MICHAEL SPYRES: A FOOL FOR LOVE

Erstellt von Kaspar Sannemann | |   Michael Spyres

Michael Spyres: A Fool for Love (CD)

Tenor Arias | Michael Spyres, Tenor | Moscow Chamber Orchestra | Dirigent: Constantine Orbelian | DELOS | Veröffentlichung: 2011

Oft wurde (und wird) sie beschworen und kolportiert, die Krise des Tenorgesangs. Ich habe nie so recht daran geglaubt – und dieses Album von Michael Spyres beweist auf geradezu bestechende Art und Weise, dass dem (wenigstens in der Gattung des tenore di grazia) nicht so ist.

Michael Spyres hat für sein erstes Solo-Recital, A Fool for Love, 13 Arien ausgewählt und sie in einen selbst verfassten, dramaturgisch sinnfälligen, Rahmen gestellt: Ein Mann beleuchtet wie in einer Art Rückblick, die verschiedenen Aspekte des Mysteriums der Liebe.

Der Beginn könnte euphorischer nicht sein, mit der Arie des Tonio, Ah! Mes amis ... Pour mon âme, aus Donizettis LA FILLE DU RÉGIMENT. Mit sprühender und stupender Leichtigkeit werden die neun hohen Cs dieses Bravourstücks erreicht. Selbstsicher und elegant versichert er als Tom Rakewell (Stravinsky: THE RAKE'S PROGRESS) anschliessend Here I stand, schmückt Almavivas schwierige (und deshalb leider oft gestrichene Schlussarie Cessa di più resistere aus IL BARBIERE DI SIVIGLIA) mit gekonnten Fiorituren, gestaltet mit berührendem Schmelz Nemorinos Hit Una furtiva lagrima aus DonizettisL'ELISIR D'AMORE und versichert als Don Ottavio (Mozart: DON GIOVANNI) alles zu unternehmen, um die Ehre seiner Angebeteten zu verteidigen. Auf diesem Weg gelangt der liebende Sänger zu den romantischen Höhepunkten seines Dramas: Nadirs schmachtende Arie Je crois entendre (aus Bizets LES PECHEURS DE PERLES) wird mit beispielhafter Pianokultur und einschmeichelndem Legato geradezu überirdisch schön gestaltet und in Werthers Ausruf Pourquoi me réveiller klingt bereits der Schmerz des Liebesverlangens an, welches in der veristischen Arie È la solita storia des Federico aus Cileas L'ARLESIANA seinen bewegenden Abschluss findet. Michael Spyres zeigt gerade in dieser Arie, dass er nicht nur über eine angenehm hell timbrierte Stimme verfügt, sondern auch bruchlos in tiefere Register vordringen kann, und dort über herbere, markantere Klangfarben verfügt. Obwohl auf dem Album (es sind neben den bereits erwähnten noch Arien von Puccini, Verdi, Richard Strauss, Tschaikovsky und – als Encore- Léhar zu hören) ausschliesslich von Liebesleiden und -lust gesungen wird, kommt der Sänger ohne aufgesetzte, larmoyante Drücker und Schluchzer aus – und vermag gerade dadurch umso mehr zu begeistern und zu rühren.

Begleitet wird er vom wunderschön musizierenden Moscow Chamber Orchestra of the Pavel Slobodkin Center for the Arts unter der einfühlsamen Leitung von Constantine Orbelian.

Fazit:

Mit der klugen Auswahl von Arien der grössten Meister der Opernliteratur lotet Michael Spyres mit seiner graziösen, herrlichen Stimme als „hopeless romantic“ die Stadien der Liebe aus verschiedenen Blickwinkeln spannungsreich und ohne falsches Pathos aus.

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