CD Empfehlung: PFITZNER: PALESTRINA

Erstellt von Kaspar Sannemann | |   Pfitzner, Palestrina

Deutsche Grammophon | ADD | Aufnahmedatum: 1973 | Interpreten: Dirigent: Rafael Kubelik; mit Nicolai Gedda, Dietrich Fischer-Dieskau, Karl Ridderbusch, Bernd Weikl, Hermann Prey, Gerd Nienstedt; Helen Donath, Brigitte Fassbaender

Dank dieser wunderschön musizierten Aufnahme wirkt das Werk viel weniger sperrig als erwartet. Die Diktion der auserlesenen Sängerinnen und Sänger ist hervorragend. Die Stimmen bleiben stets leicht und geschmeidig, phrasieren mit herausragender Akkuratesse und unangestrengt wirkend und verfügen allesamt über beeindruckende Nuanciertheit der Gestaltung. Nicolai Gedda in der Titelrolle singt einen bewegend ruhig und scheinbar gelassen wirkenden Selbstzweifler. Sein heller, in allen Lagen einfach herrlich schön timbrierter Tenor überzeugt sowohl im ersten als auch im dritten Akt. Fischer-Dieskau als ihm zuerst wohlgesonnener Freund Borromeo ist ein Gestalter der Extraklasse, welcher die Schmeicheleien genauso gut beherrscht wie den Zornesausbruch, wenn seinen Geboten nicht Folge geleistet wird. Die Kardinäle im zweiten Akt, dem Konzilakt, sind bis in die kleinsten Rollen mit prominenten und ihre Aufgaben mit grösster Seriosität gestaltenden Sängern besetzt. Das Werk leidet ja in der Publikumsgunst vor allem darunter, dass sich keine Liebesgeschichte abspielt und die einzige Frauengestalt nur in einer kurzen Vision des Palestrina erscheint. Umso dankbarer ist man, dass die Interpretinnen der Hosenrollen des Ighino und des Silla mit Helen Donath und Brigitte Fassbaender wahrlich keine Wünsche offen lassen. Rafael Kubelik und das Symphonie-Orchester des Bayerischen Rundfunks lassen den Spätromantiker Pfitzner mit wunderschönem, vielleicht ein bisschen zu glattem Gesamtklang erblühen. Doch diese Schönheit des Klangs gibt dem Ohr des Zuhörers die Gelegenheit, sich für das lange Werk zu erwärmen, ja zu begeistern.