Berlin, DOB: DIE ÄGYPTISCHE HELENA, 05.02.2009

Erstellt von Kaspar Sannemann | |   Die ägyptische Helena

Oper in zwei Akten | Musik: Richard Strauss | Libretto: Hugo von Hofmannsthal | Uraufführung: 6. Juni 1928 in Dresden

Das Wort mag abgegriffen sein und oft inadäquat verwendet werden, trotzdem kann ich nur sagen DIE ÄGYPTISCHE HELENA war geeeeeeeeeeeeiiiiiiiiiiiiiiiillllllllll.

In dieser Interpretation und mit diesen Sängerinnen hat sie das Zeug dazu, eine neue Lieblingsoper von mir zu werden. Hört euch z.B. mal die ZWEITE BRAUTNACHT auf youtube an:
http://www.youtube.com/watch?v=wsIxsMNynjo

Der Schweizer Regisseur Marelli hat das Geschehen in ein orientalisches Bordell der Jahrhundertwende verlegt mit der Zauberin Aithra (hervorragend Laura Aikin) als Paartherapeutin. Damit umschiffte er die moralisch doch bedenkliche Klippe, welche Hofmannsthal und Strauss dem Werk aufgebürdet hatten, dass nämlich für die Vereinigung und das Wiederaufflammen der Liebe zwischen Menelaos und Helena zuerst ein unschuldiger vermeintlicher Nebenbuhler, der hübsche Prinz Da-ud, umgebracht werden muss, und dieses Verbrechen bei Hofmannsthal ungesühnt bleibt und quasi als Lateralschaden für die Lobpreisung der Ehe hingenommen wird. Hier war das ganze nur eine Maskerade der Therapeutin und der Prinz konnte wohlbehalten auferstehen. Dazu schufen Marelli und seine Frau eine der schwülstigen Musik angepasste Ausstattung. Genial. Die umfangreiche, herrliche Partie der Helena sang Ricarda Merbeth. Ein Genuss vom Anfang über die zweite Brautnacht bis zum ekstatischen Ende. Musik, die süchtig macht.


Andrew Litton dirigierte das wunderbar aufspielende Orchester der Deutschen Oper Berlin, deckte die Sänger nicht zu und kostete die wunderbaren Aufschwünge der Musik doch aufs Wunderbarste aus. Chafin war nach etwas verhaltenem Beginn und einigen Schwierigkeiten mit dem (vielen) deutschen Text ein stimmlich souveräner, darstellerisch etwas steifer Menelas. Aber trotz diesen kleinen Einschränkungen muss man auch ihm für seine Leistung ein Kränzchen winden, die Partie ist (wie oft bei Strauss, der doch besser und dankbarer für Frauenstimmen schreiben konnte) nämlich in sehr unangenehmer Lage komponiert. Er meistert das viel besser als z.B. Kastu in der Dorati Aufnahme mit Dame Gwyneth in der Titelpartie.