Zürich: ARIADNE AUF NAXOS, 18.02.2015 

Zürich: ARIADNE AUF NAXOS, 18.02.2015

Oper in einem Aufzug nebst Vorspiel (2.Fassung) | Musik: Richard Strauss | Libretto : Hugo von Hofmannsthal | Uraufführung: 04. Oktober 1916 in Wien | Aufführungen dieser Wiederaufnahme: 22.2. | 28.2. | 3.3.2015

copyright: SUZANNE SCHWIERTZ, mit freundlicher Genehmigung Opernhaus Zürich

Applausfoto, 18.02.2015: K. Sannemann

Eine kurze Würdigung:

Allzu viele Gelegenheiten wird es nicht mehr geben, diese gelungene Produktion von Strauss’/Hofmansthals meisterhafter Oper auf der Zürcher Bühne erleben zu können, welche seit der Premiere im Jahr 2006 immer mal wieder (in unterschiedlichen Besetzungen) aufgenommen wurde. Von der Premierenbesetzung übrig geblieben sind diesmal einzig der ehemalige, langjährige Intendant des Zürcher Opernhauses, Alexander Pereira, als exemplarischer Haushofmeister und Roberto Saccà in der äusserst anspruchsvollen Rolle des Bacchus. Roberto Saccà glänzte mit seinem mühelos die unangenehm hohe Tessitura bewältigenden Tenor. Saccà verfügt über eine strahlend helle, unangestrengt und doch heroisch klingende Farbe in seinen Gesang.  Ihm zur Seite stand mit Michaela Kaune eine wunderbar differenziert singende Ariadne, welche ihrer sauber geführten und fantastisch artikulierenden und gestaltenden Sopranstimme genau die richtige Dosis an distanzierter Entrücktheit beizumischen imstande war.

Zu grosser Begeisterung Anlass gab auch Olga Pudova als Zerbinetta. Im Vorspiel war sie noch etwas zurückhaltend, doch nach der Pause stattete sie ihre Auftritte in der Oper mit beachtlicher Bühnenpräsenz und makellosem Koloraturgesang aus. Eine fantastisch rein und glockenhell ansprechende, glasklare Stimme, welche jedoch nicht zu kalt wirkt und die tief gehenden emotionalen Zustände dieser im Grunde ebenfalls tragischen Figur einfühlsam zu transportieren in der Lage ist. Stephanie Houtzeel verlieh dem Komponisten mit ihrem runden, sehr ausgeglichen timbrierten und zu tragfähigem Pianogesang  fähigen Mezzosopran und ihrer Darstellungskunst eindringliches Profil. Johannes Martin Kränzle war ein durchschlagend präsenter Musiklehrer.

Elliot Madore, Andreas Winkler, Erik Anstine und Iain Milne gaben ein stimmiges, auch choreografisch spritzig aufeinander eingespieltes Komödianten-Quartett. Agnieszka Adamczak, Olivia Vote und Alexandra Tarniceru bereicherten die Oper mit ihren kostbaren und ausgezeichnet harmonierenden Stimmen als Najade, Dryade und Echo.

Am Pult der wiederum mit fantastischer Durchhörbarkeit musizierenden Philharmonia Zürich stand diesmal der Chef persönlich, GMD Fabio Luisi, welcher mit viel Emphase und Einfühlsamkeit in die Kantilenen und Bedürfnisse der Sängerinnen und Sänger mit sicherer Hand durch die luftige Partitur führte.

Fazit: Achtung, nur noch drei Vorstellungen – und vermutlich wird das Werk dann nicht so schnell wieder auf den Spielplan gesetzt werden. Also, wer es noch nicht gesehen hat oder wer (wie ich) die ARIADNE einfach liebt, sollte sich diese gelungene Wiederaufnahme nicht entgehen lassen. Für das „Kronenhalle“-Bild gab’s sogar Szenenapplaus – eine Seltenheit heutzutage ;-).

Zur Inszenierung lesen Sie bitte die Beiträge aus dem Jahr 2006

 

Musikalische LeitungFabio Luisi
RegieClaus Guth
Bühne und KostümeChristian Schmidt
LichtgestaltungJürgen Hoffmann
DramaturgieRonny Dietrich
HaushofmeisterAlexander Pereira
MusiklehrerJohannes Martin Kränzle
15, 18, 22, 28 FebMartin Gantner
3 Mär
KomponistStephanie Houtzeel
15, 18, 22 FebMichelle Breedt
28 Feb; 3 Mär
Tenor/BacchusRoberto Saccà
OffizierJán Rusko
TanzmeisterYujoong Kim
PerückenmacherOleg Loza
LakaiIvan Thirion
ZerbinettaOlga Pudova
Primadonna/AriadneMichaela Kaune
HarlekinElliot Madore
ScaramuccioMartin Zysset
15 FebAndreas Winkler
18, 22, 28 Feb; 3 Mär
TruffaldinErik Anstine
BrighellaIain Milne
NajadeAgnieszka Adamczak
DryadeOlivia Vote
EchoAlexandra Tarniceru

Inhalt:

Vorspiel: Im Hause des „reichsten Mannes von Wien“ sind die Vorbereitungen zur Uraufführung der OperAriadne auf Naxos im Gange. Doch auf Anordnung des unsichtbar bleibenden Mäzens soll die tragische Handlung mit einer Tanzmaskerade von Zerbinettas Truppe verschmolzen werden. Der Komponist ist entsetzt und bricht – trotz eines Liebesintermezzos mit Zerbinetta – zusammen. Doch die Truppe macht sich für die Aufführung bereit.

Oper: Ariadne befindet sich alleine und verlassen auf einer wüsten Insel und trauert ihrer grossen Liebe Theseus nach. Sie sehnt den Tod herbei.

Zerbinetta feuert ein Bekenntnis zur freien Liebe ab – umsonst. Da erscheint der junge Gott Bacchus. Ariadne hält ihn für den Todesboten, er sie für die Zaubererin Circe. Gegenseitiges Verkennen – gegenseitige Verwandlung – Verschmelzung der Seelen.

Zerbinetta kommentiert: „…hingegeben sind wir stumm.“

Werk:

ARIADNE AUF NAXOS ist nach ELEKTRA und DER ROSENKAVALIER die dritte gemeinsame Arbeit des Gespanns Strauss/Hofmannsthal. Ursprünglich war das Werk als Einlage für Hofmannsthals Bearbeitung von Molières Komödie DER BÜRGER ALS EDELMANN gedacht. In dieser Form wurde es auch am 25. Oktober 1912 in Stuttgart uraufgeführt. Die Oper von Strauss wurde also in das Schauspiel eingebettet und ohne das später komponierte Vorspiel gegeben. Doch diese Kombination von Schauspiel und Oper setzte sich nicht durch. Also machten sich Strauss und Hofmannsthal an eine Überarbeitung: Nun wurde dem Einakter ein Vorspiel vorangestellt, der Komponist erhielt eine herrliche Gesangspartie. Die Urfassung mit ihrer langen (und z.T. unendlich geschwätzigen) Spieldauer erscheint nur noch selten auf den Spielplänen, zuletzt 2012 in Salzburg. Die Zweitfassung mit ihrer kammermusikalischen Transparenz hingegen erfreut sich – vor allem unter Strauss-Liebhabern – grosser Popularität. In den Phrasen des Komponisten, dem Leiden der Ariadne, dem Schlussduett und natürlich den mit Schwierigkeiten gespickten, ausgedehnten Koloraturen der Zerbinetta darf man quasi Strauss at his best erleben!

Musikalische Höhepunkte: Ariosi des Komponisten im Vorspiel, Ariadnes grosse Arien "Ein Schönes war's" und  „Es gibt ein Reich“, Zerbinettas Koloraturarie „Grossmächtige Prinzessin“, Schlussduett Ariadne-Bacchus

Karten

Für oper-aktuell: Kaspar Sannemann, den 19. Februar 2015 Gelesen: 1427

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