London, Royal Opera House: LES VÊPRES SICILIENNES, 25.10.2107 

London, Royal Opera House: LES VÊPRES SICILIENNES, 25.10.2107

Oper in fünf Akten | Musik: Giuseppe Verdi | Libretto: Eugène Scribe und Charles Duveyrier | Uraufführung (französische Originalfassung) : 13. Juni 1855 in Paris | Uraufführung der ersten italienischen Fassung unter dem Titel GIOVANNA DE GUZMAN: 26. Dezember 1855 in Parma | Aufführungen in London: 12.10. | 17.10. | 20.10. | 25.10. | 31.10. | 4.11.2017

copyright: ROH/BillCooper

Kritik: erscheint am 26.10. ab 20 Uhr an dieser Stelle

Inhalt:

Die Oper behandelt (historisch ziemlich fehlerhaft) den Aufstand in Palermo zur Vesperzeit am 30 März 1282 gegen die Herrschaft Karls von Anjou auf Sizilien.

Die sich unterdrückt fühlenden Sizilianer, aufgestachelt von der um ihren von den Franzosen ermordeten Bruder trauernden Elena, sinnen auf Rache an der Schreckensherrschaft der französischen Besetzer der Insel. Der Gouverneur Montfort will den eben aus der Haft entlassenen Widerstandskämpfer Arrigo auf seine Seite ziehen. Doch Arrigo eilt zu Elena.

Giovanni di Procida ist der geistige Führer der Widerstandskmpfer. Er kehrt eben aus dem Exil zurück (O tu Palermo) und ruft seine Landsleute zur offenen Erhebung auf. Arrigo sichert ihm Unterstützung zu. Er wird jedoch gegen seinen Willen in den Palast des Gouverneurs Montfort geschleppt. Procida versteht sich wunderbar in der Agitation und stachelt französische Soldaten zum Brautraub anlässlich eines sizilianischen Hochzeitsfestes an. Auch Elenas Zofe wird von den Franzosen entführt.

Monfort hat unterdessen durch einen Brief seiner von ihm getrennt lebenden Gemahlin erfahren, dass Arrigo eigentlich sein Sohn ist. Er gibt sich Arrigo gegenüber als Vater zu erkennen.

Maskenball im Palast Monforts: (Ballett LES QUATRE SAISONS). Elena will Montfort erdolchen, doch Arrigo wirft sich schützend vor seinen Vater. Arrigo wird als Verräter gebrandmarkt.

Arrigo erklärt der gefangen genommenen Elena sein Dilemma. Monfort verlangt die Hinrichtung der Verschwörer. Arrigo bittet seinen Vater um Gnade für Elena und Procida und deren Anhänger. Monfort stimmt unter der Bedingung zu, dass Arrigo ihn „Vater“ nenne. Arrigo weigert sich. Doch angesichts des Henkers ruft er Mio padre! Montfort hält sein Versprechen und will Arrigo und Elena am nächsten Tag zur Vesperstunde vermählen.

Es folgt ein Liebesuett Arrigo-Elena und ihr Hoffen auf Versöhnung zwischen den Franzosen und den Sizilianern. Procida flüstert jedoch Elena zu, dass nach dem Läuten der Hochzeitsglocken und ihrem Jawort das Gemetzel beginnen wird. Elena will deshalb auf die Hochzeit verzichten, um das Stichwort für den Aufstand nicht geben zu müssen. Arrigo klagt seinem Vater die geplante Verweigerung der Eheschliessung durch Elena. Monfort legt die Händer der Liebenden aber trotzdem ineinander. Procida lässt die Kirchenglocken läuten und trotz Elenas wiederholtem NEIN stürzen sich sizilianische Kämpfer auf die Franzosen und metzeln Monfort und die Franzosen nieder.

Werk:

Nach dem grossen Erfolg mit der Vertonung von Victor Hugos LE ROI S'AMUSE als RIGOLETTO standen Verdi auch die Türen der Pariser Oper weit offen. So nahm er den Auftrag, eine Oper für die Pariser Weltausstellung zu komponieren, gerne an. Die breitgefächerten Möglichkeiten des grossen Hauses lockten ihn, obwohl er sich wohl kaum ganz dessen bewusst war, dass er sich nicht (wie er es sich gewohnt war) mit dem Librettisten zusammenraufen konnte. Denn zur Verfügung gestellt wurde ihm ein Elaborat aus der Schreibwerkstatt von Eugène Scribe, der nur ein ursprünglich für Donizetti vorgesehenes Libretto (LE DUC D'ALBA) durch eine Verlegung nach Sizilien leicht zu LES VÊPRES SICILIENNES abzuändern bereit war und die Ausführung danach einem Assistenten überliess. Trotzdem geriet die Uraufführung zu einem Erfolg und ermöglichte Verdi, seine Fortschritte im Bereich der Harmonik und der Entwicklung der Figuren zu demonstrieren. In Italien musste aufgrund der Zensur die Handlung nach Portugal verlegt werden (die Oper hiess nun GIOVANNA DE GUZMAN) und erschien erst 1861 unter dem Titel I VESPRI SICILIANI auf den Bühnen. Obwohl des Werk in den 20er Jahren eine Renaissance erlebte, fristet es doch leider ein Aussenseiterdasein unter dem reichhaltigen Schaffen des Maestros. Sehr zu Unrecht, denn die Oper ist kompositorisch hervorragend gemacht, enthält fantasievolle melodische Eingebungen, differenziert gestaltete Ensembles, effektvolle Aktfinale und musikalisch subtil ausgestaltete Partien von Menschen in Dilemmata. Die beiden schwierigen Arien der Elena (In alto mare und der Boléro Mercé, dilette amiche) und die prächtige, patriotische Bassarie des Procida O patria – O tu Palermo, sowie der dritte Akt mit der grossen Szene des Monfort und der anschliessenden Auseinandersetzung mit seinem Sohn Arrigo und dessen Arie Giorno di pianto zu Beginn des vierten Aktes gehören zu den eindringlichsten Momenten von Verdis mittlerer Schaffensperiode. Eine sehr gelungene Komposition stellt auch die für die Pariser Oper obligate Balletteinlage (Les Quatre Saisons) dar, welche jedoch heutzutage oft Strichen zum Opfer fällt.

Karten

Für oper-aktuell: Kaspar Sannemann, den 25. Oktober 2017 Gelesen: 103

Kategorie: I vespri siciliani
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