Zürich: DEBORAH VOIGT, Liederabend, 15.03.2010

Erstellt von Kaspar Sannemann | |   Deborah Voigt

Lieder von Amy Beach, Giuseppe Verdi, Richard Strauss, Ottorino Respighi, Ben Moore, Leonard Bernstein

Zugaben: Strauss, Irving Berlin, Rodgers/Hammerstein

Man war hin- und hergerissen an diesem Abend, schwankte zwischen Bewunderung für intensive, emphatische Gestaltung und Erschrecken über schiere Kraftentfaltung, welche manchmal die Schmerzgrenze streifte. Dazwischen blitzten aber immer wieder auch Humor, pure Lebensfreude und Trauer oder Wehmut auf. Der Künstlerin steht in der Tat eine reichhaltige Farbpalette zur Verfügung, doch eigentlich breitete sie diese erst im zweiten Teil des klug zusammengestellten Programms vollumfänglich aus. Nach dem jubelnden Beginn mit Amy Beachs The Year's at the Spring und zwei weiteren Liedern dieser bei uns unbekannten amerikanischen Komponistin (1867-1944) sang sie vier Lieder von Giuseppe Verdi. Hier konnte sie auf ihr ausdruckstarkes tiefes Register zählen, liess sich auch durch einen kurzen Stromausfall mitten im Gebet aus Goethes Faust (Deh, pietoso) nicht aus der Ruhe bringen und schloss mit einem trunkenen Brindisi und dem volksliedhaften Stornello. Problematischer dann die Lieder von Richard Strauss: Zwar verfügt Frau Voigt über eine strahlkräftige, sichere Höhe, doch glaubt sie, diese nur mit enormer Lautstärke erreichen zu können. Vor allem in Frühlingsfeier setzte sie Töne ein, welche - nicht immer angenehm - durch Mark und Bein drangen. Daneben erklangen aber auch mit tief empfundener Trauer gestaltete Lieder (Ach Lieb, ich muss nun scheiden). 

Nach der Pause dann Ottorino Respighi: Mit Einfühlungskraft und italianità gestaltet die beiden Lieder auf Texte von Ada Negri (Notte und Nebbie), von impressionistischer Sanftheit verklärt die Hommage an den Mond (Contrasto). Zu Höhepunkten wurden jedoch vier Lieder von Ben Moore (*1960) und fünf Lieder von Bernstein. Hier konnte die Sopranistin auch sprachlich aus dem Vollen schöpfen, zudem liegen diese Lieder in der angenehm und rund klingenden Mittellage ihrer voluminösen Stimme. Dass Musik ihr Lebenselixier ist, zeigte sie in Moores melancholisch-romantischem Lied I Am in Need of Music, liess ihren Humor aufblitzen in der dadaistischen Piccola Serenata von Bernstein, war das rührend naive Kind in dem Protest-Song gegen den Vietnam-Krieg (So pretty) und sang zum Abschluss ein überwältigendes Somewhere aus der "West Side Story". 

Die Zugaben riefen dann bei den spärlich erschienen Zuhörern Begeisterungsstürme hervor: Richard Strauss' Hit Zueignung kam ihrer zu so herrlichem Aufblühen fähigen Stimme sehr entgegen, in Irving Berlins I love a Piano setzte sie sich zu ihrem fabelhaft virtuosen Begleiter Vlad Iftinca an den Steinway und die beiden spielten den jazzigen Schluss vierhändig. Den Abschluss machte die zart intonierte Liebeserklärung der Julie aus Rodgers' und Hammersteins Musical "Show Boat": Can't help lovin' dad man of mine. Ein versöhnlich stimmender Abschluss eines mit unterschiedlichem Gelingen ausgefüllten Gastspiels in Zürich. (ARIADNE, VIER LETZTE LIEDER)