Berlin, Deutsche Oper: LA RONDINE, 29.04.2017 

Berlin, Deutsche Oper: LA RONDINE, 29.04.2017

Lyrische Komödie in drei Akten | Musik: Giacomo Puccini | Libretto: Giuseppe Adami, nach DIE SCHWALBE von Alfred Maria Willner und Heinz Reichert | Uraufführung: 27. März 1917 in Monte Carlo | Diese Wiederaufnahme an der Deutschen Oper Berlin: 29.4. | 1.5. | 6.5.2018

copyright: Bettina Stoess, mit freundlicher Genehmigung Deutsche Oper Berlin

Kritik: folgt am 30.4. ab 14 uhr an dieser Stelle

Inhalt:

Zeit und Ort: Second Empire, Paris und Côte d'Azur

Die Mätresse Magda lebt beim Bankier Rambaldo, von dem sie sich aushalten lässt. Der Dichter Prunier, ein Freund ihrer Kammerzofe Lisette, ist zu Besuch und entwirft das Idealbild einer romantischen Liebe. Die anwesenden Damen verspotten den Dichter, nur Magda stellt sich auf seine Seite. Rambaldo tritt hinzu und schenkt Magda eine kostbare Kette. Ihre Freundinnen sind begeistert und loben Rambaldos Grosszügigkeit. Prunier will nun Magda aus der hand lesen. Er prophezeit ihr das schwerelose Leben einer Schwalbe an der Sonne, mit tragischem Ende. Ruggero tritt auf, der Sohn eines alten Freundes von Rambaldo. Lisette zeigt dem Neuankömmling den Weg zu einem Nachclub in Paris, in dem sich der in der Grossstadt Unerfahrene bestimmt wohlfühlen wird. Lisette und Prunkier gestehen sich ihre Liebe. Magda kommt zurück und findet auf einem Papier den Namen des Nachtclubs. Sie verkleidet sich als Grisette (Mädchen aus der Unterschicht mit etwas anrüchigem Lebenswandel) und verlässt das Haus in Richtung Nachtclub.

Im Ballsaal des „Bullier“ sitzt Ruggero schüchtern an einem Tisch. Magda tritt auf, wird sofort umschwärmt, doch sie weist alle ab und steuert auf Ruggeros Tisch zu. Nach kurzer Unterhaltung tanzen sie zusammen. Lisette und Prunier erscheinen, sie erkennen Magda, die aber nicht erkannt werden will, da sie in Ruggero ihre romantische Liebe entdeckt zu haben glaubt. Während sie sich leidenschaftlich küssen, erscheint Rambaldo. Nachdem Rambaldo Magda eine Szene gemacht hat, erklärt Magda die Beziehung zu Rambaldo für beendet. Ruggero nimmt sie in den Arm und gemeinsam verlassen sie das „Bullier“.

Ohne Geld leben Magda und Ruggero nun in der Nähe von Nizza. Ruggero hat seinen Vater um Geld und die Einwilligung zur Hochzeit mit Magda gebeten. Diese hat jedoch Gewissensbisse, da sie Ruggero nichts von ihrer Vergangenheit als Mätresse erzählt hat. Ruggero träumt von einer idyllischen Vision der bürgerlichen Familie. Lisette und Prunier treten ins Haus. Lisetts Karriere als Sängerin hat nicht funktioniert und sie möchte ihren alten Job als Dienerin Magdas zurück. Magda stellt sie wieder ein. Ruggero bringt einen Brief seiner Mutter, welche der Verbindung mit Magda ihren Segen erteilt. Magda offenbart Ruggero nun ihre Vergangenheit. Ruggero verzeiht ihr alles. Doch Magda sieht keine Zukunft mit Ruggero und verlässt, von Lisette gestützt, den am Boden zerstörten Ruggero.

Werk:

Die Uraufführung von LA RONDINE in Monte Carlo war die letzte Uraufführung, welche Puccini selbst miterlebte. (Für IL TRITTICO konnte er so kurz nach dem Ersten Weltkrieg nicht nach New York reisen, TURANDOT wurde erst nach seinem Tod uraufgeführt.) die Entstehung von LA RONDINE fiel mitten in die Wirren des Weltkriegs. Ursprünglich hätte er die Oper für Wien komponieren sollen, die Verträge waren unter Dach und Fach. Doch als Italien 1915 Österreich-Ungarn den Krieg erklärt hatte, war an eine Aufführung in Wien nicht mehr zu denken. Die Franzosen lehnten eine Aufführung ebenfalls ab, da LA RONDINE vom Feind in Auftrag gegeben worden war. So kam es schliesslich zur Aufführung in Monte-Carlo. Puccinis Verleger, Ricordi, wollte LA RONDINE nicht herausbringen, und bezeichnete die Oper als „schlechten Léhar“. So verkaufte Puccini die partitur and Ricordis Konkurrenten Sonzogno. Puccini selbst bezeichnete seine Oper als „Reaktion auf die grauenvolle Musik der Gegenwart“. Und tatsächlich, in LA RONDINE herrscht eine geradezu anachronistische Melodienseligkeit vor, die Grauen des tobenden Weltkriegs finden keinerlei Hachhall in Puccinis Werk. Die Uraufführung war eigentlich sehr erfolgreich, das Werk wurde in Italien und Südamerika gleich nachgespielt. Und doch – den ganz grossen Durchbruch hat diese Oper nie ganz geschafft. Puccini hat sich bewusst dagegen gewehrt, LA RONDINE als Operette zu bezeichnen. Ihm schwebte eher etwas im Stil von Strauss'DER ROSENKAVALIER vor, nur etwas kompakter. Obwohl die Autoren der Vorlage, Willner und Reichert, erfahren Librettisten waren (DER GRAF VON LUXEMBURG, ZIGEUNERLIEBE, DAS DREIMÄDERLHAUS) tat sich Puccinis Librettist Adami eher schwer mit dem Stoff, die Handlung wirkt relativ kompliziert. Puccini jedoch setzte sich mit dem Ende durch, das in seiner melancholischen Melodramatik ganz stark geraten ist und wo sich Magda wahrlich nicht hinter der Marschallin aus dem ROSENKAVALIER zu verstecken braucht.

Die Arie Il sogno di Doretta ist das bekannteste Stück aus LA RONDINE und fehlt auf kaum einem Rezital der grossen Sopranistinnen. Sehr empfehlenswert ist die Gesamtaufnahme unter Molinari-Pradelli mit der überragenden Anna Moffo als Magda und Graziella Sciutti als Lisette.

Karten


Für oper-aktuell: Kaspar Sannemann, den 29. April 2017 Gelesen: 103

Kategorie: La Rondine
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