Chäserrugg: GIPFEL-WERKE, SINFONIEORCHESTER ST.GALLEN, 28.08.2016

Erstellt von Kaspar Sannemann | |   Gipfel-Werke, Sinfonieorchester St.Gallen

Rossini: Ouvertüre zu WILHELM TELL | Brahms: Ungarische Tänze Nr. 1, Nr. 6, Nr. 10 | Johann Strauss: Auf der Alm (Idylle für Orchester) , Bergliederwalzer | Dvorak: Slawische Tänze Nr. 2 und 8 | Sibelius: Finlandia

Würdigung:

Klassik Openairs gibt es viele in Europa, doch auf 2262 m.ü.M. wohl eher nicht – ausser heute Sonntag im Toggenburg, genauer gesagt auf dem Chäserrugg, unter dem imposanten Dach des vom Architekturbüro Herzog & de Meuron innerhalb eines Jahres fertiggestellten neuen Gipfelgebäudes der Toggenburg Bahnen (man vergleiche die Bauzeit mit derjenigen der Elbphilharmonie im Hamburger Hafen ...). Unter der Leitung seines Chefdirigenten Otto Tausk liess das Sinfonieorchester St.Gallen „Gipfel-Werke“ der romantischen Orchesterliteratur ertönen, geografisch UND musikalisch auf aussergewöhnlich hohem Niveau. Man war gespannt, wie die Musik akustisch klingen würde und wurde sehr positiv überrascht. Das Fichten- und Tannenholz des Baus bot einen sehr schönen Klangraum und die Musikerinnen und Musiker zogen die begeisterten Zuhörer (die meisten von ihnen stehend oder auf den Granitfelsen sitzend, denn die wenigen Sitplätze auf den vereinzelten Strohballen waren schnell besetzt) mit den Wunschkonzert-Klängen schnell in ihren Bann. Mutig war es, mit Rossinis Ouvertüre zur Oper WILHELM TELL zu beginnen, steht doch am Anfang dieser wunderbaren Musik nicht ein Fortissimo Effekt, sondern sie beginnt mit einer empfindsamen, leisen Kantilene des Solo Cellos. Aber die Macht der Musik liess selbst die zuvor noch quengelnden Kleinkinder blitzartig wie von Zauberhand (nein, es war natürlich der Solocellist des Orchesters) verstummen. Als dann das Gewitter im Orchester hochzog, die beglückenden Klänge des Ranz des vaches ertönten und die Ouvertüre im furiosen Galopp endete, wusste man: Das Konzert wird ein Erfolg. Weiter ging es mit drei der UNGARISCHEN TÄNZE von Johannes Brahms. Hier machten insbesondere die warm intonierenden Streicher Eindruck. Herrlich - und nur bei einem solchen Konzert zu erleben - der musikalische Hund, der just zum Schlussakkord des Tanzes Nr. 6 einmal laut bellte (ob es der Labrador des Operndirektors des Theaters St.Gallen war, konnte ich nicht eruieren!). Weiter ging es mit der selten zu hörenden Idylle für Orchester AUF DER ALM von Johann Strauss. Zu dem anschliessenden BERGLIEDER-WALZER forderte der Dirigent zu Zuschauer zum Mittanzen auf, falls es ihnen etwas kühl sei (tatsächlich waren einige sehr leicht bekleidet und hatten nicht bedacht, dass die Temperaturen auf 2000 Metern Höhe doch etwas von den tropischen 35 Grad im Tal unten abweichen). Doch niemand schwang das Tanzbein auf dem steinigen Boden, dafür ergab man sich gerne den sanft wiegenden Rhythmen des Walzerkönigs. Bevor mit der dramatischen sinfonischen Dichtung FINLANDIA von Jean Sibelius ein bewegender, aufrüttelnder Schlusspunkt gesetzt wurde, durfte man noch in die faszinierend orchestrierte Klangwelt von Dvoraks SLAWISCHEN TÄNZEN eintauchen. Die Nr. 2 mit ihrem leicht wehmütigen Duktus und die feurige Nr. 8. Doch selbstverständlich wurden vom Publikum Zugaben gefordert: Das Orchester spielte den berühmtesten der UNGARISCHEN TÄNZE, die Nr. 5 und einen weiteren SLAWISCHEN TANZ von Dvorak.

Ein einmaliges Erlebnis in einer atemberaubenden Kulisse (im Rücken das Alpsteinmassiv, links die Churfirsten, tief unten der Walensee und die Rheinebene), das hoffentlich nicht einmalig bleiben wird. An Orchesterliteratur jedenfalls würde es nicht mangeln, z.B. die Alpensinfonie von Richard Strauss, oder die sinfonische Dichtung „Ce qu'on entend sur la montagne“ von Franz Liszt.

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