Berlin: ARMIDA, 15.04.2009

Erstellt von Kaspar Sannemann | |   Armida

In jeder Beziehung sehens- und hörenswert ist diese Neuproduktion an der Komischen Oper Berlin. Erstens weil Gluck viel zu selten gespielt wird und ARMIDA zu seinen stärksten Werken zählt und zweitens weil die Inszenierung von Calixto Bieito sehr ästhetisch ist und und die Psyche, die Ängste und das Begehren dieser Frau genau analysiert.

Maria Bengtsson ist stimmlich und darstellerisch ein Wucht. Sie singt die riesige Rolle mit einer bewundernswerten Gestaltungskraft, ausgeglichener, sehr instrumental und sauber geführter Stimme, mit unendlich ausgefeilten dynamischen Abstufungen.

Hervorragend auch das Orchester unter dem subtilen Dirigat von Konrad Junghänel.


Unbedingt empfehlenswert

Das Haus empfiehlt den Besuch ab 16 Jahren.

Hier noch der Pressetext der Komischen Oper zum Werk:
Dass Liebende in der Oper gegen schwerste äußere Widerstände kämpfen müssen und sich doch die Macht der Gefühle wider alle Vernunft behauptet, ist uns vertraut. Was aber passiert, wenn der Herzens-Widersacher die eigene Angst ist, die Angst vor Kontrollverlust und den eigenen Abgründen?


Die schöne Armida hat, mit höllischen Zauberkräften begabt, das Heer der feindlichen Kreuzritter außer Gefecht gesetzt. Nur der kühnste der christlichen Helden, Rinaldo, hat ihr widerstanden. Zerrissen zwischen Faszination und Wut schwört sie Rache. Als sie Rinaldo endlich in ihrer Gewalt hat, ist Armida aber nicht im Stande ihn zu töten. Aus Scham über diese Schwäche lässt sie Rinaldo von ihren Dämonen »ans Ende der Welt« bringen, ruft ›Den Hass‹ an, der sie von ihrer Liebe befreien soll, und muss schließlich doch vor den ungewohnten Gefühlen kapitulieren. Nach einer kurzen Zeit des gemeinsamen Glücks bewahrheitet sich allerdings der Fluch des ›Hasses‹:

Rinaldo, von den Rittern bei seinem Ehrgeiz gepackt, verlässt sie, um sich wieder männlichen Aufgaben zu widmen.


Gluck entwirft mit atemberaubender Dramatik und feinsten musikalischen Stimmungswechseln ein höchst spannendes psychologisches Drama, um Liebe als Gefühl zwischen Selbstaufgabe und Selbstverwirklichung zu diskutieren. Mit seiner fünften Reformoper setzen wir – nach Iphigenie auf Tauris – unsere Beschäftigung mit diesem sehr zu Unrecht vernachlässigten Komponisten fort.

»Ich bekenne, dass ich gern meine Karriere mit dieser Oper beenden würde«, schrieb Gluck. Zum Glück hat er es nicht getan.