6. | 14.6. | 17.6. | 19.6. | 21.6. | 26.6. | 3.7. | 8.7.09

Inhalt:
I PAGLIACCI
Schauspieltruppe macht halt auf dem Dorfplatz. Tonio liebt Canios Frau Nedda, wird von der aber schroff zurückgewiesen und schwört Rache. Nedda trifft sich heimlich mit dem Bauern Silvio, dabei wird sie von Tonio beobachtet. Der erzählt alles brühwarm dem eifersüchtigen Ehemann Canio. Verzweiflung pur. Das Spiel auf der Bühne beginnt. Aus dem heiteren Eifersuchtsdrama des Spiels wird bitterer Ernst. Canio fällt aus seiner Rolle, er verlangt von Nedda den Namen ihres Liebhabers. Canio sticht sie nieder, Silvio will ihr zu Hilfe eilen, entlarvt sich damit selbst und wird von Canio ebenfalls getötet. Völlig gebrochen lässt sich Canio festnehmen.

Im nur leicht abgeänderten Bühnenbild (Luigi Perego) dann I PAGLIACCI: Hier war José Cura nun in seinem Element. Bereits sein erster Auftritt Un grande spettacolo war unglaublich stark, gefolgt vom eindringlich gestalteten Cantabile Un tal gioco. Die berühmteste Szene des Stücks Recitar…Vesti la giubba schliesslich gestaltete Cura mit berührender, ergreifender Eindringlichkeit. Auch darstellerisch war Cura als impotenter Alkoholiker restlos überzeugend. Seine so vernachlässigte Gattin Nedda, die er einst aus der Gosse geholt hatte, wurde von Fiorenza Cedolins differenziert angelegt. Sie war einerseits die stets ums Überleben kämpfende Frau, die sich gegen die überheblichen Begehrlichkeiten der Männer mit mitunter grausamen Mitteln zur Wehr setzt (so indem sie mittels eines nach unten gebogenen Strohhalms Canio dessen Impotenz oder dem sie bedrängenden Tonio im Spiegel seinen hässlichen Buckel vorhält). Andererseits zeigt sie subtil die Laszivität und das sexuelle Verlangen dieser Frau, vor allem natürlich in den Armen des hübschen Bauern Silvio (hervorragend Gabriel Bermúdez). Für die Ballatella verfügt Frau Cedolins vielleicht nicht ganz über die geforderte Leichtigkeit, aber indem sie sie fast wie eine italienische Canzona aus den 50er Jahren anlegt (passend zu den Kostümen …), umschifft sie diese Klippe gekonnt.

Den Bösewicht des Stücks singt Carlo Guelfi ordentlich. Sein Bariton verfügte am Premierenabend nicht über die notwendige Eleganz für den Prolog, das starke Vibrato wirkte störend. Im Stück selber allerdings überzeugte er weit mehr.
Martin Zysset als Peppe und eine phänomenal artistisch aber auch poetisch agierende (Intermezzo) Akrobatentruppe ergänzten die spannende, geradlinig erzählte Inszenierung von Grischa Asagaroff.