Stuttgart: LES TROYENS, 26.10.2007

Erstellt von Kaspar Sannemann | |   Les Troyens

Grandiose Aufführung von Berlioz Monumentaloper in Stuttgart!

Premiere: 26.Oktober 2007

Grosse Oper in fünf Akten

Musik von Hector Berlioz

Text nach Vergil vom Komponisten

Aufführungen: 31.10. | 04.11. | 18.11. | 25.11. In Stuttgart

Kritik: (SK)
Der neue GMD der Stuttgarter Oper, Manfred Honeck, gab mit der Aufführung von Berlioz` Monumentalwerk einen umjubelten und überzeugenden Einstand. Joachim Schlömer und Jens Kilian lieferten die eindrücklichen Bilder dazu.
Der erste Teil, der Untergang Trojas, spielt vor einer knallgelben Höhle, in welcher die Trojaner die zehnjährige Belagerung ihrer Stadt durch die Griechen überlebt haben. Das Volk (in giftgrünen Overalls) feiert den vermeintlichen Sieg mit archaischen Riten. Nur die weiss gekleidete Cassandra (bewegend dargestellt und gesungen von Barbara Schneider-Hofstetter) warnt vergeblich vor Trojas Untergang. Das Trojanische Pferd ist hier ein mit Sprengkörpern bestücktes Motorrad, das unter grossem Jubel des Volkes in die Stadt gebracht wird. Der kollektive Selbstmord der trojanischen Frauen, die den griechischen Vergewaltigern so entgehen, beschliesst den bedrückenden ersten Teil der Oper.


Im zweiten Teil befinden wir uns in der aufgeklärten und modernen Gesellschaft der Königin Didon in Karthago. Christiane Iven verleiht dieser tragisch liebenden Frau mit voll klingendem Sopran Profil. Ihre lebenslustige Schwester Anna (umwerfend Ceri Williams) versucht sie mit Riesenjoint, Dildo und neuen Schuhen zu trösten – doch erst Aeneas schafft es, das Herz der um ihren Gatten trauernden Königin zu gewinnen, um sie schon bald wieder zu verlassen, da er dem Ruf der Götter folgt und nach Italien aufbricht. Didon besteigt im überwältigenden Schlussbild den aus weissen Monoblock-Gartenstühlen errichteten Scheiterhaufen. Schlömer, der ehemalige Ballettchef aus Basel, lässt im über fünf Stunden dauernden Abend nie Langeweile aufkommen. Am überzeugendsten gelingen ihm natürlich die Choreographien. Keine Spur von Verlegenheitslösungen, sondern packendes Tanztheater. Seien es der bewegende Auftritt der trauernden Andromache oder die rasante Chasse royale, in der die schwarzen Eindringlinge durch den gläsernen Palast Karthagos gejagt werden.

Fazit: Die Reise nach Stuttagart sollte man nicht scheuen. Grandios und spannend umgesetzt, hervorragend gesungen. Gewaltige Musik!