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Willkommen in der Welt der Oper

Auf dieser Seite finden Sie Kritiken meiner Opern- und Konzertbesuche und bekommen Informationen rund um Spielpläne und Opernhäuser (vorwiegend aus der Schweiz und aus Deutschland). Die Premierenberichte erscheinen wann immer möglich am Tag nach der Premiere und damit in aller Regel vor den Printmedien. Kommentare und eigene Eindrücke von BesucherInnen dieser Seite sind ausdrücklich erwünscht. Ich wünsche allen viele unvergessliche, spannende und aufwühlende Opernbesuche. 

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St.Gallen: IL PIRATA, 19.05.2018

Romantische Oper in zwei Akten | Musik: Vincenzo Bellini | Libretto: Felice Romani, nach Maturins Schauerstück BERTRAM OR THE CASTLE OF ST:ALDOBRAND | Uraufführung: 27. Oktober 1827 in Mailand | Aufführungen in St.Gallen: 28.4. | 6.5. | 16.5. | 19.5. | 29.5. | 1.6. | 5.6.6 | 10.6.2018

Vincenzo Bellini, 1801-1835

Kritik: folgt am 20.5. ab 13 Uhr an dieser Stelle

Inhalt:

Die Oper spielt in Sizilien zur Zeit der Auseinandersetzungen zwischen den Häusern der Staufer, derjenigen von Aragon und von Anjou im 13. Jh. um die Vorherrschaft auf der Insel.

Vorgeschichte:

Gualtiero, einer der Anhänger des vom Papst als illegitim bezeichneten Königs Manfred, musste nach der Niederlage Manfreds gegen Karl von Anjou aus Sizilien nach Aragon fliehen. Zurück blieb seine Geliebte Imogene. Diese heiratete in der Folge den Erzfeind Gualtieros, den Herzog Ernesto von Caldera, nicht zuletzt um ihren Vater zu schützen, der ebenfalls ein Anhänger Manfreds gewesen war.

Oper:

Gualtiero erleidet in einem Sturm zusammen mit seinen aragonesischen Piraten Schiffbruch vor der sizilianischen Küste. Der Einsiedler Goffredo (und früherer Lehrer Gualtieros) erkennt seinen einstigen Schüler. Die Aragonesen werden im Schloss des Herzogs untergebracht. Dort treffen sich Imogene und Gualtiero nach über zehn Jahren wieder. Doch Imogene, die Gualtiero immer noch innigst liebt, kann sich aus familiären Zwängen nicht von Ernesto trennen, da sie mit ihm auch ein Kind hat. Ernesto jedoch ist misstrauisch geworden. Als er zusammen mit seinen Mannen den Sieg über die aragonesichen Piraten feiern will, bemerkt er die Kühle seiner Frau. Nur mit Mühe kann Imogene ihren Mann davon abhalten, Gualtiero und die Seinen in den Kerker zu werfen.

Ernestos Misstrauen wächst zusehends. Als er erfährt, dass ausgerechnet Gualtiero in seinem Schloss weilt, will er diesen suchen. Inzwischen gelingt es Imogene, ihren Geliebten zu warnen. Sie nehmen voneinander Abschied, werden aber von Ernesto überrascht. Ernesto und Gualtiero duellieren sich. Ernesto fällt und Gualtiero stellt sich dem Gericht. Er wird zum Tode verurteilt. Imogene treibt dieses Urteil in den Wahnsinn.

Werk:

Vincenzo Bellinis (1801-1835) dritte Oper IL PIRATA stellte seinen sensationellen Durchbruch in der internationalen Opernwelt dar und war zugleich der Startschuss für die Epoche der italienischen Romantik im Bereich des Musiktheaters. Der Librettist Felice Romani hatte die schauerliche Vorlage entdämonisiert. Gualtiero ist bei Romani/Bellini nicht mehr so fluchbeladen, begeht am Ende auch nicht Suizid, Imogene vollzieht weder den Ehebruch, noch bringt sie ihr Kind um. Sie verfällt dem Wahnsinn – und damit war die Schleuse für die tragisch-keusche Frauengestalt in der romantischen italienischen Oper für diese unschuldigen weiblichen Wesen geöffnet, die durch tragische (von Männern verursachte) Spiele und Ränke am Ende dem Wahnsinn verfallen (z.B. Lucia di Lammermoor oder Anna Bolena).

In der musikalischen Faktur kommt IL PIRATA bei weitem weniger lyrisch daher als seine späteren Erfolgsstücke wie NORMA oder LA SONNAMBULA. Die Partien sind von der Linienführung und der Ausdrucksstärke eher auf der robusten, schmetternden, virtuosen Seite angelegt, nur gelegentlich schimmern die für Bellini so typischen Lyrismen auf, so z.B. im Cantabile der Wahnsinnsszene (Col sorriso d'innocenza), wo die Triolen selige Begleitung quasi das Casta diva aus NORMA vorwegnimmt.

Obwohl IL PIRATA bei der Uraufführung in der Mailänder Scala enthusiastisch gefeiert worden war und von einigen Bühnen auch im Ausland (Dresden, Wien, London, Graz, München, New York, Havanna, Buenos Aires, St.Petersburg) übernommen wurde, kam es im weiteren Verlauf des 19. Jahrhunderts nur noch zu vereinzelten Aufführungen.

Maria Callas stellte IL PIRATA ab 1958 an der Scala und im Jahr darauf in New York erneut zur Diskussion, sang die Wahnsinnsszene gerne in ihren Konzerten. Auf die Callas folgten mit Leyla Gencer und Montserrat Caballé wurden in der Nachfolge der Callas mindestens ebenbürtige Interpretinnen der schwierigen Partie der Imogene, später nahmen sich auch Mara Zampieri (Zürich), Lucia Aliberti (Berlin), Edita Gruberova (Wien) oder Renée Fleming (New York) erfolgreich der Rolle der Imogene an.

Karten


Für oper-aktuell: Kaspar Sannemann, den 19. Mai 2018 Gelesen: 13

Keywords: Bellini, Il Pirata, Kritik, St.Gallen, Rizzo Pietro, Baur Ben, El-Khoury Joyce, Espiritu Arthur, Caria Marco, Summer Martin


Kategorie: Il pirata