Zürich: ARIADNE AUF NAXOS, 27.02.2010

Erstellt von Kaspar Sannemann | |   Ariadne auf Naxos

Ariadne auf Naxos Oper in einem Aufzug nebst Vorspiel (2.Fassung) Musik: Richard Strauss Libretto : Hugo von Hofmannsthal Uraufführung: 04. Oktober 1916 in Wien

Aufführungen dieser Wiederaufnahme: 27.2. | 5.3. | 9.3. | 14.3.10

Kritik:

Lange - und wie sich am Ende des Abends herausstellte - allzu lange hat man auf das Zürcher Debüt der amerikanischen Starsopranisten Deborah Voigt warten müssen. Mit scharfem, grellem Ton trat sie im Vorspiel als Primadonna auf. Man stellte sich die Frage, ob sie diese hässlichen Schärfen für die empfindsame, trauernde Ariadne in der Oper beibehalten würde. Glücklicherweise tat sie dies nicht, doch mit ihrem heroischen Ansatz wurde sie der Rolle in keinster Weise gerecht. So wunderbareStellen wie Ein Schönes war verfehlten die tieftraurige, wehmütige Wirkung. Piani waren praktisch nicht vorhanden, sie beschränkte sich auf dauerndes Singen im forte und unmotivierte fortissimo Ausbrüche. Dadurch geriet die Balance über weite Strecken aus den Fugen und auch die Intonation war nicht über jeden Zweifel erhaben. Sicher, die Ressourcen an Volumen waren imposant, doch heisst das Stück weder Brünnhilde noch Lady Macbeth auf Naxos ... Vielleicht wird sie sich in den kommenden Aufführungen noch an die etwas andere Akustik des kleinen Zürcher Hauses anpassen können: Zürich ist nun mal von den räumlichen Gegebenheiten nicht vergleichbar mit der Met (da sang sie im Dezember die Chrysothemis) oder Barcelona (Januar, Februar als Isolde).

Weitaus erfreulicher gestalteten sich die anderen Umbesetzungen gegenüber der Premierenserie von 2006:

Sen Guo war eine geradezu phänomenale Zerbinetta. Da sass jeder Ton, sie meisterte die schwierigsten Koloraturen mit bestechender Sicherheit und brachte Humor und Tiefsinn in ihr Spiel ein. Auch ihre Diktion war beachtlich. Darin wurde sie nur noch von Martin Gantner übertroffen, der als Musiklehrer einmal mehr mit einer vorbildlichen Rollengestaltung aufwartete. Michael König trat in die Fussstapfen von Roberto Saccà: Sein Tenor/Bacchus war durchaus beachtlich, auch wenn er im Schlussduett mit Ariadne gezwungenermassen sein Volumen an dasjenige seiner Partnerin anpassen musste und deshalb der eine oder andere Ton doch der Linie entglitt. Das Paar Magee/Saccà hatte da 2006 und 2009 bedeutend subtilere und klangschönere Leistungen gezeigt. Übrig geblieben aus der Premierenserie ist Michelle Breedt als Komponist: Mit warmer, silbern glänzender Mezzosopranstimme und burschikosem, tragisch-komischem Spiel überzeugte sie auch diesmal wieder. Ganz hervorragend erneut das wunderbar sauber singende Damenterzett auf der wüsten Insel, sprich in der Kronenhalle: Eva Liebau, Irène Friedli (Najade, Dryade) und vor allem die als Echo so makellos rein singende Sandra Trattnigg. Das ist das Schöne an Zürich: Wichtige Nebenrollen sind luxuriös besetzt! Gabriel Bermúdez, Marin Zysset, Reinhard Mayr und Peter Sonn hatten offensichtlich grossen Spass an ihren Rollen in der Entourage der Zerbinetta. Umwerfend ihr Auftritt mit den Vokuhila-Frisuren! Ein grosses Lob verdient Michael Laurenz Müller, der mit seinem Rollendebüt als Tanzmeister aufhorchen liess.

Auch die musikalische Leitung wurde in neue Hände gelegt: Sir Mark Elder (der langjährige musikalische Leiter der English National Opera) stand meines Wissens erstmals am Pult des Orchesters der Oper Zürich. Unter seiner umsichtigen, feinziselierten Leitung blühten die Strauss'schen Melodien trefflich auf, er sorgte zusammen mit dem einmal mehr fantastisch spielenden Orchester für einen brillanten und stets transparenten Klang.

Fazit:

Obwohl die Primadonna leise (laut...) enttäuscht, lohnt sich ein Besuch dieser ARIADNE-Aufführung in der Kronenhalle (im Opernhaus Zürich).

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