Basel: TELEMACO, 09.06.2011

Erstellt von Kaspar Sannemann | |   Telemaco (Gluck)

Oper in zwei Akten |

Musik: Christoph Willibald Gluck |

Libretto: Marco Coltellini |

Uraufführung: 30. Januar 1765 am Burgtheater in Wien (aus Anlass der - zweiten - Hochzeit von Joseph II, mit Prinzessin Maria Josepha von Bayern) |

Aufführungen in Basel: 9.6. | 11.6. | 13.6. | 18.6. | 22.6. | 24.6. | 26.6.2011 |

(Koproduktion mit den Schwetzinger Festspielen und dem Staatstheater Nürnberg)

Kritik:

Leider werde ich die Premiere nicht besuchen können. Doch auf die Regie von Tobias Kratzer darf man echt gespannt sein, wusste er doch mit ANNA BOLENA in Luzern restlos zu überzeugen!

Hier einige Auszüge aus Kritiken:

Dennis Roth auf www.klassik.com:

Regisseur Tobias Kratzer und Rainer Sellmaier, der Bühnenbild und Kostüme entworfen hat, siedeln die Handlung in den Dreißiger-, Vierzigerjahren des vorigen Jahrhunderts an. Analog zum wilden Mythenmix des Librettos spielen sie auf den Abenteuerfilm an, von King Kong bis zu Indiana Jones, handwerklich ausgereift und visuell schlüssig ...

Die schwedische Sopranistin Agneta Eichenholz verleiht Circe/Penelope gesanglich wie darstellerisch Profil und Tiefe. Ihrer verführerischen Erscheinung nimmt man die bestrickende Zauberin jederzeit ab. Die Bravourarien mit ihren glutvollen Koloraturen sind Höhepunkte der Aufführung. Auch Maya Boog als Asteria überzeugt durchgängig auf hohem Niveau mit ihrem natürlich strömenden Sopran und einer zwischen Übermut und Verzweiflung oszillierenden Darstellung ...

Es spielte, dirigiert von Anu Tali, das Freiburger Barockorchester: mit trockenem, transparenten Klang, wie er sogleich in der Ouvertüre gefiel, plastisch und durchaus expressiv ...

Das farbige, letztlich aber harmlose Textbuch erzählt eine Geschichte, die allerdings kaum berührt. Glucks Musik dringt nur selten in tiefere, existenzielle Sphären vor. Dieses Dramma per musica ist, pointiert gesagt, nicht ernst genug für die Tragödie und nicht heiter genug für die Komödie.

Inhalt:

Telemach sucht in Begleitung von Merione seinen verschollenen Vater Odysseus. Sie gelangen auf die Insel der Circe, wo er seinen Vater in deren Palast trifft. Odysseus berichtet seinem Sohn, dass seine Begleiter von der Zauberin Circe in Bäume verwandelt worden seien und er selbst im Bann der geliebten Circe stehe und bei ihr bleiben wolle. Auf der Insel befindet sich auch Asteria, die als Kind von Circe geraubt und entführt wurde.

Auf Bitten seines Sohnes entschliesst sich Odysseus jedoch zur Heimkehr. Auch kann er Circe überreden, seine Begleiter zurückzuverwandeln. Circe versucht dann aber, die Abfahrt des Geliebten zu verhindern. Aus Frustration über den misslungenen Versuch verwandelt sie die Insel in eine Wüste und verwünscht Odysseus. Doch dieser sehnt sich nun plötzlich nach seiner Gemahlin Penelope. Unterdessen stellt sich auch heraus, dass Asteria die Schwester Meriones ist (und somit die Tochter des Kreterkönigs Idomeneo und schon lange als Telemachs Zukünftige bestimmt war ... ). Circe sieht endlich die Vergeblichkeit ihres Handelns ein und gibt den Reisenden nützliche Tipps für die Heimkehr.

Werk:

Christoph Willibald Ritter von Gluck (1714-1787) komponierte über 50 Bühnenwerke und ging als Mann, der die Kunstgattung der Oper reformierte, in die Musikgeschichte ein. Die bis dahin von den Sängern der opera seria als Vehikel für ihre akrobatischen Gesangskünste missbrauchten Werke waren Gluck ein Gräuel. Er wollte Text und musikalischen Ausdruck wieder in Einklang bringen, den Gefühlen und Leidenschaften seiner Protagonisten natürlich fliessenden Ausdruck verleihen. (Die Libretti seiner Musikdramen beruhen meist auf Vorlagen aus der griechischen Antike.) TELEMACO steht am Anfang seiner so genannten Reformopern und entstand zwischen den weitaus bekannteren Schöpfungen ORFEO ED EURIDICE und ALCESTE während Glucks Wirken in Wien. In dieser Oper trifft man auf Szenen, die schon beinahe durchkomponiert erscheinen, die Ausschmückungen in den Arien sind stark zurückgenommen, Soli, Ballette und Chor verschmelzen zu grösser angelegten Szenen. Das Werk erlebte jedoch zu Glucks Lebzeiten nur die beiden Aufführungen in Wien. Erst über zweihundert Jahre später besann man sich in vereinzelten konzertanten Aufführungen wieder auf den TELEMACO. Die szenischen Realisationen in Schwetzingen, Basel und Nürnberg werden zeigen, ob sich das Werk auch auf der Bühne wird behaupten können.

Am 23. Juli 2011 ist die Oper in einer Aufzeichnung aus Schwetzingen um 20.15 Uhr auf 3sat zu sehen.

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