Berlin: DIE LIEBE DER DANAE, 13.02.2011

Erstellt von Kaspar Sannemann | |   Die Liebe der Danae

Heitere Mythologie in drei Akten | Musik: Richard Strauss | Libretto: Joseph Gregor | Uraufführung: 14. August 1952 in Salzburg, am 16. August 1944 fand nur eine nichtöffentliche Generalprobe statt, danach wurden alle Theater geschlossen (Attentat auf Hitler, Totaler Krieg) | Aufführungen in Berlin: 13.2.|19.3. | 7.4.2011

Kritik:

Ei, wer hätte das gedacht: Da redet eine ganze Heerschar von Musikwissenschaftlern ein Werk schlecht, man wundert sich, weshalb die Deutsche Oper Berlin Richard Strauss´Alterswerk auf den Spielplan setzt – und dann reibt man sich verwundert die Ohren. Denn der Altmeister hat in seiner LIEBE DER DANAE nochmals sein ganzes Füllhorn an wunderbarer Musik gleich eines Goldregens ausgeschüttet (in dieser Inszenierung von Kirsten Harms versinnbildlicht durch einen kopfüber über der Szene schwebenden Konzertflügel). Sicher, das Libretto des Altphilologen Joseph Gregor ist streckenweise arg geschwätzig, prahlt mit Bildungsbürgertumprotzerei und nervt durch Wiederholungen. Doch Strauss´Musik entschädigt für diese Längen, wie in einer Rückschau breitet er nochmals sein Können, seine ungemein virtuose Beherrschung des grossen Orchesterapparats aus, verblüfft mit zartesten Streicherkantilenen und zuckersüssen, vergoldeten Klängen, komponiert ein Zwischenspiel im dritten Akt schöner als alle Vier Letzten Lieder zusammen und schenkt der Danae ein himmlisches Sopransolo, so wie nur Strauss für Frauenstimmen schreiben konnte.

Seit der posthumen Uraufführung in Salzburg haben sich leider nur wenige Bühnen des Werks angenommen. Vielleicht liegt es an den enorm anspruchsvollen Gesangspartien, welche Strauss für die drei Protagonisten (Danae, Jupiter, Midas) komponiert hatte. Für den Midas braucht es einen höhensicheren und doch leichten und strahkräftigen Tenor mit weichem Ansatz der Töne, die Riesenpartie des Jupiter war selbst für Hans Hotter zu hoch, deshalb wird sie seit den Proben zu den Salzburger Festspielen 1944 um einen Ton nach unten transponiert gesungen. Einzig Franz Grundheber schaffte 2002 die originale Fassung. Und die Partie der Danae verlangt einen silbern klingenden Sopran mit blühender Höhe. Der Sängerin und den Sängern in Berlin Manuela Uhl (Danae), Matthias Klink (Midas) und Mark Delavan ist es hoch anzurechnen, dass sie trotz der riesigen Anforderungen an die Stimmen im Tonansatz stets weich blieben und aufs unschöne Forcieren verzichteten. Sicher spürte man bei ihnen allen eine gewisse Verengung der Stimme in der Höhe, doch zugunsten des Gesamtklangs konnte man dies akzeptieren. Manuela Uhl verfügt dafür in der Mittellage über die warme und hier so passende Goldfarbe für die Danae, Matthias Klink über das einnehmend weiche (und sexy) Timbre für den Midas und Mark Delavan war grossartig als alternder Gott, der die Welt nicht mehr versteht, da er seinen Sexappeal eingebüsst hat und nun - Wotan gleich – Abschied von dieser Welt nimmt, die seiner nicht mehr bedarf. Witzig waren seine an Siegfrieds Geplänkel mit den Rheintöchtern erinnernden Szenen mit seinen verflossenen Geliebten Semele, Alkmene, Europa und Leda. Diese wurden von Hila Fahima, Julia Benzinger, Martina Welschenbach und Katarina Bradic umwerfend komisch gespielt und hervorragend gesungen. Hulkar Sabirova (Xanthe) sang im ersten Akt ein wunderbares Duett mit Danae, Thomas Blondelle gab einen vorwitzigen Merkur und Burkhard Ulrich den verarmten Operettenkönig Pollux. Für die übermächtigen Klänge aus dem Graben sorgten das Orchester der Deutschen Oper und der Dirigent Andrew Litton, welche Strauss´ virtuos orchestrierte Partitur mit sattem Klang ausstatteten.

Regisseurin Kirsten Harms hat wohltuenderweise auf naheliegende Aktualisierungsversuche verzichtet (Pleite eines Staates in der Ägäis), sondern das Geschehen in einer Art Operettenkönigreich angesiedelt (Bühne: Bernd Damovsky). Zu Beginn wird im bankrotten Staat das Tafelsilber verscherbelt (hier die staatliche Gemäldegalerie), wunderschön gelöst dann die Verwandlung des gesamten Raums in Gold durch Midas´ Gabe. Im dritten Akt kriechen Danae und Midas in den Trümmern des Palastes herum (Assoziationen zum dritten Akt der FRAU OHNE SCHATTEN werden wach), einzig das Bild „Danae im Goldregen“ ist erhalten geblieben in dieser Art Götterdämmerung. Jupiter nimmt einen (sehr langen) Abschied und Danae blickt wehmütig hoch zum Flügel, wartet auf Klänge, die in solcher Schönheit wie sie Strauss schreiben konnte, wohl nie mehr auf die Opernbühne zurückkehren werden.

Inhalt:

Am verarmten Königshof von Pollux träumt die Prinzessin Danae von einem Goldregen - sie wolle nur den heiraten, welcher ebenso stark wie dieser Goldregen sei. Gesandte treffen ein und berichten, dass der reiche König Midas um Danaes Hand anhalten wolle. Aufatmen am Hofe Pollux'. Göttervater und Frauenverführer Jupiter tritt in der Gestalt des Midas auf und wirbt um Danae. Frühere Geliebte des Gottes (Semele, Alkmene, Europa, Leda) erkennen diesen, werden jedoch zum Schweigen verpflichtet. Midas in der Gestalt eines Boten (Crysopher) will sich nicht von Jupiter ins Abseits drängen lassen. Jupiter belegt in einer Ausenandersetzung Midas mit einem Fluch: Alles, was dieser berühre, solle zu Gold werden. Der Fluch erfüllt sich: Als Midas Danae umarmt, erstarrt sie zu einer goldenen Statue. Auf Drängen von Midas wird Danae zurückverwandelt und gefragt, für wen sie sich entscheide. Sie wählt Midas. Auf einer Landstrasse findet Danae den Midas als Elseltreiber wieder. Die beiden entscheiden sich gegen das Gold und für die Liebe. Jupiter wird als Versager von Merkur verspottet. Als Jupiter in den Himmel zurückkehren will, wird er von den Gläubigern des Pollux abgefangen und bedrängt, da sie ihn immer noch für Midas halten. Jupiter folgt Merkurs Rat und zaubert einen Goldregen herbei. Alle sind zufrieden. Doch Jupiter sucht Danae nochmals auf. Er verkleidet sich als Wanderer (Wagners RING lässt grüssen). Doch muss der Gott sehen, dass Danae glücklich ist. Er segnet sie und mach sich aus dem Staube.

Werk:

Hugo von Hofmannsthal hatte bereits um 1920 herum einen Entwurf zur Danae vorgelegt, doch zu einer Vertonung des Stoffes kam es damals nicht. Erst als Joseph Gregor Richard Strauss mit dem Sujet erneut konfrontierte, entschloss sich Strauss zur Komposition. Die Proben in Salzburg konnte er zwar noch miterleben, doch wurden mitten in den Vorbereitungen zur Uraufführung die Theater in Deutschland geschlossen (Attentat auf Hitler, Totaler Krieg). Somit kam es erst drei Jahre nach dem Tod des Komponisten zur Uraufführung seiner vorletzten Oper. In ihr demonstrierte Strauss zwar nochmals die ganze Rafinesse seiner Orchesterbehandlung, schrieb sehr anspruchsvolle Gesangspartien - und doch scheint das Werk irgendwie ausserhalb seiner Zeit zu stehen, wirkt als Flucht eines alten Mannes in bemühende Heiterkeit und nicht mehr vorhandene Schönheit angesichts der Schrecknisse des immer brutaler werdenden Krieges und des faschistischen Regimes der gnadenlosen Unterdrückung. Sicher zeichnet das Werk auch mit dem Pleitestaat und der "Götterdämmerung" Jupiters, welcher den Glanz des allmächtigen Gottes verliert, ein Bild seiner Entstehungszeit, doch musikalisch wird das seltsam rückwärtsgewandt umgesetzt - und faszniert doch!

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