Berlin, Staatsoper: DIE WALKÜRE, 22.9.2019

Erstellt von Kaspar Sannemann | |   Die Walküre

Erster Tag des Bühnenfestspiels Ring des Nibelungen | Musik: Richard Wagner | Textdichtung vom Komponisten | Uraufführung: 26. Juni 1870, Hoftheater München | Aufführungen in Berlin: 8.9. | 22.9.2019

Kritik:

Inszenierung und Orchester (Dirigent) siehe hier

Michael Volle als Wotan fegte praktisch alle anderen von der Bühne. Das war geradezu unheimlich stark, packend und  bezwingend in Textgestaltung, Intonation und Phrasierung. Die Auseinandersetzung mit Fricka (hervorragend Ekaterina Gubanova) und Wotans Abschied gerieten zu Höhepunkten des Abends. Anja Kampe begann mit sehr angenehmer, schlanker Stimmführung als Sieglinde, zunehmend jedoch intensivierte sie den Druck auf die Stimme, was nicht immer zu schön runder Tongestaltung führte. Das Hehrste Wunder hat man schon Gänsehaut erregender gehört. Immerhin gab es im ersten Akt doch einige sehr schön liedhaft gestaltete Passagen des Wälsungenpaars (der hellstimmige Siegmund war Simon O'Neill, der am Abend zuvor noch den Froh gesungen hatte). Falk Struckmann war ein wunderbar kernig drohender Hunding (er trat an allen vier Abenden auf, Fafner, Hunding, wieder Fafner in SIEGFRIED und Hagen in der GÖTTERDÄMMERUNG). Charaktervoll und solide sangen die Walküren, angeführt von Iréne Theorin als Brünnhilde, welche mit einem jubelnden Hojotoho aufhorchen ließ. Aber auch bei ihr (wie bei Anja Kampe) wurde zu viel Druck aufgebaut, die Stimme wurde immer metallischer, gar leicht scheppernd, einfach unschön. Das Publikum aber liebte sie anscheinend, jedenfalls bekam sie mit allen drei Brünnhilden jeweils donnernden Applaus.

Das Werk:

 

Die Walküre ist wie das Rheingold wäh­rend Richard Wagners Aufenthalt in Zürich entstanden. Unüberhörbar flossen in die Partitur die leidenschaftlichen Gefühle Wagners für seine Mäzenin Mathilde von Wesendonck ein. Es ist dies der “menschlichste” Teil des grossen Epos und damit auch der populärste.

Inhalt des ersten Tages:
Siegmund taucht auf der Flucht vor Verfolgern bei Sieglinde auf. Die beiden Geschwister, Kinder des Göttervaters Wotan, erkennen sich noch nicht. Hunding, Sieglindes ungeliebter Ehemann, tritt auf. Da er ein Feind der Sippe Siegmunds ist, fordert er ihn für den nächsten Tag zum Zweikampf, in dieser Nacht jedoch soll noch das Gastrecht gelten. Sieglinde und Siegmund erkennen sich, Siegmund zieht Wotans Schwert Nothung aus der Esche. Die beiden Geschister lassen ihren Trieben freien Lauf und zeugen den zukünftigen Helden Siegfried.
Wotans Gattin Fricka, die Hüterin der Ehe, kann und will den Ehebruch der Geschwister nicht dulden. Sie verlangt von Wotan, Siegmund sterben zu lassen. Brünnhilde, Wotans kampfeslustige Tochter, stellt sich auf die Seite Siegfrieds und widersetzt sich dem Befehl ihres Vaters. Siegmund stirbt durch Hunding, Hunding anschliessend durch Wotans Hand.
Brünnhilde vermag es noch, der schwangeren Sieglinde zur Flucht zu verhelfen und gibt ihr die Trümmer des Schwertes mit, dann wird sie vom Göttervater gestellt. Als Strafe verliert sie ihren Status als Walküre und wird „menschlich“. Sie erreicht jedoch noch Wotans Zusage, dass nur der unerschrockenste Held sie erwecken können solle. Wotan nimmt bewegt Abschied von seiner Lieblingstochter, dann befiehlt er Loge, den Walkürenfelsen mit Feuer zu umgeben.

Musikalische Höhepunkte:
Der Männer Sippe, Sieglinde, Aufzug I
Winterstürme wichen dem Wonnemond, Siegmund Aufzug I
Todesverkündung, Brünnhilde, Aufzug II
Walkürenritt, Aufzug III
Wotans Abschied und Feuerzauber, Aufzug III

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