Zürich: WERTHER, 02.04.2017 

Zürich: WERTHER, 02.04.2017

Drame lyrique in vier Akten | Musik: Jules Massenet | Libretto: Édouard Blau, Paul Millet, Georges Hartmann, nach Goethes Briefroman DIE LEIDEN DES JUNGEN WERTHER | Uraufführung: 16. Februar 1892 in Wien (deutsche Fassung von Max Kalbeck), 27. Dezember 1892 in Genf (französische Fassung) | Aufführungen in Zürich: 2.4. | 5.4. | 8.4. | 11.4. | 17.4. | 23.4. | 27.4. | 30.4.2017

Jules Massenet (1842-1912)

Kritik: folgt am 3.4. ab 20 Uhr an dieser Stelle

Inhalt:

Sommer: Charlotte, die Tochter des verwitweten Amtsmanns probt mit ihren jüngeren Geschwistern Weihnachtslieder. Sie hat als ältestes Kind die Aufgaben und die Rolle der Mutter im Haus übernommen, nachdem ihre Mutter früh gestorben ist. Werther soll Charlotte zum Ball begleiten, da ihr Verlobter Albert abwesend ist. Werther sinniert bei seinem ersten Auftritt über die Natur und die malerische Stimmung. Fasziniert betrachtet er die Musikprobe im Haus des Amtsmanns. Charlotte und Werther werden einander vorgestellt. Werther spürt erste Gefühle für Charlotte in sich aufwallen. Sie machen sich auf den Weg zum Ball. Unterdessen kommt Albert früher als erwartet nach Hause. Sophie, Charlottes jüngere Schwester, erzählt ihm, dass man im Hause mit den Vorbereitungen zur Hochzeit zwischen Charlotte und Albert beschäftigt sei. Albert geht ab und verspricht, am nächsten Tag wiederzukommen. Bei Mondenschein (Claire de lune) kehren Charlotte und Werther vom Ball zurück. Werther gesteht Charlotte seine Liebe. Doch Charlotte konfrontiert ihn mit dem Versprechen, das sie einst ihrer Mutter gegeben hatte: Sie wird Albert heiraten. Werther ist verzweifelt.

Herbst: Charlotte und Albert sind nun verheiratet. Auf dem Weg zur Kirche werden sie vom eifersüchtigen Werther beobachtet. Als Albert aus der Kirche kommt, spürt er den Grund für Werthers Niedergeschlagenheit und versucht mit ihm zu sprechen. Werther versichert Albert seiner Loyalität. Doch als er wieder allein ist, bricht er in Selbstmitleid völlig zusammen. Charlotte kommt aus der Kirche. Er erinnert sie an die glückliche Stunde im Mondenschein. Doch Charlotte geht nicht darauf ein, weist Werther auf ihre Pflichten ihrem Gemahl gegenüber hin und empfiehlt ihm schliesslich, die Gegend für eine Weile zu verlassen und erst so gegen Weihnachten wieder zurückzukehren. Werthers Gedanken kreisen um Suizid. Sophie will Werther aus der trüben Stimmung reissen, doch er weist sie dermassen schroff ab, dass Sophie in Tränen ausbricht. Sophie berichtet Albert und Charlotte von Werthers rüdem Abgang. Albert wird klar, dass Werther seine Frau liebt.

Dezember: Charlotte liest Werthers Briefe, welch er ihr aus seinem „Exil“ geschrieben hat. Sie muss sich selbst ihre Gefühle der Zuneigung zu Werther eingestehen. Werther tritt unverhofft ein und wirft sich ihr zu Füssen (Pourqoi me réveiller). Charlotte wirft sich in seine Arme, weicht jedoch von Pflichtgefühl erfasst gleich wieder zurück und stürmt aus dem Zimmer. Albert hat ein Schreiben Werthers erhalten. Darin bittet Werther ihn um seine Pistolen, da er eine lange Reise plane. Albert und Charlotte ist der wahre Zweck dieser Bitte bewusst und Albert weist seine Gattin an, dem Diener die Waffen auszuhändigen und sie Werther zukommen zu lassen. Nachdem Charlotte wieder alleine ist, ergreift sie ihren Mantel und stürmt davon.

Heiligabend: Ein Intermezzo (La nuit de noël) leitet den letzten Akt ein. Charlotte findet Werther, der sich in die Brust geschossen hat, in seinem Zimmer auf dem Boden liegend vor. Sterbend bittet er sie um Vergebung und hindert sie daran, Hilfe zu holen. Endlich kann auch Charlotte zu ihren wirklichen Gefühlen stehen (Et Werther, moi je t'aime). Werther stirbt und Charlotte muss erkennen, dass sie die Liebe ihres Lebens verloren hat. Von Ferne hört man das Weihnachtslied der Kinder aus dem ersten Akt ... .

Werk:

Jules Massenet (1842-1912) komponierte neben Bühnenmusiken, Balletten, sakralen Werken, Kammermusik und Liedern ungefähr 30 Opern (einige Partituren sind verschollen oder blieben unaufgeführt). Trotz der Reichhaltigkeit seines Oeuvres vermögen sich aus seinem Opernschaffen lediglich zwei Stücke dauerhaft im Repertoire zu halten, MANON und WERTHER. Vereinzelt tauchen auch THAÏS (besonders wegen des orchestralen Zwischenspiels der Solovioline, genannt Méditation) CENDRILLON, LE CID, DON QUICHOTTE oder HÉRODIADE auf. Vielerorts gilt der französische Spätromantiker als zu parfümiert in seinem Musikstil. Dabei war Massenet ein sehr gewissenhafter, mit Geschmack und psychologischem Gespür für seine Charakterisierungen vorgehender Komponist. Seine Partituren sind von tiefer Lyrik geprägt, üppig orchestriert, melodisch einfallsreich, haben eigentlich alle Ingredienzien (wie auch stimmige, spannende Libretti,) um eine breite Publikumsschicht anzusprechen. WERTHER nun wurde nicht in Paris (Brand des „Stammhauses“ von Massenet, der Opéra-Comique) uraufgeführt, sondern in einer deutschen Übersetzung in Wien, wo auch seine MANON bereits ein grosser Erfolg gewesen war. WERTHER fand dann ein Jahr später doch noch den Weg nach Paris, wurde dort aber kein grosser Erfolg. Erst eine Wiederaufnahme 10 Jahre später führte auch in Frankreich dazu, dass WERTHER zur beliebtesten Oper von Massenet wurde (neben MANON) und dies auch blieb. In Deutschland tat man sich eher schwer mit den Franzosen, die sich am Nationalheiligtum Goethe „vergriffen“ hatten. Neben Massenet waren dies Gounod mit FAUST und Ambroise Thomas mit MIGNON. Doch unterdessen hat auch der WERTHER seinen verdienten Platz im Repertoire deutscher Bühnen gefunden. Die Titelrolle gehört zu den begehrtesten Partien für Tenöre mit lyrisch-dramatischer Leuchtkraft wie Georges Thill, Alfredo Kraus, José Carreras, dem kürzlich leider verstorbenen Nicolai Gedda oder Roberto Alagna. Interessanterweise schuf Massenet für den Sänger Battistini auch eine Bariton-Version, welche u.a. auch in Zürich mit Thomas Hampson zu erleben war. Die Partie der Charlotte wird von lyrischen Sopranen (z.B. Angela Gheorghiu, Victoria de los Angeles) genauso gerne gesungen wie von Mezzosopranistinnen (Rita Gorr, Tatjana Troyanos, Anne Sophie von Otter, Teresa Berganza – die auch neben Kraus und Carreras in Zürich zu erleben gewesen war).

Karten

Für oper-aktuell: Kaspar Sannemann, den 02. April 2017 Gelesen: 115

Kategorie: Werther
Keine Kommentare
Kommentar hinzufügen

* - Pflichtfeld

*




CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz Wenn Sie das Wort nicht lesen können, bitte hier klicken.

*
*