Zürich: DIE LUSTIGEN NIBELUNGEN, 28.04.2009

Erstellt von Kaspar Sannemann | |   Die lustigen Nibelungen

Eine schmissige, burleske Operette von Oscar Straus, dargeboten von den Absolventen des Internationalen Opernstudios.

Premiere: 28. April 2009

Burleske Operette in drei Akten

Musik: Oscar Straus

Text: Rideamus, alias Fritz Oliven

Uraufführung: 12. November 1904, Carltheater Wien

Aufführungen in Zürich: Studiobühne des Opernhauses

30.4. | 2.5. | 8.5. | 10. 5. | 13. 5. | 15.5. | 17. 5. | 8.7. | 10.7.

Kritik:
Die momentane Banken- und Finanzkrise ist nichts Neues: Schon in der vor gut hundert Jahren uraufgeführten Operette von Oscar Straus geht eine Bank pleite, die Rheingold Bank, auf welcher Siegfried den geklauten Nibelungenhort deponiert hatte. Der Rheingold Index auf dem Zwischenvorhang der Studiobühne des Opernhauses zeigt steil nach unten, nur leicht kaschiert von einem Lindenblatt.

Das Internationale Opernstudio brilliert mit dieser turbulenten, echt witzigen Parodie auf nationale Deutschümelei, Gewinnstreben, Nibelungentreue und die Persiflage von Wagners RING DES NIBELUNGEN.

Es gibt viel zu lachen in der Inszenierung von Gudrun Hartmann. Am Hof des Königs von Burgund hat sich eine gar groteske Verwandtschaft versammelt: Da ist die Memme Gunther, seines Zeichens König, im Hausdress oder mit langen Unterhosen, in die er sich vor lauter Angst vor der kämpferischen Brünhilde beinahe macht, seine Mutter Ute in Leopardenmantel und Hausschlappen, die versucht ihren Sohn unter die Haube zu bringen, seine Schwester Kriemhild, die lieber in der Boulevardzeitschrift GALA blättert, als sich um die Familienangelegenheiten zu kümmern, Papa Dankwart, der nur an seiner Bierflasche Interesse zeigt, der smarte Hagen, der nur mordet, wenn es sich auch finanziell lohnt, das Fräulein von Waldvogel, das immerhin in Wagners RING Partitur blättert und Ausflüge in den Orchestergraben unternimmt. Dazu gesellen sich noch ein rückgratloser Recke und der steife Held Volker. Ruth Schoelzel hat diese traurigen Figuren in herrlich passende, ihre Lächerlichkeit unterstreichende Kostüme gekleidet. Ebenso wie die beiden „Gäste“ am Hof, den langmähnigen, grosskotzigen Held Siegfried und den kühlen, rauflustigen Vamp Brünhilde. Auf der durch drei transparente Wände begrenzten Bühne (Bühnenbild: Sebastian Bogatu, spannendes Lichtdesign von Elfried Roller)) agieren und singen diese Personen mit einer erfrischenden Lässigkeit und turbulentem Spiel. Doch wird die Grenze zum billigen Klamauk nie überschritten.
Die Vorstellungen werden in unterschiedlichen Besetzungen gegeben werden. An der Premiere sang Kai Florian Bischoff mit wunderbar warmem Bariton den Gunther, Hélène Couture glänzte als etwas dümmliche Kriemhild, Daniel Golossov war der nonchalante Hagen (sein gesprochener „Credo“- Monolog verdient besondere Erwähnung), Stefanie C. Braun verbuchte die Lacher als bayerisch daher plappernde Brünhilde und Michael Laurenz Müller war ein sich betont lässig gebender, aber stimmlich souveräner Drachentöter Siegfried, Susann Kalauka gab, wie schon im Kinderring auf der grossen Bühne, das koloraturgewandte Waldvögelein. Hervorgehoben zu werden verdient auch Anja Schlosser als Mama Ute. Hoffentlich wird man ihr nach dieser Leistung vermehrt auf der grossen Bühne begegnen. (Sie hat ja bereits als Diana in LA FEDELTÀ PREMIATA überzeugt)

Begleitet wurden diese lustigen Heldinnen und Helden von einem frisch aufspielenden, kleinen Orchesterensemble unter der mitreissenden Leitung von Thomas Barthel.

Fazit:
Frisch und leichtfüssig daherkommende Parodie und Persiflage aus dem silbernen Zeitalter der Operette.

Werk:
Einst ein Riesenerfolg in Berlin, wo man die parodistischen Anspielungen auf das Gewinnstreben der ausgehenden Gründerzeit, die kaiserlichen Anordnungen zum Massenmord (Niederschlagung des Boxeraufstands) und die Persiflage von Wagners Pathos sehr wohl verstand, geriet das Werk nach Protesten von deutsch-national gesinnten Gruppierungen zunehmend in Vergessenheit, ja die Intendanten fürchteten sich, es auf den Spielplan zu setzen. Als die Nationalsozialisten an die Macht kamen und den Heldentod als heilig erklärten, mussten Straus und sein Librettist ins Exil fliehen. Allmählich besinnt man sich zum Glück wieder auf die geistreichen Operetten aus der silbernen Ära, die mit schmissigen Melodien und unerwarteten musikalischen Wendungen nie sentimental wirken.

Musikalische Höhhepunkte:
Da wuchs in Isenlande, Ballade des Gunther, Akt I
Einst hatte ich Geld und Gut, Siegfried und Ensemble, Akt I
Kreuz-Millionen-Donnerwetter, Finale Akt I
Brünhilde, mach auf, Terzett, Akt II
Nun so lasst uns denn Siegfried ermorden, Reigen, Akt III